Regenflut in Dortmund: "Froh, noch am Leben zu sein"
28.07.2008 | 14:39 Uhr 2008-07-28T14:39:00+0200
Dortmund. Marita Link ist froh, dass sie noch lebt. Um ein Haar wäre sie mit ihrem Mann ertrunken. In ihrer eigenen Gartenlaube. In Dortmund überfluteten die Regenmassen Samstag ganze Straßenzüge.
In den Stadtteilen Marten und Dorstfeld fiel in fünf Stunden soviel Wasser wie sonst nur in drei Monaten: 200 Liter pro Quadratmeter.
Karl-Heinz Dobring ist mit den Nerven am Ende. Das Erdgeschoss seines Fachwerkhauses in Marten steht unter Wasser. „Diesmal können wir es abreißen”, sagt er. Das Gebäude sitzt auf einem Lehmboden, ist völlig unterspült worden.” 100.000 Euro investierte er in den letzten drei Jahren in die Innenausstattung. Der Schaden ist immens, und Dobrings besitzen keine Versicherung. „Die Agenturen nehmen uns nicht auf, weil wir in einem Hochwasser-Gefahrengebiet wohnen”, sagt er.
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Der nahe fließende Roßbach als Zulauf zur Emscher konnte die Wassermassen Samstag nicht bewältigen und lief über. Nicht zum ersten Mal. Mehrfach standen die Keller an der Martener Straße schon unter Wasser. So schlimm wie diesmal war es nie. „Wir fühlen und von der Stadt Dortmund und der Emschergenossenschaft im Stich gelassen. Die kennen unser Problem und scheren sich einen Dreck darum”, schimpft Karl-Heinz Dobring. Umstehende Nachbarn nicken.
Karussells im Schlamm
Kalt erwischte es am Wochenende auch die Schausteller des Martener Volksfestes. Manche Karussells standen einen Meter tief im Schlammwasser. „So etwas habe ich in 60 Jahren hier im Ort noch nicht erlebt”, schnauft Organisator Reinhard Gallen am Mobiltelefon. Wie viele Anwohner konnte er seine Wohnung erst gestern Morgen verlassen, nachdem Technisches Hilfswerk und Feuerwehr ihre Pumpen in Gang brachten.
Eine Straße weiter stehen Elektrohändler Peter Schiefelbein die Tränen in den Augen. Auch er fand keine Versicherung, die im Hochwasserfall haftet. 60 moderne Flachbildschirme, unzählige Backöfen und Waschmaschinen sind regelrecht überflutet. Rechnungen, Kataloge und Unterlagen schwimmen durch den Laden. „Mindestens 300.000 Euro”, schätzt er den Schaden. „Und wer weiß, ob der Benzingeruch jemals wieder weggeht.” Mit den Fluten schwammen auch die Treibstoffe von überfluteten Fahrzeugen in sein Geschäft.
Keine Chance Koikarpfen
Im selben Wasser schwimmen die Koikarpfen von Karl-Heinz Dobring. Die ersten bereits kopfüber. Die Stunden ihrer Artgenossen sind gezählt. „In dem Wasser überleben die keine drei Stunden mehr”, sagt Dobring. Gar keine Überlebenschance hatten die Tiere im Stall hinter dem Nachbarhaus. Sie wurden von der tötlichen Flut überrascht. Kaninchen, Tauben, Meerschwinchen treiben tot auf der Wasseroberfläche.
Im Negerdorf, der Bergbausiedlung im Nachbarort Dorstfeld, konnten sich Menschen um ein Haar vor der überfluteten Emscher in Sicherheit bringen. Als Remzi Mala Elektrogeräte aus dem Untergeschoss retten will, drückt die Flut die Kellertür aus den Angeln. Drei Sekunden später stand das Wasser unter der Decke und Remzi wirbelte orientierungslos im Wasser. Ohne seinen Sohn, der ihn von der Kellertreppe aus zu fassen bekam, wäre es wohl schlimmer ausgegangen.
"... wir wären ersoffen!"
Auch Marita und Ullrich Link sind nochmal mit dem Schrecken davon gekommen. Bis zum Gürtel reichte die Flutwelle, die sie in ihrer Gartenlaube überraschte. „Zwei Minuten vorher wollte ich die Türe schließen, um uns vor dem Hagel zu schützen. Meine Frau aber wollte lieber firsche Luft. Hätte ich das getan, wir wären ersoffen”, sagt Ullrich Link. Durch den Wasserdruck hätte sich die Tür nach außen kaum öffnen lassen.
