Sieg für das gastliche Sauerland
28.10.2010 | 17:08 Uhr 2010-10-28T17:08:00+0200
Schwerte. Und der Gewinner ist . . .? DAS SAUERLAND. Im dritten Jahr des Westfälischen Gastronomiepreises hat das Land der Tausend Berge, was Küchenleistung und Wohlfühlfaktor seiner Top-Restaurants anbelangt, Westfalen-Lippe, Ruhrgebiet und Münsterland auf die Plätze verwiesen. Mit dem Gasthof Hoffmann in Arnsberg-Rumbeck als bester Landgasthof (2. im Vorjahr) und dem Astenblick in Winterberg als bestes Restaurant des Jahres hatten rund 24 000 Restaurantbesucher, 8000 mehr als im Vorjahr, ihre Spitzenreiter gewählt. Doch nicht nur ganz oben, auch auf den Plätzen dominierte Sauerländer Gastlichkeit.
Wohlgemerkt, es geht hier nicht in erster Linie um „Sterne-Küche“, wie Initiator Gerhard Besler im Rahmen einer Gala vor 250 Gästen in der Schwerter Rohrmeisterei betonte, sondern darum, dass sich die Gäste im stilvollen Ambiente wohlfühlen. Dass hier hohe Produktqualität, Frisches aus der Region und Können am Herd aber keine untergeordnete Rolle spielen, versteht sich von selbst. Auch Dirk Engemann, Chef des Siegers Astenblick, hob die westfälische Tradition ganz besonders hervor und übte Kritik an Winterberger Kollegen, die gastronomisch aus dem Skisportort eine bayrische Enklave machen wollten. „Wir sind Westfalen, und das ist auch gut so“, sagte Engemann, der mit seinem Team bewiesen hat, dass die Besucher diese Einstellung honorieren.
Und nicht nur die Beteiligung der Gäste am 3. Westfälischen Gastronomiepreis, auch die Anzahl der Restaurants schnellte in die Höhe. Waren es vor zwei Jahren noch 123 Betriebe, so hat sich ihre Zahl über 152 jetzt auf 170 erhöht. „Der Gastronomiepreis ist nicht mehr nur Erfolgsgeschichte, sondern schon Institution“, freute sich Tobias Bäcker, Geschäftsführer der Rohrmeisterei, über einen Wettbewerb, der zeigt, dass gastronomische Topleistung nicht nur südlich der Mainlinie von Kritikern gewürdigt wird.
Und dass Westfalen mehr zu bieten hat als Stielmus und Steckrüben durften die Preisträger selbst einmal als Gäste genießen. Nach kreativen Häppchen, zubereitet von Stefan Manier vom Gasthof Stromberg in Waltrop, eröffnete Küchenchef Silvio Eberlein aus Bad Driburg das viergängige Menü mit einem Sandwich vom Tintenfisch und knusperigem Spanferkelbauch (eine gewagte, aber gelungene Kreation), bevor Sterne-Koch Björn Freitag aus Dorsten einen Sauerbraten vom Steinbutt servieren ließ. Zu welcher Küchenleistung der Gastgeber, die Rohrmeisterei, fähig ist, bewies Manfred Kobinger, mit seinem „Lecker Reh“ als Hauptgang. Ein Ragout im Strudelteig begleitet von einem Medaillon mit Steinpilzsauce. „Einfach köstlich“, schwärmten auch erfahrene Gastronomen. Für den krönenden Abschluss sorgte Sascha Stemberg aus Velbert mit knusperigen Quarkcannelloni, Pumpernickel, Ananas und Mango.
Umrahmt wurde das Spitzenmenü von kabarettistischen Einlagen der über westfälische Küche schwadronierenden Putzfrau Waltraud (Esther Münch), die sich zum Schluss ihres Auftritts in einen glamourösen Showstar verwandelte, und von dem locker auftretenden Moderator Peter Großmann, WDR-Sportredakteur, dessen Sauerlandspäßchen von Trachtengruppen in den Bergdörfern allerdings nicht immer bei allen Gästen auf Begeisterung stießen.
Dennoch: Eine gelungene Gala, die Rohrmeisterei-Chef Tobias Bäcker spontan dazu veranlasste, Initiator Gerhard Besler die Rohrmeisterei auch als Austragungsort für den Westfälischen Gastronomiepreis 2011 vorzuschlagen. Besler nahm dankend an.

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