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Einsturz des Kölner...

Niemand will verantwortlich sein

02.06.2009 | 18:11 Uhr
Niemand will verantwortlich sein

Köln. Vor drei Monaten stürzte das Kölner Stadtarchiv ein und riss zwei Menschen in den Tod. Ein Sonderkommission ermittelt seitdem mit Hochdruck. Bisher will niemand verantwortlich gewesen sein.

Der Heilige Severin soll im fünften Jahrhundert sozial engagiert gewesen sein. Der frühe Bischof von Köln hat der Severinstraße seinen Namen gegeben. Nach ihm ist auch eine Ermittlungsgruppe der örtlichen Polizei benannt. Sie soll die Hintergründe aufklären, die zum Einsturz des Historischen Archivs der Stadt Köln am 3. März geführt haben.

Heute vor drei Monaten starben zwei Menschen bei dem Einsturz des Stadtarchivs. Die Gruppe Severin ermittelt auf Hochtouren wegen fahrlässiger Tötung und Baugefährdung gegen Unbekannt. Die spröden Büroräume sind nur etwa 100 Meter von der Einsturzstelle entfernt. Mehr als 400 Umzugskartons mit Dokumenten stapeln sich an den Wänden. Die Materialien wurden im Rahmen von Razzien bei Baufirmen in ganz Deutschland zusammen getragen und nach Köln geschickt.

"Eine Handschrift meines Vaters ist nicht zu ersetzen"

Im Mittelpunkt steht die Frage, in welchem Zusammenhang die U-Bahn-Baustelle an der Severinstraße mit dem Unglück steht. In diese Baugrube ist das bedeutendste Geschichts-Archiv nördlich der Alpen gestürzt. Untersucht wird unter anderem, ob zu viel Grundwasser den Boden weg gespült hat, so dass das schwere Gebäude im wahrsten Sinne des Wortes den Halt verlor.

Info
Unter Wasser

11 000 Tonnen Schutt haben Feuerwehr und Hilfskräfte in drei Monaten an der Einsturzstelle in Köln abgefahren.

 Nun liegen noch etwa ein Drittel der Archivunterlagen unter dem Grundwasserspiegel.

Nach Angaben eines Feuerwehrsprechers werden die Bergungsarbeiten in diesem nassen Boden frühestens in zwei Monaten beginnen können. Zuvor seien umfangreiche Sicherungsmaßnahmen nötig.

Die durchnässten Unterlagen werden in einem „Versorgungszentrum” zunächst eingefroren, um sie später aufwändig restaurieren zu können. Fachleute schätzen, dass es um die 30 Jahre dauern können, bis alle Materialien wieder zugänglich gemacht werden können. FÜB

„Wir haben zwei Staatsanwälte für diesen Fall abgestellt”, erklärt Behördensprecher Günther Feld. Die Ermittler sind in ihren Büros im Justizzentrum nur selten anzutreffen. Meist sitzen sie mit ihren Kollegen von der Kriminalpolizei zusammen und wälzen Akten. Unterstützt werden sie dabei von drei Wissenschaftlern der Universitäten in Aachen und Siegen. Die Technik-Experten versuchen gemeinsam mit Studenten die verschiedenen Szenarien zu bewerten, die zum Einsturz geführt haben können. Von ihren Nachforschungen wird es abhängen, gegen wen die Ermittlungen später namentlich geführt werden.

Schramma lehnte Entschuldigung ab

Bei den städtischen Kölner Verkehrs-Betrieben (KVB), bei der Verwaltung und bei den Politikern trifft man unterdessen nur auf solche, die keine Verantwortung übernehmen wollen. Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU) lehnte es sogar ab, sich im Namen der Stadt bei Opfern und Anwohnern zu entschuldigen. Sein Krisenmanagement wurde derart kritisiert, dass er sich zum Rückzug von der politischen Bühne gezwungen sah. Nun tritt der ehemalige Berliner Finanzsenator Peter Kurth für die CDU in Köln als Oberbürgermeister-Kandidat an. „Mir hat es nicht gefallen, dass Köln dargestellt wird als eine Mischung aus hinterwäldlerisch, versumpft, nicht gut verwaltet”, beschreibt Kurth seine Beobachtungen aus Berlin.

Unterdessen regt sich Unmut vor allem bei den Menschen, die Nachlässe ihrer Familie in dem kommunalen Archiv abgegeben haben. Die Familie des Schriftstellers Heinrich Böll zum Beispiel hatte erst wenige Tage vor dem Einsturz zahlreiche Dokumente zur Restaurierung und Archivierung an der Severinstraße abgegeben. „Eine Handschrift meines Vaters ist durch nichts zu ersetzen”, meint Sohn René Böll, der sich unzureichend über den Stand der Bergungsarbeiten informiert fühlt. Womöglich seien große Teile der Unterlagen zerstört, fürchtet Böll: „Wir empfinden vor allem Wut über die Unverantwortlichkeit der Leute, die mit dieser Baustelle umgegangen sind.”

"Kontrolle des Rates funktioniert nicht"

Diesen Ärger empfand offenbar auch der Kölner Regierungspräsident Hans-Peter Lindlar (CDU), der die Kölner Ratspolitiker und Verwaltungsfachleute überraschend offen angreift. Der Einsturz habe gezeigt, „dass die Kontrolle des Rates über die stadteigenen Gesellschaften ebenso wenig funktioniert wie die der jeweiligen Aufsichtsräte über die Stadtwerke und die KVB”. Bei den Verkehrsbetrieben war intern bereits im Herbst vergangenen Jahres bekannt geworden, dass es Probleme mit einströmendem Grundwasser an der Baustelle unter der Severinstraße gab. Später aufgetauchte Protokolle legen den Schluss nahe, dass den Hinweisen nicht genug Beachtung geschenkt wurde.

Frank Überall

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Kommentare
23.10.2009
13:42
Niemand will verantwortlich sein
von vantast | #2

Ganz klar, der Lehrling ist schuld. Er bekommt zwar nicht ganz so viel wie der Herr Schramma mit seiner übergroßen Verantwortung, aber man sollte trotzdem sein Gehalt kürzen, denn so etwas muß sanktioniert werden, wie es bei jedem Leistungsträger üblich ist....

02.06.2009
20:04
Niemand will verantwortlich sein
von kpdhagen | #1

Verantwortung übernehmen Politiker oft nur dann, wenn irgendein Projekt erfolgreich ist. Auch wenn sie nichts dazu beigetragen haben!
Aber - es müssen doch Unterschriften unter Verträgen sein. Unter den Verträgen, die diese Baumaßnahmen, die letztendlich zu der Katastrophe geführt haben, erst rechtswirksam werden ließen.
Schickt diese Leute an die Sonne - die müssen ihren Hut nehmen!

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