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Sparversion

30.09.2009 | 18:54 Uhr

Sie zählt zum Vermächtnis von Gesundheitsministerin Ulla Schmidt: die elektronische Gesundheitskarte. Und die Gefahr ist groß, dass die unter massivem politischen Druck in den Markt gepresste Karte den Steuerzahler teuer zu stehen kommt.

Wer den Ärzten in den Testbezirken über die Schulter geschaut hat, bekommt eine Ahnung davon, warum. Das milliardenschwere Prestigeprojekt war mit zahlreichen Vorschusslorbeeren bedacht worden. Einfacher sollte es werden - für Patienten und für Ärzte. Minimaler Verwaltungsaufwand, größtmöglicher Nutzen. Und natürlich eine spürbare Entlastung für den Staatssäckel. Bislang ist von alledem wenig zu spüren.

Das elektronische Rezept hakt, die virtuelle Patientenakte scheitert an der mangelnden Vereinbarkeit unterschiedlicher Software in den Arztpraxen. Und die Hersteller zeigen wenig Willen, die Probleme schnell in den Griff zu bekommen. Auch weil die Einführung der E-Card ein ums andere Mal verschoben wurde.

Dieses Argument zählt ab heute nicht mehr. Und doch ist bezeichnend, dass die Karte erst einmal nur in einer „Sparversion” an den Start geht. Einziger Vorteil gegenüber der bisherigen Versichertenkarte: das Passfoto, das Versicherungsmissbrauch verhindern soll. Die Zusatzleistungen, die das System effizient machen sollen, lassen auf sich warten.

Entscheidend für den Erfolg der Karte wird die Akzeptanz in der Bevölkerung sein. Und die steht und fällt mit der einfachen Bedienbarkeit des Systems. Zahlreiche ältere Patienten zeigten in ersten Tests Berührungsängste oder waren schlicht überfordert mit der Anmeldung am System in der Arztpraxis. Dazu kommt: Menschen, die sich weigern, mit einer Geldkarte und einer persönlichen Geheimnummer einkaufen zu gehen, werden noch vorsichtiger agieren, wenn es um sensible Daten wie mögliche Krankheiten und eine aufwändige Medikamentierung geht. Daran wird auch das ausgeklügelste technische System nichts ändern.

Sven Frohwein

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