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Leben mit dem Asperger-Syndrom

15.07.2010 | 16:30 Uhr
Leben mit dem Asperger-Syndrom

Svenja Westphal ist schon ein Stück eines Weges gegangen, der für sie alles andere als normal ist. Die 34-Jährige, die unter der Autismus-Ausprägung „Asperger-Syndrom“ leidet, will eine Selbsthilfegruppe gründen.

Gruppe heißt treffen, sprechen, deuten, angucken, Signale senden. Und immer Lösungen finden, um sich mit dem eigenen Leben zurechtzufinden im Leben der anderen. Das ist ihr Weg der Angst. Jedermanns Opa sagt zu so etwas ruhrgebietstypisch: „Da muss man durch.“ So ist es. Sie muss durchs Normale.

Eigentlich ist ein Gespräch mit ihr schon das Besondere. Sie spricht und man hört Vokabeln wie „tiefgreifende Persönlichkeitsstörung, Gendefekt, unheilbar“, was allem eine Schwere gibt. Und unterhält sich doch einfach nur mit ihr. Sie mag Struktur, auch in der Unterhaltung. „Ich bin sehr zielorientiert“, sagt sie, „das ist meine Stärke.“ Das beharrliche Umsetzen von etwas, was man sich vorgenommen hat - alles sollte der Sache gelten. Dinge sind sicher.

„Mein Problem ist meine andere Wahrnehmung“

„Mein Problem ist meine andere Wahrnehmung“, sagt sie - die Verwertung von Informationen, die sich aus sozialem Zusammensein ergibt. Das, was mitschwingt, wenn man die Stimme erhebt, der skeptische Blick, die Ironie. Sie versteht Metaphern nicht. „Wenn zum Beispiel einer über jemanden sagt: ,Der hat ein Benehmen wie die ,Axt im Wald’, dann seh’ ich eine Axt und einen Wald.“ Nichts Subtiles bitte. Sie lacht: „Brachial-Zynismus versteh’ ich aber.“

Das normale Leben aber schlägt sich täglich durch ein Dickicht von aufrichtigen und falschen Freundlichkeiten und Unterstellungen, Verdächtigungen und seichtem Witz. Man muss sich verhalten. Svenja Westphal kann sich nicht verhalten, ohne Verhalten vorher zu verstehen, zu lernen. Lernen nun wieder kann sie gut.

 „Das Beste liegt noch vor mir“, das ist ihr Credo. Und: „Da vorne sind die Anderen, da will ich hin.“ Sie ist ohne Autismus-Diagnose aufgewachsen, über ihre Kindheit sagt sie nicht viel, außer: „Es hat viele Missverständnisse und Konflikte gegeben?“ Wie auch nicht bei einem solch komplexen Defekt?

Auch Nudeln können Sicherheit geben

 Sie war eine gute Schülerin, „aber bei Spielen kriegte ich Panik“. Dennoch hat Svenja viel von sich verlangt: Sie hat studiert, und Gruppen wurden immer wichtiger. Es gab Hochzeiten, Partys. Aber zwanglos mit jemandem umzugehen, fällt ihr schwer. Sie will keine Vorträge halten, angucken, lachen, raten, wie was gemeint ist. Sie will lernen, nicht interagieren. Kurzum: Ihre Affinität zu Details wurde von anderen Reizen überflutet. „Irgendwann nahm ich es persönlich, wenn ein Seminar ausfiel.“ Es fiel sozusagen aus ihrer Struktur. Achtung: Informations-Overkill! AUS - und RAUS.

Svenja suchte ihre Stärken wieder zusammen, wie sie sie im Grunde jeden Tag zusammensucht, weil das Leben der Anderen droht, sie schwach zu machen. Struktur, fokussieren, ein Raster bilden, an dem sie sich längs hangelt. Sie hat gelernt, Dinge abzuarbeiten, Stück für Stück. Immer daran denken: „Da vorne sind die Anderen - da will ich hin.“

Selbsthilfegruppe in Dortmund

Eine fünfjährige Psychotherapie hat sie ihr eigenes Leben besser verstehen lassen. Sie weicht nicht mehr aus, und das Normale wirkt so wie eine Mischung aus sich schützen und durchhalten. „Das Leben ist linear - es geht immer weiter“, sagt sie. Sie hat Ticks, die sie sicher machen. Sie lässt nicht von viermal Pasta die Woche, Nudeln machen glücklich. Viermal Lebensbegleitnudeln in der Woche müssen sein. Und sie lässt nicht von der Kunstgeschichte. „Jeder Asperger hat ein Spezialgebiet, aber das muss nicht in einer Professorentätigkeit enden.“ Wo auch immer sie hinfährt, gibt es ein Museum.

„Leid teilen, Glück verdoppeln“ - unter dieser Überschrift möchte sie die Selbsthilfegruppe aufbauen. Svenja hat eine Annäherung an eine Verhalten geschafft, das eben nicht verhaltensauffällig ist. Davon sollen andere „Asperger“ profitieren. „Sie sollen aus der Versenkung auftauchen“, sagt sie. Und zwischen 30 und 50 Jahre alt sein. Warum nicht jünger? „Weil die meistens dann noch zu Hause wohnen, ich möchte aber Unabhängige.“ Weitere Voraussetzung: Es muss eine Diagnose vorliegen. Drei Leute hätten sich bereits bei der Selbsthilfe-Kontaktstelle Dortmund unter 0231-52 90 97 gemeldet - für fünf weitere wäre noch Platz.

Dirk Berger

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Kommentare
31.07.2010
04:32
Leben mit dem Asperger-Syndrom
von Twister | #2

Wenn ich sowas schon lese......

@1
Dann leben sie wahrscheinlich nicht mit einem Menschen der diese Störung hat.
Selbst Leiden ist meiner Meinung nach das falsche Wort. Nicht der Mensch mit dem Asperger Syndrom leidet, sondern die Menschen die mit ihm leben.
Einsicher, sich helfen lzu lassen gleich null. Tendenz zur Kälte überwältigend.
Mich würde mal interessieren, wie das andere Menschen sehen, die mit Aspis leben oder gelebt haben!

16.07.2010
11:02
Blockierter Kommentar.
von SilviaBogdanic | #1

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