Prozess um Mord vor 22 Jahren
11.08.2009 | 17:17 Uhr 2009-08-11T17:17:00+0200
Arnsberg. Vor 22 Jahren wurde im 1100-Einwohner-Ort Ostönnen bei Soest die 26-jährige Ursula Scheiwe brutal in ihrer Wohnung erstochen. Seit gestern muss sich der damals 18-jährige Jörg B. dafür vor der Jugendkammer des Arnsberger Landgerichts verantworten.
Ihm wird vorgeworfen, die junge Frau nach einer Aufstiegsfeier des örtlichen Fußballvereins getötet zu haben, um eine versuchte Vergewaltigung zu vertuschen. DNA-Spuren, die unter anderem in den Fasern einer Wolldecke und unter den Fingernägeln des Opfers entdeckt worden waren und die mit Hilfe neuer Techniken ausgewertet werden konnten, hatte die Ermittler nach über 20 Jahren auf seine Spur geführt.
Noch bis vor Kurzem war der Angeklagte höchstens durch Können und Geschick auf dem Fußballplatz aufgefallen. Jörg B., 40 Jahre, verheiratet. Seit einem frühen Morgen im Februar diesen Jahres inhaftiert als Tatverdächtiger im Mordfall Ursula Schweiwe. Nun sitzt er auf der Anklagebank: Ein blonder Mann, gegelte Haare, bedrucktes Sweatshirt, helle Jeans.
Brüder treten als Nebenkläger auf
Auf der anderen Seite des Gerichtssaals zwei Männer, deren Leben seit 22 Jahren von der grausamen Tat begleitet wird. Willi und Eberhard Scheiwe, die Brüder des Opfers, treten im Prozess als Nebenkläger auf. Als „sehr aufgewühlt” beschreibt Anwalt Rainer Köper die Gemütslage der Familie. Das Verfahren ziehe die Geschichte wieder „in den Vordergrund des Bewusstseins”. Für die Familie sei es „sehr schwer” dem mutmaßlichen Täter gegenüberzutreten.
Man kann nur erahnen, was diese Familie in den letzten 20 Jahren durchgemacht hat. Da die Ermittler sich immer sicher waren, dass der Täter aus den Reihen der Besucher des Fußballfestes kam, war auch klar: Der Täter ist einer aus dem Ort. „Auch die letzten Lebensjahre der Mutter waren durch die intensive Suche nach dem Täter bestimmt”, erklärt Anwalt Köper. Sie verstarb 1991. Dennoch sei die Familie froh, dass es nun endlich ein Verfahren gibt, der Tod der Schwester möglicherweise aufgeklärt werde.
Ehefrau glaubt an Unschuld des Angeklagten
Der erste Prozesstag jedoch bringt keine neuen Erkenntnisse. Lediglich die Anklage wird verlesen. Im Anschluss wird dem Angeklagten Gelegenheit zum Gespräch mit seiner Frau gewährt. Nicole B. steht zu ihrem Mann, glaubt an seine Unschuld. Aufrecht verfolgt die dunkelhaarige Frau das Geschehen im Gerichtssaal.
Vor der Tür dann zeigen sich die Gräben, die sich wohl auch durch Ostönnen ziehen. Auf der einen Seite Familie und Freunde des Opfers, auf der anderen die des Angeklagten. Die Stimmung ist gereizt. Auf sie alle, das ist jetzt schon klar, wird ein langwieriger Prozess zukommen. Für den nächsten Verhandlungstag Anfang September hat der Angeklagte eine kurze Erklärung angekündigt. Er hat bisher immer seine Unschuld beteuert.

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