Warum Nokia sich doch für einige Bochumer interessiert
08.12.2009 | 19:32 Uhr 2009-12-08T19:32:00+0100
Bochum. Sie schwenkten Fahnen, zündeten Kerzen an, weinten. Doch der finnische Handy-Hersteller Nokia ignorierte die Proteste und Gefühle seiner Mitarbeiter und machte sein Werk in Bochum dicht. Doch jetzt interessieren sich die Finnen wieder für sie, genauer für ein Handy, das sie entwickelt haben.
Fast zwei Jahre nachdem der finnische Handy-Hersteller das Werk in Bochum dicht gemacht hatte, interessiert sich Nokia plötzlich brennend für 90 ehemalige Mitarbeiter – oder besser: für das, was sie entwickelt haben. Ein Handy. Für die kanadische Konkurrenz.
Das Wort Genugtuung kommt Bernhard Krauße nicht über die Lippen. Wahrscheinlich ist er für solch ein Gefühl zu aufgeräumt, zu analytisch. Bernhard Krauße leitet seit eineinhalb Jahren die Entwicklungsabteilung des kanadischen Mobiltelefon-Herstellers Research In Motion (RIM). In dieser Abteilung wurde Blackberrys neuestes Spitzenmodell entwickelt: der Bold 9700. Er liegt vor Krauße auf dem Konferenztisch. Schwarz, glänzend, elegant. Krauße wiegt es in seiner Hand, als hätte er nie ein anderes Handy besessen. Doch das stimmt nicht. 13 Jahre lang war Krauße ein Nokianer. Er tat für die Finnen das, was er heute für die Kanadier tut: Handys entwickeln.
Keine Existenzangst
Krauße kam 1995 als Ingenieur zu Nokia, zuvor hatte er für ein japanisches Unternehmen Fax-Geräte entworfen. „Nach einem Jahr wurden wir alle nach Belgien versetzt – ich habe früh gelernt, dass es in dieser Branche nicht den Job fürs Leben gibt, und ich habe das für mich akzeptiert”
Krauße hatte ein berufliches Leben vor Nokia – das unterscheidet ihn von vielen Mitarbeitern aus der Produktion. Ihn unterscheidet außerdem, dass er sich als Ingenieur immer sicher sein konnte, dass er auch ein berufliches Leben nach Nokia haben würde. „Ich hatte nie diese Existenzangst, diese Sorge, in Hartz IV zu rutschen. Für andere war das viel schwieriger.” Krauße hatte mit seiner Frau und seinen damals zehn und zwölf Jahre alten Töchtern nicht mehr und nicht weniger zu klären, als dass ein Umzug und Schulwechsel erforderlich sein könnten, wenn er keinen Job in der Umgebung findet. „Ich bin das sehr systematisch angegangen – wie ein Ingenieur halt”, sagt Krauße. Er setzte sich Zeitgrenzen. Er gab sich sechs Monate, um einen Job in der Umgebung zu finden. Er brauchte sechs Wochen und war keinen Tag arbeitslos.
Rückblick
Denn während Nokia noch unter Protest der Landesregierung seine Handy-Produktion in Bochum abwickelte und ins rumänische Jucu verlegte, lud der kanadische Mitbewerber RIM die Nokia-Ingenieure schon zu Vorstellungsgesprächen in Ruhrgebiet-Hotels ein. 90 Nokia-Ingenieure wurden schließlich von RIM übernommen. In der Branche wurde gemunkelt, dass den Finnen diese „Übernahme” schwer im Magen lag. Doch sie hielten still, wohl auch, weil sie – überrascht von dem Sturm des Protestes – am Ende tatsächlich Angst vor einem größeren Imageschaden hatten.
Bernhard Krauße leitet nun eine Abteilung, in der 90 seiner ehemaligen Kollegen arbeiten. Sein Büro ist aufgeräumt, es liegt kein Blatt Papier quer, auf dem Schreibtisch steht nichts als der Monitor, die Wände sind kahl. Er hat nichts mitgenommen. Keine Bilder, keine Poster, keine Pflanzen. Nichts Persönliches. „Ich brauche das nicht”, sagt er. Und seine Kollegen? Schulterzucken. Gibt es denn Kollegen, die sich wie damals ein Büro teilen, Kollegen, die wie damals zusammen rauchen gehen, Kollegen, die sich wie damals aus dem Weg gehen? Krauße behagt das Thema nicht. Er fühlt sich nicht wohl in der Rolle des ehemaligen Nokianers. Er sagt: „Damals ist vorbei. Das, was wir hier machen, das ist komplett neu. Das hat mit Nokia gar nichts zu tun. Wenn ich Sitzungen leite, dann ist das nicht wie früher. Da sind neue Leute dabei, die früher bei Google gearbeitet haben oder bei Siemens oder bei Apple.”