Rund 90 Haushalte sind im Negerdorf betroffen. „Es wird Tage dauern, bis hier wieder alles aufgeräumt ist”, sagt Anwohner Uwe Kisker. „Und dann muss sich die Stadt was einfallen lassen.”

19:06
Das Problem ist doch das man die Deiche für ein 100 Jähriges Ereignis nciht gebaut hat obwohl man 2004 schon wussten das das Negerdorf absaufen würde !
16:51
Hallo zusammen, zunächst sollten wir alle an die denken, denen das Wasser und somit die Probleme bis zum Hals steht.
Ähnlich wie ein Vorredner sind Maßnahmen seitens der Stadt - nicht nur in Barop - nur halbherzig durchgeführt worden. Wie sollen Regenauffangbecken, welche höher liegen als die Grundstücke selbst Wassermassen aufnehmen können. Wie bei uns in Bodelschwingh ein Schluff=Lehmboden die Wassermassen aufnehmen kann = gar nicht, haben wir im Juli 2001 hier erlebt. Wir standen auch im Wasser. Trotzdem wurden Irrsinnige nicht funktionierende Versickerungsanlagen errichtet. die Stadt, der Staat ist gefordert Maßnahmen zu ergreifen, ansonsten saufen wir alle irgendwann ab.
Gruß aus Bodelschwingh
15:41
@Fritz
jetzt habe ich es verstanden, Sie (wegen des Alters - Respektes usw.) haben einen Zeitreise aus den 70er Jahren hinter sich. Sagen Sie das doch gleich, dann hätte ich sofort kapiert, dass Ihre Argumente aus dieser Zeit stammen, sorry, dann will ich nichts gesagt haben. Nur so mein Tipp, in Sachen Umweltbewußtsein hat sich seitdem sehr, sehr viel verändert. So Altbackenargumente wie Arbeitsplätze usw. glaubt vielleicht irgendeine Ururoma. Sie sollten sich erst einmal in das Thema und der heutigen Zeit einlesen, dann empfehle ich sich noch einmal hier zu melden, wenn dann noch Bedarf sein sollte.
Gute Nacht @Fritz (und sein Autochen)
15:22
Ich wohne in Bochum und hatte ebenso Wasser im Keller wie meine Nachbarn. Allerdings einfach nur sauberes Regenwasser - und das hat mir gereicht. Darum echt mein Mitgefühl mit den Betroffenen in Dortmund.
Allerdings glaube auch ich nicht das es der große vom Menschen verursachte Klimawandel ist. Dafür ist das ganze Klima, das Wetter an sich viel zu komplex. Für solche Situationen wie in Dortmund einen Schuldigen zu suchen ist Schwachsinn. Aber man sollte jetzt nicht meckern und sich hier gegenseitig anschnauzen sondern überlegen wie man in Zukunft weniger Schäden hat. Denn eins ist klar : das nächste Gewitter kommt und wer glaubt das das am Samstag schon ein Jahrhundertunwetter war dem empfehl ich mal einen Urlaub in tropischen Gebieten. Und sie Entwicklung der letzten Jahre zeigt einfach nur das wir verwöhnten Ruhrpottler, die Wettertechnisch immer gut dabei waren, jetzt öfter mal nen nassen ***** bekommen.
Meine persönliche Vorsorge: Gummistiefel kaufen.
15:01
@ # 43 Supergrobi07: Ich wollte eigentlich nichts mehr schreiben, aber Du (ich verzichte mit Absicht auf ein Sie, da DU es anscheinend auch nicht nötig hast mir den nötigen Respekt - Alter hin oder her - zu erweisen) reizt mich immer wieder.
Denk Dir mal Dein verhasstes und klimazerstörendes Auto weg. Wie viele Steuereinnahmen entgehen dem Staat? Wie viele Arbeitsplätze gehen verloren bzw. wären gar nicht entstanden?
Das sind noch nichtmal Argumente, die ich verwenden möchte, aber Du zwingst mich dazu, weil Du ähnlich argumentierst.
So...JETZT bin ich gespannt auf Deine Argumente.
14:50
Klimawandel . . . ?!
So ein Blödsinn !
Das war eine Gewitterfront !
Nicht weniger, aber auch nicht mehr !
Hat es schon immer gegeben und wird es auch bei spürbarem Rückgang des CO2-Ausstoßes weiterhin geben !
