Schimmel vertreibt 33 Mieter aus ihren Wohnungen
02.05.2008 | 18:17 Uhr 2008-05-02T18:17:00+0200
Siegen. Weil vier Siegener Mietshäuser wegen gravierender Baumängel vom Einsturz bedroht sind, haben 33 Bewohner am Mittwoch ihre Wohungen räumen müssen.
Ihnen blieben nur zwei Stunden Zeit, um ihre Habseligkeiten zusammenzusuchen.
Gegen 21 Uhr klingelte es am Mittwochabend an den Türen der 32 betroffenen Mietwohnungen, in denen überwiegend Singles wohnen. Mit Hilfe von Polizei, Rettungskräften und Malteser Hilfsdienst evakuierte die Wohnungsgenossenschaft Südwestfalen (WGS) die Anwohner, nachdem ein Statiker erhebliche Mängel in den Deckenkonstruktionen festgestellt hatte.
Mängel durch Zufall entdeckt
Durch Zufall waren Bauarbeitern während der Arbeiten an neuen Balkonen an der Außenwand morsche Holzbalken im Innern des Gemäuers aufgefallen. „Die Balkenköpfe sind Teil der Decken. Sie sind nun von einem Schimmelpilz befallen und durchgefault”, erklärte Erhard Göbel, Geschäftsführer der WGS. Auch wenn keine akute Einsturzgefahr vorgelegen hätte, sei im Sinne der Sicherheit der Bewohner entschieden worden. „Der Gutachter konnte nicht ausschließen, dass eine der Decken einstürzt.”
25 Anwohner wurden vorläufig in Siegener Hotels untergebracht, acht Mieter sind zu Verwandten gezogen. Eine von ihnen ist Lidia Schneider, die mit ihrer Tochter in einem der betroffenen Mehrfamilienhäuser lebt, das 1902 errichtet wurde. Sie holte gestern in Begleitung von Sicherheitspersonal einige persönliche Dinge aus ihrer Wohnung. „Ein bisschen Angst” habe sie beim Betreten ihrer Wohnung schon gehabt, gesteht Lidia Schneider.
Eine Angst, die nun auch rund 70 Nachbarn teilen: Neben den vier geräumten Häusern stammen fünf weitere Häuser aus der Epoche um die Jahrhundertwende. Damals war es üblich, die Deckenbalken mit Bitumenbahnen einzuschlagen. Dadurch konnte das Holz nicht gut austrocknen und fing über die Jahrzente an zu verrotten.
Derzeit werden die Häuser von zwei Bautrupps auf Mängel untersucht. „Hier und da hat es schon geknarzt im Haus”, meinte Jutta Schüler. Sie ist seit 24 Jahren Mieterin und die hofft, dass ihr eine Evakuierung erspart bleibt. Auch Antonino Falanga, der seit drei Jahren in einem der WGS-Häuser lebt, wartet auf das Ergebnis: „Das alles kam völlig überraschend für uns. Ich hoffe, wir können im Haus bleiben.”
Gestern Nachmittag gab die WGS bereits Entwarnung für zwei der untersuchten Häuser. Dort wurde kein Schimmelbefall festgestellt. Bis Donnerstag sollen auch die Mieter der weiteren Häuser Bescheid wissen, ob sie in ihren Wohnungen bleiben können oder nicht.
Möglicherweise droht Siegen nun eine groß angelegte Untersuchung der Altbauten. „Es gibt noch einige Häuser im Stadtgebiet, die aus der Zeit um die Jahrhundertwende stammen und ähnliche Deckenkonstruktionen haben”, bestätigte WGS-Vorstand Erhard Göbel. Die altersschwachen Häuser werden nun das Thema einer gemeinsamen Sitzung der Siegerländer Wohnungsgenossenschaften sein.

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