Musikindustrie kämpft gegen Piraten
05.03.2009 | 06:43 Uhr 2009-03-05T06:43:00+0100
Stockholm. Er gilt als einer der wichtigsten Prozesse in Sachen Urheberrechtsschutz. In Schweden müssen sich die Betreiber der Internet-Seite „Piratebay.org” vor Gericht verantworten, weil Internet-Nutzer laut Anklage über ihre Seite millionenfach nach urheberrechtlich geschütztem Material suchen - und auch fündig werden.
Die Angeklagten weisen jede Schuld von sich. Sie stellten nur die Suchmaschine bereit. Was die Nutzer damit machten, sei denen selbst überlassen. Am 17. April wird das Urteil erwartet.
Die Musik-, Film- und Softwareindustrie legt viele Hoffnungen in den Prozess: Die schwedischen Seeräuber aus der „Piratenbucht”, so die Übersetzung von Pirate Bay, sind ihnen ein Dorn im Auge.
„Piratebay.org” gilt als eine der größten Suchmaschinen für urheberrechtlich geschütztes Material im Netz und ist so leicht zu bedienen wie Google. Film- und Musikfans werden in dem riesigen Netzwerk in kürzester Zeit fündig, Millionen Nutzer benutzen das Programm zum (Ver-)Teilen von Inhalten über das weltweite Netz. Die neueste Office-Version? „Piratebay.org” hält mit Sicherheit einen Link parat. Kleiner Schönheitsfehler: Die Rechteinhaber sehen für die Downloads keinen Cent.
„Eure Abmahnungen sind Klopapier”
Unrechtsbewusstsein sucht man bei den Angeklagten vergebens. In der Vergangenheit erklärten Fredrik Neij, Gottfrid Svartholm Varg und Peter Sunde mehrfach, man sei sich keiner Schuld bewusst.
Mahnbriefe der Rechteinhaber veröffentlichten die Pirate Bay-Macher auf ihrer Internet-Seite und machten sich über die Anwälte der Unterhaltungsindustrie lustig: „Schickt noch mehr Abmahnungen. Wie haben kein Klopapier mehr.” Sie rühmten sich mit ihren Taten. „Wir haben in den vergangen zwei Jahren ein Filesharing-Imperium aufgebaut, das die Welt so noch nicht gesehen hat”, soll etwa Neij im Jahr 2006 getönt haben. Heute will er das so nicht gesagt haben, den Text habe jemand anders verfasst.
Überhaupt sind die Beschuldigten ruhiger geworden. Mit einem juristischen Winkelzug können sie vielleicht noch einmal ihren Kopf aus der Schlinge ziehen. Auch wenn sie der „Komplizenschaft bei der Bereitstellung von Raubkopien” beschuldigt werden: Im Gegensatz zu in Deutschland geltender Rechtsprechung, wonach auch die Betreiber von Webseiten für die Inhalte verantwortlich gemacht werden können, sind in Schweden solche Urteile bislang nicht gefällt worden.
Zweifelhaft dürfte allerdings sein, dass die Betreiber der Piratenbucht nicht gewusst haben wollen, welche Inhalte über ihre Seite einsehbar sind. Das Prinzip ihrer Webseite ist so einfach wie genial. Pirate Bay dient als Suchmaschine für das so genannte Filesharing-Netzwerk BitTorrent. Ohne Inhalte zentral auf einem Internet-Rechner vorzuhalten, können Nutzer ihre Daten tauschen. Das Netzwerk stellt die Verbindungen her, wer etwas herunterladen möchte, muss den anderen Nutzern auch etwas anbieten.
Die Jäger wissen: Das ist wohl erst der Anfang
So wird die Datenbasis immer größer. Und für Jäger in Sachen Urheberrecht immer unübersichtlicher. Pirate Bay ist sozusagen der Vermittler. Und trägt nach Ansicht der Industrie zur massenhaften Verbreitung von Raubkopien bei.
Selbst wenn es den Pirate Bay-Machern nicht gelingen sollte, mit einem Freispruch davonzukommen: Der Feldzug der Unterhaltungsindustrie dürfte erst am Anfang stehen. Pirate Bay mag zwar eine der größten Suchmaschinen für Musik, Filme und Software sein, aber nicht die einzige.

11:34
Ich hab munkeln hören, Rosamunde Pilcher hat sich die Rechte gesichert, Der lange weg zur Pirate Bay soll er heissen...
11:12
Hat sie schon jemand gesehen?
Die Virgin-Fighter und die BMG-Crusader im Golf von Aden.
Mit Hip-Hop und Brittney im Kampf gegen Piraten.
Wird das auch verfilmt?
08:05
Wenn die Musikindustrie gegen Piraten kämpft, kann sie ja auch mal bei der Bundeswehr anfragen. Die kämpft neuerdings auch gegen Piraten.