Das aktuelle Wetter NRW 9°C
WR-Info

Viele gute Gründe, heute Karneval zu feiern

22.02.2009 | 22:25 Uhr

Rheinland/Westfalen. Mitten durch NRW läuft eine undurchdringbare Mauer, die Karnevalsfreunde und Karnevalsgegner trennt. ...

Feiern Sie Karneval, mag der beschwörende Blick dieses Karnevalisten bedeuten. Es gibt viele gute Gründe, heute mitzumachen. (Foto: Michael Gottschalk/ddp)

... Im Sinne der Völkerverständigung geben wir hiermit den beiden verfeindeten Parteien Argumente an die Hand, mit der sie die Gegenseite von ihrer Sicht der Dinge überzeugen können. PRO KARNEVAL . . . weil es immerhin an einem von ca. 20 Rosenmontagen nicht regnet.

. . . weil immerhin an einem von ca. 40 Rosenmontagen kein eisiger Wind weht . . . weil an Karneval vielleicht auch mal bevölkerungspolitische Nullfaktoren den Hintern hochkriegen . . . weil an Karneval immer was geht. . . . So viele Frauen in Flirtlaune findet man so schnell nicht wieder . . . weil der Rheinländer unendlich tolerant ist. Wo sonst, als im Dreigestirn Bauer, Prinz und Jungfrau, dürfen Männer mal in Frauenkleidern spielen?

Dafür: ideales Mittel gegen die Krisenstimmung

. . . weil Karneval das ideale Mittel gegen die allgegenwärtige Krisenstimmung ist. Steigen Sie in ein lustiges Kostüm und dann los in die nächste Kneipe oder zur nächsten Party. Schunkeln, Tanzen, Mitsingen, vielleicht ein bisschen "bütze" und das ein oder andere Gläschen. Schnell merken Sie, dass man die Welt statt Grau in Grau auch durch eine rosarote Brille sehen kann - frei nach dem Motto "denn die Trone, die do laachs, musste nit kriesche" (denn die Tränen, die du lachst, musst du nicht weinen).

. . . weil die Musik sooo schön ist und ins Bein und in die Seele geht. Gut, wenn sie auf einer Feier landen, wo "Anton aus Tirol" oder "Sieben Fässer Wein" als musikalische Form von Frohsinn angesehen werden, ist es schlecht für Sie gelaufen. Aber es gibt auch viel wirklich Schönes, das meiste stammt aus der Feder von Karnevalsprofis wie Höhner, Bläck Föös. Und warum singen? Das erklären auch die Bläck Föös: "Weil et öm et Hätz dir dann leichter weed" (weil es dir ums Herz dann leichter wird).

. . . weil man sich in farbenfrohe Kostüme hüllen kann. Natürlich kann man auch in ein und der selben Clowns-Hose viele Jahrzehnte an den tollen Tagen Spaß haben (nur: bitte einmal pro Jahr waschen!). Noch schöner wird es, wenn man einfach mal die Fantasie spielen lässt, vielleicht selber etwas näht. Dabei gilt: Entweder fantasievoll oder total selbstentstellend ist am besten: Wer über sich selber lachen kann, hat´s leichter im Leben (und die Träne die er weint, muss er nicht lachen. Na, Sie wissen schon. . .) . . . weil Pappnasen die einzig zulässige und politisch korrekte Form von Gesichtslifting sind . . . weil Karneval wichtige Impulse in der Kindererziehung setzt: Der sechsjährige Ritter, der am Morgen der Schulkarnevalsfeier trotz hektischer Suche in der ganzen Wohnung sein Gummischwert nicht wiederfindet, wird nächstes Jahr garantiert sein Kinderzimmer rechtzeitig aufräumen.

. . . weil im Karneval alle Menschen gleich sind - naja, zumindest alle Mädchen im Kindergarten. Nirgends eine Untertanin - überall nur Prinzessinnen.

CONTRA KARNEVAL . . . weil einem die Wörter "jeck" und "närrisch" spätestens nach 15 Minuten Live-Übertragung im WDR 2 gehörig auf den Senkel gehen.

Und überhaupt: weil im Radio der Anteil fremdsprachiger Lieder ("Mer losse d´r Dom en Kölle" - ist das Mazedonisch?) wieder steigt.

Dagegen: Witze aus der Urzeit des Humors

. . . weil die Mitglieder des Gonsenheimer Carnevalvereins gegen Schmidt und Pocher nicht nur gesichtsmäßig alt aussehen. Bei den abgefeimten Sprücheklopfern ist gagmäßig j e d e n Donnerstag Karneval.

. . . weil die Übertragung der 184. Prunksitzung des Comitee Düsseldorfer Carneval e.V. (Motto: "Do bes de platt") zur besten Sendezeit wirklich genug ist. Unser Appell an ARD und ZDF: Versenkt diese Schunkelmumien-Sendungen für immer in einem Spartenkanal.

. . . weil man nur im Karneval noch Witze aus dem Paläozoikum des menschlichen Humors besichtigen kann. Neulich, beim versehentlichen Rein-Zappen in so eine düsseldorf-köln-mainz-aachener Sitzung, konnte man dieses quasi menschheitsalte Exponat aus dem Witzmuseum bewundern:

Präsident: "Wolle mer ne reinlasse?"

Buntgekleideter Blödkopp stolpert in die Bütt. "Hey Leute, ich wär´ beinahe gar nicht in den Saal gekommen. Der Eingang war versperrt. Da stand der Aufschwung in der Tür."

. . . weil es eine Strafe ist, neben einer Karnevalskneipe zu wohnen. Sechs Nächte lang "Rumtata" unterm Schlafzimmerfenster, da liegen die Nerven blank.

. . . weil der rheinische Karneval eine dem Westfalen völlig fremde Lebensform ist. Angesichts des Frohsinns, der herüberschwappt, wünscht man sich, Amtssprache am Rhein wäre Westfälisch. Der Westfale ist bekanntlich deshalb so wortkarg, weil ihm seine Sprache zu anstrengend ist.

. . . und zuletzt: weil Humor für Karnevalisten eine wirklich ernste Sache ist.

alle/jüpo/ms

Von unserer Landesredaktion

Empfehlen
Kommentare
Facebook
 
Kommentare
Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/799647/create

Umfrage
Das Aus für die Drogeriekette Schlecker ist besiegelt. Werden Sie Schlecker vermissen?

Das Aus für die Drogeriekette Schlecker ist besiegelt. Werden Sie Schlecker vermissen?

 
Aktuelle Fotos und Videos
SG Massen gegen SC Hamm
Bildgalerie
Fotostrecke
SG Holzwickede vs. SV Langschede
Bildgalerie
Fotostrecke
Schwerer Verkehrsunfall
Bildgalerie
Fotostrecke
Wandern mit der WR
Bildgalerie
Fotostrecke
Aus dem Ressort
Römer im Anmarsch - Baubeginn in Bergkamen
Archäologie
Es war das größte Römerlager nördlich der Alpen und wurde 1905 in Bergkamen-Oberaden entdeckt. Jahrelang durften die Geschichtsfreunde von einem Archäologischen Park an Ort und Stelle nur träumen - im Sommer wird endlich gebaut.
Die Angst vor der Scharia ist größer
Assad-Regime
Er wünscht sich eine syrische Demokratie, doch vor der Revolution und ihren Folgen fürchtet er sich. Deswegen steht Julius Hanna Aydin, Bischof der syrisch orthodoxen Kirche in Deutschland fest hinter Assads Regime. Nahostexperte Jochen Hippler hält das für bedenklich.