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TV-Star in Westfalenhalle

Pochers Bühne ist ein Boxring

15.02.2009 | 18:59 Uhr
Pochers Bühne ist ein Boxring

Dortmund. Ob vermeintliche Superstars von Dieter Bohlens Gnaden oder vermeintliche Zauberer, gekürt von Uri Geller - Oliver Pocher nahm die TV-Kultur bei seinem Auftritt vor 2000 Fans am Samstag in Dortmund am Samstag auseinander. Seine Fans wurden nicht enttäuscht.

Die Westfalenhalle tobt, als der TV-Star als Rocky einläuft. Seine Bühne - ein Boxring. Stilecht teilt er aus. Die besten Plätze sind auch hier die gefährlichsten: Die erste Reihe. Für zwei junge Pärchen beginnt der Abend mit einer peinlichen Befragung über ihr Privatleben. "Und wie habt ihr euch kennengelernt?" Der Comedian lässt nicht locker und auch der Rest der Halle lauscht - genauso, wie bei einer Talkshow im TV. "Gut, dass wir hier hinten sitzen" - eine Zuschauerin spricht aus, was wohl viele denken. Doch nicht nur TV-Formate persifliert er gekonnt: "Wie kann man morgens früh so verdammt gut drauf sein", regt er sich über die allmorgendlichen Radiosendungen auf, um dann den Redeschwall von "Morgen Michi" und "Crazy Claudia" gekonnt zu imitieren. Wie es wäre, wenn Nachttalker Domian am Morgen moderieren würde, schickt Pocher gleich hinterher - die Halle bebt.

Einige Witze fliegen dem 30-jährigen auch beim Fliegen zu

Das Visa-Formular für die Einreise in die USA steht für sich. Fragen, wie "Wollen Sie in den USA terroristische Anschläge begehen?" klingen absurd, sind aber Realität. "Können die Bin Laden nicht mal endlich finden?", "Gibt es nicht schon "Google Höhle"?".

Sich selbst nimmt der ehemalige Zeuge Jehovas nicht vom Spott aus: "Bei ihnen, ihnen und ihnen könnte ich schon mal geklingelt haben." Bei seinem multimedialen Rundumschlag ist Oliver Pocher auch das Buch der Bücher nicht heilig, sondern eher "was für Fans von Saw 1 bis 5". Parallelen zum Gruselschocker bietet da das Kapitel über Sodom und Gomorrha.

Sex natürlich auch

Sex ist natürlich eins der Lieblingsthemen des 30-Jährigen, der manchmal wirkt wie ein Klassenclown in der Unterstufe. Besonders über den Gesichtsausdruck des Mannes beim Orgasmus ("wie wenn einem ein Kasten Bier auf den Zeh knallt") referiert er schon mal länger. Wenn er als Morta Della stümperhafte Zaubertricks aufführt, ist das für die Zuschauer irre lustig. Es schwingt aber auch immer eine gewisse Kritik an der TV-Realität mit, in der jemand wie Uri Geller Konjunktur hat.

Im Schlusslied heißt es, "dummes Zeug zu reden, darum geht es im TV", dazu sieht man Bilder von Trash-Ikonen wie Gülcan und Bohlen. Sein Bild fehlt auch nicht: denn die Medienkritik kommt von jemandem, der Teil des Systems ist. Und die war an diesem Abend für die Zuschauer zum Brüllen komisch.

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Jens Wege

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