Keine Chance für Rechte in Kamens Kneipen
25.05.2009 | 18:16 Uhr 2009-05-25T18:16:00+0200Kamen. Entschlossen handelten am Wochenende zwei Kamener Wirte: Als sich seine Gäste als rechtsextremistische Gruppe entpuppten, warfen die Gastronomen sie kurzerhand aus der Kneipe. Der Hotel- und Gaststättenverband Westfalen lobt die Zivilcourage: "Die Kollegen haben exzellent reagiert."
Der Hotel- und Gaststättenverband Westfalen lobt ausdrücklich das Verhalten der beiden Wirte, die Samstag in Kamen eine Versammlung von Rechtsextremisten der NPD verhinderten. „Die Kollegen haben exzellent reagiert”, betonte Geschäftsführer Klaus Peter Kusch am Montag. Immer wieder mieten sich Braungesinnte unter einem Vorwand in Gaststätten ein. Dank couragierter Bürger haben sie in Kamen schlechte Karten.
»Wenn wenige aufstehen, werden viele nachziehen«
Die ersten beiden Hinweise hatte Gastwirt Olaf Hoppe noch übersehen, als ein stämmiger Mann den Saal vor einigen Tagen persönlich für den „Kamener Geschichtsverein” anmietete: Einen Scheitel zu tragen, ist nicht verboten. Und den Namen Steiner tragen laut Telefonbuch 13 667 Teilnehmer. Wer stellt da schon eine Verbindung zu SS-Obergruppenführer Felix Steiner her, dessen Name in der Rechten Szene gerne als Pseudonym verwendet wird?
Den dritten Hinweis aber konnte Olaf Hoppe letztlich nicht übersehen. Er kam von seiner Mitarbeiterin, die Samstag beim Ausschenken von Kaffee und Bier menschenverachtende Parolen aus der „geschichtlich interessierten Runde” vernahm. „Die angestimmten Lieder und Sprüche waren eindeutig”, sagt Olaf Hoppe, der die 60 Personen kurzerhand rauswarf. Verlassen mussten sie auch eine Gaststätte, in die sie anschließend ausweichen wollten.
Hoffnung, dass andere "nachziehen"
Nun befürchten die Betreiber Repressalien. Auch wenn der Staatsschutz beruhigt: In der Regel komme nichts nach.
Ullrich Neumann vom Wirteverein Kamen kennt andere Fälle aus Norddeutschland. „Dort gab es schon wüste Drohungen und Übergriffe auf couragierte Gasthaus-Betreiber. Man kann nur hoffen, dass NRW von dieser Gewaltbereitschaft verschont bleibt.” Hoppe aber sagt: „Wenn wenige gegen Rechts aufstehen, werden viele nachziehen.”
Rechte Gäste "gefährden die Existenz"
Das sei auch zum Wohle der eigenen Gaststätte bitter nötig, betonte Kusch: „Wenn sich erst herumgesprochen hat, dass ein Betrieb Rechtsradikale beherbergt, werden viele Stammgäste nicht wiederkommen. Das gefährdet die Existenz. So viel Geld können die paar NPD-Versammlungen gar nicht bringen.”
In Kamen stehen sie reihenweise gegen den braunen Mob auf. Immer wieder kam es in den letzten Jahren zu Versammlungen in öffentlichen Gaststätten. Nicht selten fanden sie ein vorzeitiges Ende. Dank der Vereinigungen „Zivilcourage in Kamen” und „Antifa UNited”, die solche Veranstaltungen aufspüren und die Gastwirte warnen. Samstag haben zwei Wirte aus eigenem Antrieb gehandelt. „Weil man nicht wegsehen darf,” sagt Olaf Hoppe.
