Sportreporter malt mit Worten Bilder für Blinde
29.06.2008 | 16:51 Uhr 2008-06-29T16:51:00+0200
Wien.Wenn am Ende eines Arbeitseinsatzes der Höhepunkt steht, sind alle Strapazen aus der Vorwochen vergessen. So ist's bei Markus Bliemetsrieder, der das EM-Finale Deutschland gegen Spanien kommentieren darf.
Dreieinhalb Wochen lang war der Dortmunder Markus Bliemetsrieder in Österreich in besonderer Mission unterwegs. Er kommentierte die EM-Spiele. Nicht für TV-Zuschauer. Nicht für Radiozuhörer. Sondern für blinde und sehbehinderte Fans, die in den Stadion in Wien, Klagenfurt, Salzburg und Innsbruck mitfieberten. Die UEFA war als Ausrichter des Turniers an den Dortmunder herangetreten, denn der 35-Jährige hat Erfahrung in dem Metier.
Seit 2005 sorgt er bei Spielen von Borussia Dortmund dafür, dass die blinden Fans im Signal Iduna Park nicht nur die Stadionatmosphäre erleben, sondern durch seine präzisen Erklärungen auch dem Spielverlauf folgen können. 2006 bei der WM in Deutschland hatte Bliemetsrieder dann seinen ersten Turniereinsatz, er kommentierte die WM-Spiele in Dortmund bis zur deutschen Halbfinalniederlage gegen Italien. Jetzt folgte der dreiwöchige Auswärtseinsatz in Österreich. Die UEFA bezahlte Reisekosten und Unterkunft. Im Zweier-Team mit dem österreichischen Moderator Martin Zwischenberger von Radio Steiermark kommentierte der Dortmunder Jurist EM-Spiele in Österreich.
„Es war stressig. Aber auch ein Erlebnis“, lautet das Resümee des Kommentators. Seine Spielvorbereitung ist intensiv und unterscheidet sich kaum von der seiner Radio- und TV-Kollegen. Sitzt Bliemetsrieder vorm Mikro, ist alles anders. „Meine Kollegen beschreiben die Gesamtsituation. Ich kümmere mich um das Spielgeschehen, versuche das, was auf dem Rasen passiert, 1:1 nachzuerzählen, um Bilder mit Worten zu transportieren. Das klingt dann wie Herbert Zimmermann beim WM-Finale 1954.“

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