Hohe Kosten durch kürzeren Zivildienst
27.10.2009 | 18:56 Uhr 2009-10-27T18:56:00+0100
Dortmund. Die Pläne der neuen Bundesregierung, Wehrpflicht und Zivildienst auf sechs Monate zu verkürzen, wird den Zivildienst grundlegend verändern. Experten fürchten im sozialen Bereich erheblich steigende Kosten und weitere Defizite bei der Betreuung von kranken und behinderten Menschen.
„Es wird Bereiche geben, in denen es sich bei einer Verkürzung auf sechs Monate nicht mehr lohnt, Zivildienstleistende einzusetzen”, sagt Ernst-Wilhelm Rahe, Sprecher des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes NRW. Konkrete Beispiele nennt Gabriele Thivissen vom DRK-Landesverband NRW: „Von unseren 850 Zivildienstleistenden in NRW sind allein 25 Prozent im Rettungsdienst eingesetzt. Der Anteil wird auf jeden Fall zurückgehen.” Die Ausbildung zum Rettungssanitäter dauert 13 Wochen, bei sechs Monaten Gesamteinsatz würde sich dies nicht mehr lohnen. „Werden weniger Zivis im Rettungsdienst eingesetzt, steigen die Kosten enorm.” Stattdessen müsste teures Fachpersonal eingestellt werden.
„Unsere Einrichtungen sind zwar nicht existenziell auf Zivis angewiesen,” kommentiert Reiner Rautenberg, Pressesprecher des Diakonischen Werkes Dortmund, die Pläne. Schon nach der Verkürzung von zwölf auf neun Monate hätte man hier Abläufe umstrukturiert. „Aber die Spielräume werden weiter eingeengt.” Es wären vor allem Zusatzleistungen für die zu Pflegenden, die wegfallen würden, fürchtet er. „Zeit haben, Spazierengehen, Vorlesen, das sind Aufgaben, die bei dem Druck von professionellen Pflegekräften kaum noch geleistet werden können und die heute Zivis übernehmen.”
DRK-Frau Gabriele Thivissen hält es außerdem für fragwürdig, den Zivildienst in einer Zeit zu verkürzen, in der der Bedarf an Mitarbeitern im Sozialbereich ständig wächst. „Werden die Pläne umgesetzt, sehe ich unser Sozialsystem in Gefahr”, so Thivissen.
Aufhören nach Einarbeitung
Seit dem 1. September ist Daniel Thimm Zivildienstleistender bei der Evangelischen Stiftung Volmarstein in Wetter. Seither hat er sich einen Monat in seine Aufgaben im Bereich der Berufsvorbereitung für behinderte Menschen eingearbeitet, hat einen einwöchigen Lehrgang zur politischen Bildung absolviert und einen weiteren zweiwöchigen Lehrgang vor sich, in dem es um den Umgang mit behinderten Menschen geht. All das soll ihn optimal darauf vorbereiten, beispielsweise psychologische Tests mit behinderten Menschen durchzuführen. „Würde der Zivildienst nur noch sechs Monate dauern, wäre ich ja gerade erst eingearbeitet und müsste schon fast wieder aufhören”, meint Daniel Thimm.
„Würde der Zivildienst auf sechs Monate verkürzt, stellt sich in manchen Bereichen sicher die Frage, ob der Einsatz da überhaupt noch Sinn macht”, sagt Carola Wolny-Hubrich, Pressereferentin der Evangelischen Stiftung Vollmarstein, die unter anderem in der Behindertenarbeit tätig ist und Krankenhäuser betreibt, 22 Zivildienstleistende werden derzeit hier beschäftigt.
In vielen Verbänden wird nun diskutiert, wie sich die Umsetzung der schwarz-gelben Pläne auf die praktische Arbeit und auf die Kosten auswirken könnte. Kein neues Problem: „Schon seit der letzten Kürzung der Zivildienstzeit auf neun Monate, sind die Träger dabei, die Arbeit umzustrukturieren und Zivildienststellen beispielsweise über das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) zu kompensieren”, sagt Ernst-Wilhelm Rahe vom Paritätischen Wohlfahrtsverband.
