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Nur 20 Prozent nutzen Versicherung gegen Hochwasser

30.07.2008 | 20:15 Uhr

Dortmund. Nach dem großen Regen kam die große Verunsicherung. Verbraucher, die ihr Haus und den Hausrat jetzt gegen Elementarschäden durch Überschwemmung oder Wasserrückstau versichern lassen wollen, haben erfahren: Es gibt Versicherer, die dies ablehnen.

"Verkanntes Risiko": Der Starkregen in Dortmund vernichtete die Existenz von Gewerbetreibenden. (Fotos [2]: Jens Ostrowski)

Eine Elementarschadenversicherung ergänzt die Hausratversicherung, die Wohngebäudeversicherung - oder auf Wunsch auch beide. Sie sichert Risiken ab, die in den üblichen Hausrat- oder Wohngebäudeversicherungen nicht berücksichtigt sind: Überschwemmung, Erdbeben, Erdrutsch. . . Dort, wo Naturgewalten sich besonders oft austoben, sind die Versicherer naturgemäß vorsichtig: "Aber gut 98 Prozent der Häuser in Deutschland können gegen Elementarschäden versichert werden", erklärt Stephan Schweda vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). "Bei den anderen zwei Prozent wird es schwierig. Denken Sie nur an die Kölner Altstadt und das regelmäßige Rhein-Hochwasser." In solchen Risikogebieten könnten theoretisch nur Versicherungen mit sehr hohen Selbstbeteiligungen angeboten werden. "Aber die würde ja niemand kaufen." Ein Recht, versichert zu werden, habe der Verbraucher nicht. "Das ist ja keine gesetzliche Pflichtversicherung."

Arnold Vogt, NRW-Sprecher des Bundesverbands Deutscher Versicherungskaufleute, glaubt aber, dass nahezu jeder Verbraucher eine willige Versicherung finden wird. "Sprechen Sie Ihr Unternehmen an, wenn sie die Hausrat- oder Wohngebäudeversicherung um eine Elementarschadenversicherung ergänzen wollen. Lehnt ihr Versicherer dies ab, dann bitten Sie um die Freigabe. Wir helfen gern dabei, eine Versicherung zu finden, die dann einspringt."

Vogt rät dazu, in jedem Einzelfall genau abzuwägen, welches Risiko versichert sein sollte. "Wenn Sie in Parterre wohnen und wertvollen Hausrat im Keller haben, sollten Sie den Hausrat gegen Elementarschäden absichern. Wenn sie im dritten Stock wohnen und nur Kartoffeln im Keller haben, lohnt sich das natürlich weniger."

Andreas Gernt von der Verbraucherzentrale Niedersachsen spricht bei Hochwasserschäden von einer "verkannten Gefahr". Die Versicherung eines Wohngebäudes gegen Schäden durch Starkregen sei "eine zusätzliche Option, über die Hausbesitzer nachdenken sollten". Gernt sagt: "Die Wohngebäudeversicherung zählt ja allgemein zu den wichtigsten Versicherungen." Schwierig werde es dort, wo bereits einmal Schäden aufgetreten sind. "Häufig verweigern dann Versicherer solch einen zusätzlichen Versicherungsschutz. Häufig verlangen sie hohe Risikoprämien. Häufig arbeiten sie mit hohen Selbstbeteiligungen." Auch Gernt stellt klar: "Es gibt keinen Annahmezwang".

Nach Angaben des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft hält sich die Nachfrage nach Elementarschadenversicherungen bislang in Grenzen. Stephan Schweda: "Im Schnitt liegt die Versicherungsdichte erst bei 20 Prozent."

Von Jürgen Potthoff

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