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"Mit Äpfeln und Nüssen ist heute niemand mehr zufrieden"

02.12.2007 | 18:38 Uhr

Dortmund. Welches Thema brennt Ihnen auf den Nägeln? Was ärgert Sie? Worüber haben Sie sich zuletzt gefreut? An dieser Stelle lassen wir jeden Montag Menschen zu Wort kommen, die wir gefragt haben: "Wie isses?"

Wenn Heinz-Jürgen Preuß in diesen Tagen unterwegs ist, trägt er oft roten Mantel und weißen Bart. Preuß ist Nikolaus und Weihnachtsmann - seit über 40 Jahren. Für ihn ist das eine Aufgabe, in die er viel Herzblut legt. "Man muss mit der Seele dabeisein", sagt er. "Die Leute merken den Unterschied. Vor allem die Kinder."

Verwandelt sich Heinz-Jürgen Preuß in den Nikolaus, dann tut er das gründlich: Ein plüschiger roter Mantel mit weißem Pelzbesatz, Bart und Perücke natürlich, klobige Stiefel, Handschuhe, Bischofsstab und Mitra, ein dickes goldenes Buch. "Und natürlich darf der Nikolaus weder Armbanduhr noch Handy tragen."

Heinz-Jürgen Preuß kann aus dem Stegreif Nikolaus- und Weihnachtsmann-Traditionen aus den verschiedensten Ländern referieren, im Sommer hat er das Weihnachtsmanntreffen in Kopenhagen besucht. Und er hat sich intensiv mit der historischen Figur des Nikolaus auseinandergesetzt - und würde das auch seinen Auftraggebern empfehlen: "Da sitzen manchmal Menschen vor mir, die etwas gegen Ausländer haben - und die bestellen sich dann den Nikolaus, der ja Türke war."

Vieles hat sich verändert - nicht alles zum Vorteil, wie Preuß findet. "Ein altes Gedicht lautet: ,Apfel, Nuss und Mandelkern, haben alle Kinder gern', doch mit Äpfeln und Nüssen ist heute niemand mehr zufrieden." In den Tüten, die wohlmeinende Eltern dem Nikolaus Preuß für ihren Nachwuchs mit auf den Weg geben, steckt inzwischen oft elektronisches Spielzeug, eine Playstation, DVDs, CDs.

Die "Schandtaten", die auf seiner Nikolausliste stehen, haben sich im Laufe der Jahre wenig verändert, wohl aber die Art der Präsentation. "Früher bekam man eine sauber geschriebene Liste, heute ist das oft nur ein hingeschmierter Zettel. Und wenn dann noch darauf steht, dass die Kinder nicht ordentlich sind, kann man nur denken: Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm."

Noch etwas findet Preuß schade: "Nur noch wenige Kinder können ein Gedicht aufsagen oder Weihnachtslieder singen. Dabei ist gemeinsames Singen doch eine Form von Gemeinschaft." Die kommt seiner Meinung nach heute zu kurz. "Die Menschen wünschen sich Frieden für die Welt und liegen gleichzeitig mit der Familie oder mit dem Nachbarn im Clinch."

"Frieden in der Welt" und Gesundheit sind auch seine persönlichen Weihnachtswünsche. "Das klingt zwar theatralisch, aber das sind nun einmal die wichtigsten Güter, die wir haben."

Von Barbara Allebrodt

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