Wie es ist, ein Christkind zu sein
23.12.2008 | 16:13 Uhr 2008-12-23T16:13:00+0100Dortmund. Am Heiligabend feiern wir die Geburt Christi. Doch an diesem Tag werden auch überall auf der Welt Kinder geboren. Wie ist es eigentlich, an einem so besonderen Tag Geburtstag zu haben?
Große Geschenke
Für Gymnasiastin Olivia Schramke aus Lünen, die heute 15 Jahre alt wird, ist es gar nicht schlimm, Heiligabend Geburtstag zu haben. „Das finde ich eigentlich gut!”, sagt sie. „So kann ich mir auch etwas Größeres wünschen, was ich dann zum Geburtstag und zu Weihnachten zusammen bekomme.” Und damit ihr Ehrentag nicht ganz auf der Strecke bleibt, gab es bei Familie Schramke bislang eine Besonderheit: Jeden Sommer, pünktlich am 24. Juni, feierte Olivia mit Freunden den „halben” Geburtstag. In diesem Jahr gibt es jedoch eine Premiere: Da kommen zwei Freundinnen auch zum „richtigen” Geburtstag vorbei - am Morgen, damit dann abends jeder in seiner Familie Weihnachten feiern kann.
Großartiger Tag
Seit zwei Jahren hat es Familie Neumann aus Wetter schon nicht mehr geschafft nachmittags gemeinsam zur Weihnachts-Messe zu gehen. Der Grund dafür heißt Benjamin und kam am 24. Dezember 2006 zur Welt. „Benjamin kam Weihnachten ganz früh morgens. Das war ein tolles Geschenk”, sagt Mutter Sonja Neumann. Für die Mutter von zehn Kindern war Weihnachten auch vorher nicht gerade besinnlich. Seitdem Benjamin da ist, muss sie am Heiligabend auch noch eine Geburtstagsfete organisieren. Oma und Opa wollen sich nichts entgehen lassen. Deswegen feiern Neumanns mittags Benjamins Geburtstag und danach gibt es eine Bescherung für Alle. „Trotz Stress, ist das ein großartiger Tag mit der ganzen Familie”, sagt Sonja Neumann. Das einzige was fehlt, ist der gemeinsame Kirchgang: „Eigentlich gehört das für mich an Weihnachten dazu, aber in den nächsten Jahren muss ich darauf wohl verzichten. In unseren Zeitplan passt das einfach nicht rein.”
Party am Vorabend
Ein Christkind zu sein – für Miriam Roos aus Gelsenkirchen hat das nur Vorteile. „Ich wollte nie an einem anderen Tag Geburtstag haben”, sagt sie. „Das Datum hat nämlich einen großen Vorteil: Weihnachten kommen meine Freunde aus allen Ecken Deutschlands nach Hause zu ihren Familien. Das passt total gut, denn so können alle mit mir in meinen Geburtstag reinfeiern!” Diese Party hat längst Tradition. Auch in diesem Jahr, wenn der 29. Geburtstag zelebriert wird, dürfte es in der Nacht vor Heiligabend im Hause Roos eher ausgelassen als besinnlich zugehen. „Am 24. Dezember morgens ist dann aber das Thema Geburtstag abgehakt. Dann ist für mich Weihnachten”, sagt Miriam Roos. Eines aber ist klar: „Dass es immer zwei Geschenke gibt. Eins zum Geburtstag und eins zu Weihnachten. Ich verschenke ja im Sommer auch nicht eine große Sache und sage: ,Das ist übrigens für Weihnachten gleich mit.'”
Nichts versäumt
„Als ich noch Pfarrer war, war das immer sehr hektisch”, erinnert sich Franz Schnütgen, der über 30 Jahre Pfarrer der katholischen Gemeinde St. Johannes Baptist in Neheim war. Sein Geburtstag fällt ausgerechnet auf einen der Hauptarbeitstage eines Seelsorgers. „Wenn Gäste kamen, habe ich sie zwar freundlich willkommen geheißen, ich war aber auch froh, wenn sie wieder weg waren.” Ein Pfarrer muss sich schließlich immer noch ein wenig auf die Christmette vorbereiten. Das hat sich bei Schnütgen auch mit Eintritt in den Ruhestand nicht geändert. In den letzten Jahren hat er mit den Menschen in einem anderen Ortsteil Arnsbergs die Christmette gefeiert, weil die keinen Priester mehr haben. Zeit für eine Geburtstagsfeier hatte Franz Schnütgen nie. Trotzdem glaubt er nicht, etwas versäumt zu haben. „Manchmal, wenn ich einen runden Geburtstag hatte, hat der Vikar das Wort ergriffen, hat mir alles Gute gewünscht und der Kirchenchor hat gesungen. Das war dann eine Riesen-Party”. Vielleicht diesmal wieder, denn Heiligabend wird Schnütgen 75 Jahre alt.

0mitdiskutieren