Wie läuft die Grippeimpfung?
11.11.2009 | 18:49 Uhr 2009-11-11T18:49:00+0100Dortmund. Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) hat die Bürger zur Geduld aufgerufen. Zuerst würden das medizinische Personal, chronisch Kranke sowie Angehörige von Polizei und Feuerwehr gegen Schweinegrippe geimpft. Unterdessen gibt es immer mehr Kritik an den Pharmaunternehmen.
Auch die Ärzte wurden kritisiert. Warum? Die Ständige Impfkommission beklagte eine mangelnde Bereitschaft des medizini- schen Personals zur Impfung. So habe sich Studien zufolge nur etwa ein Viertel des Klinikpersonals immunisieren lassen, sagte der Stiko-Vorsitzende Friedrich Hofmann. Das sei verantwortungslos. Ein nicht geimpfter Arzt laufe Gefahr, „Patienten krank zu machen”.
Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts haben sich inzwischen über 50 000 Menschen in Deutschland mit dem Schweinegrippevirus angesteckt. Vor knapp einer Woche waren es noch 40 270. Zwölf Menschen sind an dem Virus gestorben, sie hatten aber alle schwere Vorerkrankungen. Der bisher bestell
Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts haben sich inzwischen über 50 000 Menschen in Deutschland mit dem Schweinegrippevirus angesteckt. Vor knapp einer Woche waren es noch 40 270.
Zwölf Menschen sind an dem Virus gestorben, sie hatten aber alle schwere Vorerkrankungen.
Der bisher bestellte Impfstoff kostet 700 Millionen Euro und reicht für 25 Millionen Menschen oder mehr, je nachdem, ob einmal oder zweimal geimpft werden muss. Das entspricht etwa einem Drittel der Bevölkerung.
„Ende November werden sich diese Optimierungsansätze auch nachhaltig in einer größeren Menge an verfügbaren Impfstoffen für die Länder bemerkbar machen”, verspricht GSK-Chef Cameron Marshall.
Den Impfstoffverstärkern wurde nachgesagt, heftige Nachwirkungen hervorrufen zu können. Was sagen die Experten dazu?
Hofmann verteidigt das Impfen mit einem Serum, das Wirkverstärker enthält. „Wir wissen, dass solche Stoffe wesentlich breiter gegen Verwandte des ursprünglichen Erregers wirken.” Bisher habe jedes Grippe-Virus Nebenformen entwickelt. Außerdem lasse sich durch den Einsatz von Wirkverstärkern schneller Impfstoff gewinnen.
Trotzdem gibt es überall Engpässe.
Der Mangel an Wirkstoff werde noch mindestens bis Ende des Monats anhalten, glauben Experten. Mehrere Ländergesundheitsminister erklärten, das Hauptproblem seien Lieferengpässe. „Wir sind von anderen Liefermengen ausgegangen”, sagten sie übereinstimmend. Der Vizepräsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montogmery, rief die Hersteller auf, ihre Verpflichtung zur Lieferung des Serums einzuhalten. Eine Sprecherin des Pharmaherstellers Glaxo-Smith-Kline (GSK) äußerte daraufhin gegenüber der WR, „alles läuft planmäßig”. Allen Verantwortlichen sei die Vorgehensweise bekannt gewesen. Die 50 Millionen Impfdosen würden „wie geplant bis Anfang nächstes Jahres zur Verfügung gestellt”.
Wie ist die Situation in NRW?
In NRW soll schon seit Wochen weniger Impfstoff ankommen als von den Pharmafirmen in Aussicht gestellt. Laut Gesundheitsamt sollten es 420 000 Impfdosen pro Woche sein. Geliefert würden wesentlich weniger. In der ersten Woche kamen 340 000 Dosen, danach 300 000, in der kommenden Woche sollen nur 140 000 kommen.
Warum kann der Hersteller nicht wie gewünscht liefern?
Dazu wollte sich das Unternehmen nicht äußern. Experten berichten von einer Panne: GSK sei eine größere Menge Impfstoff schlecht geworden. Der britische Hersteller versprach trotzdem, bis Ende November 9,3 Millionen Dosen des Impfstoffes zu liefern und bis Ende Dezember weitere 10,7 Millionen Dosen.
Kann ich mich denn jetzt trotzdem impfen lassen?
Normalbürger, die keiner Risikogruppe angehören, sollten sich erst nach den Vorrang-Gruppen impfen lassen, sagte Gesundheitsminister Rösler, zeitlich „nicht vor Ende November”. Wann der Impfstoff für alle zur Verfügung steht, weiß er allerdings nicht, möglicherweise werde es bis März 2010 dauern, sagte Rösler.
Hat die Impfkommission auch über die problematische Impfung Schwangerer gesprochen?
Ja, für sie soll scheinbar ein zusätzlicher Grippe-Impfstoff angeschafft werden. Dies ist schon längere Zeit im Gespräch, da der Massenimpfstoff Pandemrix wegen der enthaltenen Wirkverstärker und Konservierungsstoffe für Schwangere als nicht völlig bedenkenlos gilt. Kurzfristig sollen rund 150 000 zusätzliche Impfdosen der australischen Firma CSL Biotherapies bestellt werden. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung” rechnete aus, dass gemessen an den im vergangenen Jahr in Deutschland geborenen 683 000 Kindern nicht einmal jede dritte Schwangere mit der speziellen Impfung rechnen könne.

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