Sportverein schafft Ausbildungsplatz
24.09.2009 | 18:35 Uhr 2009-09-24T18:35:00+0200Ennepe-Ruhr. Viele Unternehmen scheuen sich, Ausbildungsplätze zu schaffen, weil sie die bürokratischen Hürden für zu hoch halten. Ein relativ kleiner Sportverein macht vor, wie es geht.
Die Sportfreunde Eintracht Gevelsberg (SEG) schaffen eine Lehrstelle für einen Sport- und Fitnesskaufmann. Außergewöhnlich findet die Südwestfälische Industrie- und Handelskammer in Hagen das Engagement. „Ein Beispiel, das Schule machen sollte”, so Ralf Grigo, zuständig für Ausbildungsfragen bei der Kammer.
Drei Festangestellte beschäftigt der Verein. Darunter ein „Urgestein”, wie der Vorsitzende Udo Becker sagt. Bei Brigitte Müller ist allerdings abzusehen, wann sie in den verdienten Ruhestand gehen wird.
Ausbildungsmesse
Die Sportfreunde Gevelsberg stellen ihr Modell bei der Ausbildungsmesse Ennepe-Ruhr-Süd vor. Die Messe findet am Freitag, 2. Oktober, im Busdepot der Verkehrsbetriebe VER Im Wuppermannshof 7 in Ennepetal statt.
Veranstalter der Messe, die von der Westfälischen Rundschau präsentiert wird, ist die Wirtschaftsförderungsagentur Ennepe-Ruhr und die Agentur Mark.
Die Messe ist zwischen 9 und 17 Uhr geöffnet.
84 Unternehmen bieten Ausbildungsplätze in 96 unterschiedlichen Berufen an oder informieren über Ausbildungsmaßnahmen.
Der Eintritt ist kostenlos.
„Wir haben uns überlegt, wie wir sie ersetzen können. Natürlich hätten wir einen 400-Euro-Job schaffen können, aber das wäre die schlechtere Alternative gewesen,” so Becker: „Der Verein braucht eine Kraft, die gleichzeitig in der Geschäftsstelle und in unserem eigenen Fitness-Studio eingesetzt werden kann.” Ein Auszubildender habe die Möglichkeit, von den Erfahrungen einer langjährigen Beschäftigten zu lernen. Das bedeute aber auch, dass die Sportfreunde, „keine preiswerte Arbeitskraft suchen. Wir wollen die junge Dame oder den jungen Mann anschließend beschäftigen.”
Um die Pläne zu verwirklichen, hat der Verein erst einmal bei der Industrie- und Handelskammer vorgefühlt, ob die Vorausetzungen stimmen. Mit Bahman Razeghpour ist ein Trainer an Bord, der Diplom-Sportlehrer sein wird, wenn der Auszubildende seinen ersten Arbeitstag hat. Von der sportlichen Seite gibt es deshalb kein Problem. In der Geschäftsstelle sitzt mit Tanja Neumeier-Höller eine gelernte Verwaltungsfachangestellte, die bereit ist, 70 Stunden zu investieren, um ihren Ausbilderschein zu erhalten. Nur, um einen einzigen Ausbildungsplatz zu schaffen.
Selbst, wenn der Verein mit 1650 Mitgliedern nicht alle Anforderungen des Ausbildungsprofils erfülle, sei das für die Sportfreunde kein Problem: „Wir können einen Teil der Ausbildung an einen anderen Anbieter oder Verein ausgliedern.”
Irgendwie hat die Idee, einem jungen Menschen eine berufliche Chance zu geben, eine unübersehbare Euphorie ausgelöst. „Wir haben noch nie ausgebildet, wir lernen auch. Es ist spannend,” sagt Becker. Der Vorsitzende macht jedem anderem Verein, aber auch jedem Unternehmen Mut, den selben Weg zu gehen.
„Die Industrie- und Handelskammer hat uns mit den entsprechenden Informationen versorgt, uns intensiv beraten und dann war eigentlich alles ganz leicht.” Der für die Lehrstellen-Akquise zuständige IHK-Sachbearbeiter habe sich allerdings gefreut, „dass wir nicht zuerst nach den Zuschüssen gefragt haben.” Für den Vorstand sei klar: „Wenn wir Glück haben, werden wir gefördert. Aber wenn wir einen Auszubildenden finden, der in keines der Fördermuster passt, dann ist das auch nicht schlimm.”
Gesucht wird zum 1. August 2010 nun eine junge Frau oder ein junger Mann mit Realschulabschluss und mindestens befriedigenden Mathematik- und Deutschnoten für die dreijährige Ausbildung. Die späteren Aufgaben sind die Betreuung der Mitglieder und Kunden des Vereins-Fitnesscenters. Personalwirtschaftliche Themen gehören genauso zum Arbeitsbereich, wie die Erarbeitung von Marketingkonzepten, die Planung von Sportveranstaltungen, der Einkauf, die Kontrolle der Sicherheitsnormen im Sportbereich. Und natürlich zählt auch die Buchhaltung dazu.
„Und bei entsprechender Weiterbildung hat der Bewerber auch die Chance, einmal im Profi-Bereich zu arbeiten,” zeigt Udo Becker die Aufstiegschancen auf. Allerdings nicht bei den Sportfreunden in Gevelsberg, denn die verstehen sich als Breitensport-Verein.

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