Kreuzfahrtschiff schießt zurück
26.04.2009 | 16:17 Uhr 2009-04-26T16:17:00+0200
München/Northwood. Im Indischen Ozean hat ein Kreuzfahrtschiff am Samstag einen Piratenangriff abgewehrt. Mit Waffengewalt. Sicherheitskräft schießen auf die Piraten, die Flucht gelingt.
„Während einer Show an Bord sind plötzlich Schüsse gefallen”, berichtet ein deutscher Passagier aus Baden-Württemberg, der den Piratenüberfall auf die „MSC Melody” am Samstag selbst miterlebt hat, dem Internet-Magazin „Spiegel Online” per Telefon. Nach Angaben von Kapitän Ciro Pinto wollten die Seeräuber eine Leiter an der „Melody” anbringen, Sicherheitskräfte an Bord hätten daraufhin das Feuer auf die Piraten eröffnet.
"Das war wie Krieg"
Die sechs Piraten folgten dem Kreuzfahrtschiff in ihrem Boot aber noch rund 20 Minuten lang. Sie seien mit Kalaschnikows bewaffnet gewesen. „Das war wie Krieg”, sagte Kapitän Pinto italienischen Medien.
Am Samstag befand sich die „MSC Melody” auf dem Weg in ihr Sommerquartier im Mittelmeer. An Bord: rund 1000 Passagiere, darunter 38 Deutsche, sowie 500 Besatzungsmitglieder. 180 Seemeilen entfernt von Port Victoria mitten im Indischen Ozean, keine Hilfe durch internationale Streitkräfte in Sicht: Die Besatzung der „MSC Melody” wehrt sich gegen den Piratenangriff. Kapitän Pinto lässt Vollgas geben und Zickzack-Ausweichmanöver fahren. Gleichzeitig erwidern bewaffnete Sicherheitskräfte an Bord das Feuer der Piraten.
Die Reederei in München bestätigt den Schusswechsel, macht aber keine Angaben über Zahl und Bewaffnung der Sicherheitskräfte, nur so viel: „Alle unsere Schiffe haben Sicherheitspersonal”, so Amalie von Hinüber, Pressereferentin der MSC Kreuzfahrten GmbH. Die Münchener sind eine Tochtergesellschaft der italienischen Reederei MSC, die rund 400 Containerschiffe und neun Kreuzfahrtschiffe unterhält.
Angriff aus eigener Kraft abgewehrt
Ein Sprecher der Anti-Piraterie-Mission „Atalanta” der EU im englischen Northwood bestätigte das Feuergefecht zwischen Luxusliner und Piratenboot: „Das Schiff wurde angegriffen und hat den Angriff aus eigener Kraft abgewehrt hat. Es hat einen Schusswechsel gegeben.” Gleichzeitig schränkte er ein, dass bei Angriffen durch Piraten eher die hohe Geschwindigkeit von Kreuzfahrtschiffen helfe als die Bereitschaft, zurückzuschießen: „Da wird es lebensgefährlich für kleine Piratenboote, längsseits zu gehen.”
Experten sind skeptisch
Ein Militär-Experte warnte davor, darüber nachzudenken, in Zukunft Handels- oder Kreuzfahrtschiffe mit Sicherheitspersonal auszustatten: „Es bleibt die Frage, wie qualifiziert diese Leute sind. Ich könnte mir vorstellen, dass man sich so ein trügerisches Sicherheitsgefühl einkauft.” Gleichzeitig rät er davon ab, die Besatzung zu bewaffnen. „ Seeleute sind nicht geschult im Umgang mit Waffen - und gehen so ein hohes Risiko ein, wenn sie wild entschlossenen Piraten gegenüberstehen.”

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