Schieflage
28.09.2009 | 18:54 Uhr 2009-09-28T18:54:00+0200Demokratie lebt vom Mitmachen aller Bürger. Wenn sich wachsende Bevölkerungsgruppen abwenden, sich nicht mehr (partei-)politisch engagieren, nicht einmal mehr den Weg zur Wahlurne antreten, bekommt das System eine gefährliche Schieflage.
In einer lebendigen Demokratie müssten gerade die Schwachen besonders eifrige Wähler sein. Sie brauchen eine Lobby, um ihren Anliegen und Interessen Geltung zu verschaffen. An starken Wählergruppen kommt die Politik nicht vorbei. Enthalten sie sich aber ihrer Stimme, lassen die Parteien sie links liegen.
Es ist ein Teufelskreis aus mangelnder Bildung, zunehmender Armut und dem Rückzug in die Resignation. Menschen, die nicht mehr darauf vertrauen, dass der Staat auch für sie ein Angebot hat, kehren ihm eines Tages den Rücken. Das birgt erhebliche Gefahren für den gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Eine Wahlpflicht bekämpft die Ursachen nicht, sondern sorgt bestenfalls für statistische Kosmetik. Wichtiger ist es, die Menschen neu für ein Mitwirken am Gemeinwesen zu begeistern. Das setzt mehr Gerechtigkeit voraus. Demokratie darf nicht ausgrenzen, sie muss sich um jeden bemühen.

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