14:38
für @Fritz
....wascht ihr nur eure Autos
aus dem Herbert Grönemeier Lied Jetzt oder nie
war schon damals eine Anspielung, war aber vor Deiner Zeit, deshalb hab ich ja Verständnis für Dein junges, naives und kurzes Verständnis für Nachhaltigkeit.
Warst Du schon einmal in Pisa @Fritz ???
Wenn ich Dir jetzt noch sage: dass ich sehr gerne Auto fahre, am liebsten mit meinem Oldsmobil mit 6.0 Liter Hubraum, dann bricht wahrscheinlich für Dich eine Welt zusammen (Ironie möglich).
Die Erfahrungen des Lebens werden Dir zeigen, (oder auch nicht) dass Dein kleines Autochen EIN Bestandteil des ganzen Dilemmas ist. Auto ist nicht nur Sprit in die Luft pulvern, sondern die ganze Infrastruktur, die damit zusammen hängt. Nicht nur Straßen, sondern auch der immense Aufwand bei der Entwicklung und Herstellung eines Fahrzeugs, aber das ist scheinbar zu kompliziert, nicht war.
DUMM geht die Menschheit zugrunde, schade drum.
14:03
komisch, mein Regionalexpress kommt in 80-90% der Fälle immer pünktlich und das an einem Ort wie Düsseldorf.
Stellen Sie sich jeden Tag auf den Gleis und wissen, was zu spät kommt und was nicht ?
Aber wir kommen vom Thema ab, es geht hier schließlich um das schwere Unwetter im Raum Dortmund, was durchaus eine Folge des anthropgenen Klimawandels sein kann (aufgrund der Masse an Ereignissen in diesem Jahr!)
13:49
@ #37 Michael: Wir haben leider unterschiedliche Ansichten zu dem Thema. Sagen wir es mal so: Wären in der Vergangenheit nicht Fehler begangen und hätte es sparsamere und gefilterte Motoren gegeben, wären wir vielleicht einen kleinen Schritt weiter. Aber es ist doch inzwischen belegt, dass das Auto nur einen ganz kleinen Teil an der Verschmutzung hat.
Außerdem werden Sie - denke ich - nicht sehr viele Fürsprecher auf Ihrer Seite haben, da nunmal ein Großteil der Bevölkerung mit dem Auto mobil ist.
Ich denke man sollte einen Mittelweg finden. Das Auto komplett stehen zu lassen oder gar zu verbieten, geht meiner Meinung nach erheblich zu weit.
Sie fahren mit der Bahn und ich mit dem Auto und jeder ist glücklich. ;-)
Warum soll nicht der, der sein Geld in ein Auto steckt, es nicht nutzen?
@ 38 Supergrobi07: Sie wissen sicherlich nicht wie man ein Auto putzt, sonst würden Sie nicht immer und immer wieder mit dem selben Spruch kommen. Kein weiterer Kommentar zu Ihnen.
@ #39 mine1975: Hehe, auch eine Idee. Ich weiß worauf Sie hinaus wollen und möchte dazu Stellung beziehen.
Sie denken, ich denke, ich könne alles besser? Nicht unbedingt. Ich wüsste aber, wo ich ansetzen würde.
Dass ein Zug MAL Verspätung hat, ist vollkommen klar. Manche Ausfälle sind nicht hervorzusehen (Schäden an der Lok etc.), aber wenn ein Zug bzw. eine S-Bahn JEDEN, aber wirklich JEDEN Tag Verspätungen von 5-20 Minuten hat, dann stimmt da etwas nicht.
Ich kann mich doch gar nicht mehr auf die Bahn verlassen. DAS IST DAS PROBLEM.
12:33
Ihre Kommentare werden die Betroffenen sicherlich gerne lesen.
Stehen bis zum Hals in der Scheisse, wohl möglich auch in der Scheisse die einige von Ihnen Ökopopolistenin die Schüssel gedrückt haben, denn sofern Sie irgendwie hier in der Umgebung leben wird Ihr Dreck auch über die Emscher abgeleitet.
Zum dem Thema Solidarität der restlichen Bevölkerung in Deutschland: Das können wir mal schön vergessen.
Das Vertrauen ist weg, was ist mit den Spendengeldern für die Opfer des Oderhochwassers passiert? Viele haben sich dadurch saniert.
Mosel und Oder mit der Emscher zu vergleichen ist sinnig.
Ich erkenne den Anstieg der Lebensqualität, wenn man neben einem Abwasserfluß lebt, das ist fast so schön wie auf den Weinbergen an der Mosel zu leben.