In erster Linie, so glaubt Rahe, werde bei einer Verkürzung der Zivildienstzeit und einer damit einhergehenden Kürzung der Stellen „die menschliche Begleitung” auf der Strecke bleiben. „Mit den derzeitigen Pflegesätzen wären diese Defizite nicht zu finanzieren”, glaubt Rahe. „Das geht dann eindeutig zu Lasten der zu betreuenden Menschen.”

18:51
Gut so ...........dann können die Zivis oder die die das FSJ Leisten nicht mehr so ausgenutzt werden.......
18:27
#3
ich kann Sie beruhigen, ich habe vor Jahren Zivildienst in der Altenpflege gemacht, kenne die Situation sehr gut.
Wenn man gut ausgebildeste und gut bezahltes Personal haben will, geht das nur in dem Maße, wie das auch jemand bezahlen kann/will.
Aus diesem Grund gab es den Zivildienst (dessen Abschaffung mit der Wehrpflicht ich mir wünsche), die Kosten für die Pflege waren dadurch niedrig.
Es werden dafür aber nicht teure Kräfte für den kommukativen Dienst eingestellt, weil das keiner bezahlen wird. Personen, die diese Aufgabe zu einem kleinen Lohn wahrnehmen könnten, gibt es viele. Das hat nichts mit Ausbeutung zu tun.
Für eine anspruchsvolle Aufgabe muss es eine gute Bezahlung geben. Man muss sich aber im klaren sein, dass dann der Druck zur Rationalisierung groß ist, und viele Dinge nicht mehr getan werden, wenn es andere nicht kostengünstiger machen.
Bitte tragen Sie mir mein Alter nicht nach, ich tut es umgekehrt auch nicht.
Ich habe nur dargestellt, was aus ökonomischen Zwängen passiert, wenn der Zivildienst nicht mehr existiert. Den Anspruch auf eine ausgebildete, gut bezahlte Fachkraft für Aufgaben, die vergleichbar zum Zivi auch andere übernehmen können, ist nicht finanziertbar.
16:23
#2ich weiss nicht wie alt sie sind,ich hoffe noch recht jung und dann sei ihnen ihr beitrag zu verzeihen.1.es gibt sehr gute fachkräfte,welche in den alten-und pflegeheimnen tätig sind,aber der personalschlüssel ist so konstruiert,dass selbst diese guten fachkräfte untergehen.2.es braucht keiner einen dipl.vorleser,jemand mit einer guten schulbildung tut es auch,aber über eines sollten
sie sich im klaren sein;der zivildienstleistende ist genauso ausgebeutet worden und wird so ausgebeutet wie der festangestellte pfleger oder die pflegerin.sie unterstützen nicht nur in alten-pflegeheimen un d krankenhäuser sie müssen voll mit im einsatz sein.wenn sie den niedrig lohnsektor ansprechen;ich denke das die pflegekräfte wenig genug bekommen und da kann und darf nicht noch mehr gekürzt werden.schauen sie sich einmal die alten-und pflegeheime an und dann urteilen sie.es gibt ausnahmen bei pflegerinnen und pfleger,leider,aber das sind einzelfälle wo jeder zuvfiel ist,der grösste teil der menschen ist nach ein paar jahren selber fix und fertig und das haben die politker zu verantworten und sonst keiner.die zu pflegenden,gleich wo,sind immer die dummen.
15:52
Wer nur gut bezahlte Fachkräfte um sich herum haben will, der soll das gefälligst auch bezahlen, nicht der Staat oder die Beitragszahler.
Warum müssen junge, leistungsfähige Menschen Arbeit verrichten, die auch viele Frührentner / Arbeitslose / Schüler zur Aufbesserung ihres geringen Einkommens locker übernehmen können? Große Teile der Arbeitswelt verschwinden einfach, weil wir keinen Niedriglohnsektor haben. