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Persönlichkeitsanalyse

Warum Jürgen Klopp nicht nein sagen kann

28.07.2009 | 19:02 Uhr
Warum Jürgen Klopp nicht nein sagen kann

Overath. Stefanie Dedenbach behauptet, aus Gesichtern die Persönlichkeit von Menschen herauslesen zu können. Sogar Firmen setzten diese Methode bei Bewerbungsgesprächen für hochdotierte Stellen ein. Psychologen verurteilen sie.

Ihr breiter, schmaler Mund steht für Bescheidenheit, die gebogene Nase und der V-förmige Haaransatz offenbaren das kritische Wesen, das ausgeprägte Jochbein zeigt ihre Durchsetzungskraft. Helga Weiß sitzt in einem hellen, freundlichen Büro und lässt sich aus dem Gesicht lesen.

Lehre der Psycho-Physiognomik

Video
BVB-Coach Jürgen Klopp: Was sagen die Grübchen über seinen Charakter aus? Video: Katrin Figge

Die ihr da aus dem Gesicht liest, ist Stefanie Dedenbach. Die gelernte Betriebswirtin behauptet, dass der Schwung der Augenbrauen, die Gesichtskontur, die Falten auf der Stirn ihr verraten, was für ein Mensch da vor ihr sitzt. Die Lehre der Psycho-Physiognomik gibt ihr bestimmte Muster vor, nach denen die 41-Jährige Rückschlüsse auf den Charakter eines Menschen zieht. Das Lachgrübchen von BVB-Trainer Jürgen Klopp beispielweise zeige, dass er nicht nein sagen könne, erklärt Dedenbach. Das Selbstbewussstsein des Fußballers Franck Ribery liege in einer kleinen Erhöhung am oberen Hinterkopf begründet.

Warum das funktionieren soll, erklärt sie so: „50 bis 60 Prozent der Charaktereigenschaften bekommen wir genetisch mit. Diese grundlegenden Eigenschaften kann man am Aussehen erkennen.“ Nur ein bis zwei Stunden dauere es, bis sie einen Menschen „durchschaut hat“. In dieser Zeit erstellt sie Persönlichkeitsprofile für Privatpersonen, berät aber auch Firmen bei Personalentscheidungen. Im Jahr 2000 gründete Stefanie Dedenbach das Institut für erlernbare Menschenkenntnis. Das läuft so gut, dass sie davon ihre Familie ernähren kann.

So überzeugt sie und ihre Kunden von den Lehren der Psycho-Physiognomik sind, so stark werden sie von Psychologen angezweifelt. Einer, der sich intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt hat, ist Dr. Gerd Reimann. Auch er erstellt Persönlichkeitsprofile für Menschen. „Aber mit seriöser Diagnostik“, betont der Psychologe. „Mit Interviews, Intelligenztests und Gruppentests, in denen es auf das Verhalten der einzelnen Personen ankommt.“

Seine Kritik am Gesichter-Lesen: „Ich sehe die Gefahr, dass man Hinweise auf sich bekommt, die nicht stimmen.“ Er bezweifelt, dass „jede Delle eine einzige bestimmte Bedeutung hat.“

Expertin analysiert auch ihren Sohn

Stefanie Dedenbach liest aus dem Gesicht von Helga Weiß. Foto: Maike Rellecke

Stefanie Dedenbach verraten die abstehenden Ohren ihres Sohnes dagegen viel: „Sie zeigen, dass jemand gern für seine eigenen Bedürfnisse auf die Barrikaden geht.“ Nun muss sie sich keine Sorgen mehr über die Frage machen: „Warum streitet dieses Kind so viel?“

Die Antwort darauf gibt sich die Mutter selbst: „Weil es zu meinem Sohn gehört. Er hat einfach das Bedürfnis danach.“ Das hat die Gesichter-Leserin akzeptiert. „Wenn er streiten will, streiten wir eben und unterhalten uns später darüber. Ich bin nämlich der harmonische Typ.“ Die Erkenntnis habe sie toleranter und entspannter gemacht in dieser Erziehungsfrage.

In beruflicher Hinsicht versteht sich Stefanie Dedenbach als Coach. Auch, wenn sie schon von dem einen oder anderen großen Unternehmen zu Personalfragen hinzugezogen wurde. "Das sind keine Einstellunggespräche. Da geht es um höhere Stellen", verrät sie. Genau hier sehen Psychologen eine weitere Gefahr: Personaler fordern von ihren Mitarbeitern, dass sie lebenslang lernen und sich weiterentwickeln sollen. Dann aber scheitert der Mitarbeiter am Karrieresprung, weil er die falsche Kopfform hat.

Methode beschränkt sich nicht auf Falten

Doch das Veränderungspotenzial möchte Stefanie Dedenbach niemandem absprechen: „Jedes Gefühl hat seine eigene Mimik und die verändert auf Dauer auch das Gesicht.“ Damit meint sie aber nicht nur Lach- oder Zornesfalten. „Das Gesicht ist sehr veränderbar. Es besteht hauptsächlich aus Muskulatur. So können sich auch abstehende Ohren im Laufe des Lebens anlegen oder eine Himmelfahrtsnase absenken“, behauptet die Beraterin.

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"Gesichtsleserin" Stefanie Dedenbach: Die Nazis haben die Psycho-Physiognomik für ihre Zwecke missbraucht. Video: Katrin Figge

Was passiert, wenn jemand seine Nase operativ korrigieren lässt? Die Gesichter-Leserin lächelt. „Ich habe mal eine Frau analysiert, deren ganze Statur verriet, dass sie sehr sportlich ist. Ein erhöhter Höcker auf dem Nasenrücken zeigt normalerweise große Sportlichkeit. Diese Frau hatte aber eine sehr zierliche, kleine Nase. Als ich sie darauf ansprach, hat sie mir erzählt, dass sie sich vor zwei Jahren die Nase korrigieren ließ und danach keinen Sport mehr getrieben hat.“

Stefanie Dedenbach ist überzeugt, dass die einsetzende Lustlosigkeit am Sport und die Nasenkorrektur in Zusammenhang stehen. „Das ist wie die Frage mit dem Huhn und dem Ei. Was war zuerst da?“

Wissenschaftlich nicht haltbar

Für Reimann sind solche Feststellungen wissenschaftlich nicht haltbar. „Bei dieser Technik fehlt die Objektivität, die Zuverlässigkeit und damit die Gültigkeit. Bei Tests hat sich herausgestellt, dass mehrere Psycho-Physiognomen bei den gleichen Personen zu ganz verschiedenen Ergebnissen kommen. Dieses Verfahren kann sich einzig und allein auf den Autoritätsbeweis berufen, dass es schon seit über 2000 Jahren angewandt wird.“ Für den studierten Psychologen kein verlässliches Argument.

Video
Duisburgs Bürgermeister Adolf Sauerland: Woran erkennt man in seinem Gesicht den Netzwerker? Video: Katrin Figge

In einer Frage sind sich der Psychologe und die Beraterin aber einig: „Die Psycho-Physiognomik ist nicht den Nazis zuzuordnen. Sie haben sie zur Begründung ihrer Rassendiskriminierung ausgenutzt“, sagt Reimann. Denn auch die nationalsozialistische Propaganda bediente sich dieser Methode, um ihre Rassenideologie zu begründen. Schädelform, Haar- oder Augenfarbe entschieden darüber, ob man zur nordisch-germanischen Rasse gehörte oder zur jüdischen.

Stefanie Dedenbach erklärt: „Es gibt drei Grundtypen: Menschen, die zum Empfindungsnaturell zählen sind sensible Denker, zarte Typen. Dynamische Tat-Menschen haben das Bewegungsnaturell und rundliche, gelassene Ökonomen das Ernährungsnaturell. Unter diesen dreien haben sich die Nazis das Bewegungsnaturell herausgesucht.“ Auf ihren Seminaren spricht sie diese Frage von selbst an. „Ich weiß ja schon, dass sie kommt.“

Punktgenaue Aussagen

Genauso wie sie schon mit einem Blick ins Publikum erkennt, wer ihr Schwierigkeiten machen wird. Die Zweifler sind diejenigen mit dem V-förmigen Haaransatz. „Diese Menschen picke ich mir raus und analysiere sie. Damit kann ich sie überzeugen“, ist sich Dedenbach sicher. So lernte sie auch die Unternehmensberaterin Helga Weiß kennen. „Ich war überrascht über die punktgenauen Landungen, die sie bei mir gemacht hat“, erinnert die sich.