„Ich verdamme Nokia nicht.”
Gemeinsam habe dieses Team am ersten in Deutschland entwickelten Blackberry getüftelt. Der Blackberry Bold 9700 wurde in nur zwölf statt der üblichen 15 bis 16 Monate entwickelt, und den Finnen werden die Ohren geklingelt haben, als RIM-Vizechef Thorsten Heinz bei der Vorstellung ausdrücklich die deutsche Arbeitsleistung lobte und erklärte, man könne nicht alles an Zahlen festmachen.
Trotz eines Gewinns von 7,2 Milliarden Euro hatte Nokia den Standort Bochum dicht gemacht – und das mit zu geringer Wirtschaftlichkeit begründet. RIM dagegen hat sein Team bewusst an die Uni Bochum gepflanzt. Unternehmenssprecher Arno Glompner schwärmt: „Nordrhein-Westfalen ist das Zentrum des Mobilfunks in Deutschland. Vodafone und E-Plus sitzen in Düsseldorf, T-Mobile in Bonn. Alle großen Netzbetreiber tummeln sich hier. Wir sind mitten drin und nah am akademischen Nachwuchs.”
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Bernhard Krauße nickt. Sein Anfahrtsweg hat sich bis auf ein paar Kilometer nicht verändert. Wenn er mal am alten Nokia-Gelände vorbei fährt, dann, so sagt er, spüre er nichts. „Ich verdamme Nokia nicht. Es gab gute und schlechte Zeiten. Nokia ist jetzt ein Mitbewerber – und wir entwickeln Produkte, an denen die zu knabbern haben.” Das Wort Genugtuung kommt Bernhard Krauße nicht über die Lippen.
13:54
Bald sehen wir uns wieder bei der Agentur für Arbeit.
Grüße an alle Nokianer bei RIM.
15:12
Verräter und Kollegenschweine...wünsche Euch baldigst auch beim Arbeitsamt zu sehen, dann wird Euch Eure Arroganz schon wieder einholen.
Es wird passieren - yep! Sehr, sehr bald ...
01:55
Herr Krauße - der Trojaner von Nokia :-)
01:33
Zitat: den Finnen diese „Übernahme” schwer im Magen lag. Doch sie hielten still, wohl auch, weil sie – überrascht von dem Sturm des Protestes – am Ende tatsächlich Angst vor einem größeren Imageschaden hatten.
Den größten Image Schaden, richtete Klaus Goll der mit Bodyguards und gepanzerten
Limousine durch Werk und Bochum fuhr.
Heute hat er wieder große Klappe wie seine Komplizin Achenbach, die ihn 2001 bei Nokia einstellte. Noch fragen? Gerne beantworte ich alle! Nein nicht nur die Finnen machten Geschäfte
19:52
>>ExNokianerauchnichtbeiRIM
Bild Dir eine Meinung :-)
19:33
habe leider beruflich ein Nokia-Handy - grösseren Mist gibt es nicht
16:07
Wofür wurde dann der Artikel verfasst ???
15:33
...die eigentliche Überschrift wird im dem Text nicht beantwortet.
Stimmt-leider
15:17
Wenn man in Hartz4 gerutscht ist, kann mann es nicht ehemaligen Mitarbeiter vorwerfen. Denn entweder hat man nicht die richtige Ausbildung um wo anders zu arbeiten oder nicht das richtige know how.
!!!!! Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied !!!!!
Aber auf jeden Fall ist dieser Artikel eine nette Erzählung über Herrn Krause, aber die eigentliche Überschrift wird im dem Text nicht beantwortet.
14:25
Zitat:Wollen sich wohl wieder in Bochum einnisten
...die sind stehts da.
Am besten geht es dem Betriebsrat oder besser gesagt den braven unter der Leitung von Frau Achenbach die nach wie vor mit zwei anderen sich Betriebsrat nennt, wehrend 16 andere BR - Kollegen bald von Harz IV leben werden. NOKIA Values lassen grüßen.