Das aktuelle Wetter NRW 9°C
Kommentar

Unsichere Truppe

25.01.2012 | 13:07 Uhr

Die Bundeswehr ist eine Armee im Umbruch. Auch sie spürt den Anpassungsdruck. Das ist der Preis der Modernisierung. Eine Begleiterscheinung sind die Zukunfts- oder Abstiegsängste. Vielen Arbeitnehmern wird das vertraut vorkommen. Man muss sich die Streitkräfte gelegentlich als Firma vorstellen. Prozesse und Zumutungen sind ähnlich.

Auch die Bundeswehr muss sparen, Synergieeffekte und Effizienzgewinne erzielen, ihr Personal abbauen. Sie leidet unter der Demografie, weil die Pensionslasten drücken und der Nachwuchs bald fehlen wird. Und auch die Klagen über die familienunfreundliche Belastung oder über das harte Los von Berufspendlern klingen ähnlich.

Die Stimmung kann nicht gut sein. Da liest sich der Bericht des Wehrbeauftragten sehr ehrlich, kurz: betriebsnah. Wobei „miese Stimmung“ den Punkt nicht trifft. Unsicherheit herrscht. Und nun würde man gern den Soldaten zurufen, dass die Armee eine Riesenreform durchmacht und dass bald alles erträglicher wird, wenn die Neuordnung erst mal abgeschlossen ist. Allein, in zehn Jahren redet man über die nächste Reform, weil Geld fehlt oder sich die geopolitische Lage geändert hat. Gut möglich, dass der Veränderungsdruck bleibt – wie in der so genannten freien Wirtschaft.

Den Soldaten geht es zum Teil besser, weil die Regelungen für Abfindungen und vorgezogenen Ruhestand großzügig sind. Es gibt freilich auch Unterschiede. Bei der Bundeswehr trifft jede Neuordnung junge Leute, Berufsstarter. Und sie verkaufen mehr als ihre Arbeitskraft: ihr Leben. Die Opposition klagt, die Reform sei von oben herab verordnet worden. Stringent, aber von oben nach unten? Da ist was dran. Auch so entsteht Unsicherheit.

Die zweite Klage stammt vom Wehrbeauftragten und betrifft die Versorgung der Soldaten. Sie wurde formal verbessert. Aber praktisch ist es schwer, seine Versorgungsansprüche geltend zu machen. Erst recht, wenn sie „bloß“ von einer seelischen Verletzung rühren. Da wird auch die Verwaltung manchmal zum Trauma. Das muss nicht sein.

Miguel Sanches

Facebook
 
Kommentare
Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/6281808/create

Umfrage
Das Aus für die Drogeriekette Schlecker ist besiegelt. Werden Sie Schlecker vermissen?

Das Aus für die Drogeriekette Schlecker ist besiegelt. Werden Sie Schlecker vermissen?

 
Aktuelle Fotos und Videos
SG Massen gegen SC Hamm
Bildgalerie
Fotostrecke
SG Holzwickede vs. SV Langschede
Bildgalerie
Fotostrecke
Schwerer Verkehrsunfall
Bildgalerie
Fotostrecke
Wandern mit der WR
Bildgalerie
Fotostrecke
Aus dem Ressort
Römer im Anmarsch - Baubeginn in Bergkamen
Archäologie
Es war das größte Römerlager nördlich der Alpen und wurde 1905 in Bergkamen-Oberaden entdeckt. Jahrelang durften die Geschichtsfreunde von einem Archäologischen Park an Ort und Stelle nur träumen - im Sommer wird endlich gebaut.
Die Angst vor der Scharia ist größer
Assad-Regime
Er wünscht sich eine syrische Demokratie, doch vor der Revolution und ihren Folgen fürchtet er sich. Deswegen steht Julius Hanna Aydin, Bischof der syrisch orthodoxen Kirche in Deutschland fest hinter Assads Regime. Nahostexperte Jochen Hippler hält das für bedenklich.