Dabei spielt nicht nur die Psycho-Physiognomik eine Rolle. „Sie bringt die Dinge so positiv rüber, dass man die Aussagen annehmen kann“, sagt Helga Weiß. Stefanie Dedenbach gibt ein Beispiel: „Das Jochbein von Helga Weiß verrät mir, dass sie beharrlich ist und einen starken Kampfgeist hat. Wenn sie für mich kämpft, ist das positiv. Verfolgt sie aber ihre eigenen Ziele gegen meine Wünsche, ändert sich mein ganz persönliches Bild von ihr und ich würde diese Charaktereigenschaften als Eigensinn und Sturheit bezeichnen. Jede Eigenschaft hat ihre zwei Seiten.“

Warum Jürgen Klopp nicht nein sagen kann

Maike Rellecke

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Kommentare
20.07.2009
16:02
Warum Jürgen Klopp nicht nein sagen kann
von Fan der Freaks | #9

Das läuft so gut, dass sie davon ihre Familie ernähren kann.
Da hab ich mal gleich ne Idee.
Werde Mitarbeiter analysieren, nach der Art, wie sie die Griffel auf dem Schreibtisch lagern. Zeigen die zur Tür, will der doch nur raus! So ein Feierabenderwarter! Feuern!
Zeigt der Richtung des MA,: Egomane:
Feuern!
Liegen die durcheinander: Querulant: Na?? Genau! FeuerN!
Liegt ein Stift unterm Tisch: Duckmaüser---feuern!

Wem darf die Rechnung schicken?

20.07.2009
15:50
Warum Jürgen Klopp nicht nein sagen kann
von Belph | #8

Die gelernte Betriebswirtin.... OK, alles klar.

20.07.2009
15:03
Blockierter Kommentar.
von Matthias.Kiesel | #7

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

20.07.2009
12:41
Warum Jürgen Klopp nicht nein sagen kann
von Robert STadler | #6

oh mein Gott... pseudowissenschaftlicher Unsinn, wieder aufgewärmt nachdem diese physiognomische Herangehensweise seit Jahrzehnten als nicht aussagekräftig entlarvt wurde...
berichten Sie lieber von seriösen Auswahlverfahren, bei denen Grenzen und Möglichkeiten realistisch dargestellt werden.

20.07.2009
12:09
Warum Jürgen Klopp nicht nein sagen kann
von zickzack | #5

Frau Dedenbach natürlich, Entschuldigung Herr Reimann.

20.07.2009
12:01
Warum Jürgen Klopp nicht nein sagen kann
von r.kant | #4

Solange es immer wieder irgendwelche Deppen gibt, die auf so etwas hereinfallen, wird eine solche Scharlatanerie nicht aussterben.

20.07.2009
10:39
Warum Jürgen Klopp nicht nein sagen kann
von dusselbiene | #3

Der Gedanke kam mir auch.
Es geht hier schlicht und ergreifend darum, abzukassieren und die gute Frau findet anscheinend genügend Kunden, die ihr Gefasel ernstnehmen. Übrigens war die Idee der Frau D. im Dritten Reich sehr beliebt.
Es scheint dass die moderne Zeit trotz all ihrer wissenschaftlichen Erkenntnisse immer noch nicht gegen solche Dummheiten gefeit ist.

20.07.2009
10:04
Warum Jürgen Klopp nicht nein sagen kann
von poldy16 | #2

So sinnvoll und aussagekräftig wie Horoskope und Wahrsagerei.
Aber, Hut ab!
Es lässt sich mit diesem Blödsinn offensichtlich Geld verdienen.

20.01.2009
15:03
Blockierter Kommentar.
von Matthias.Kiesel | #1

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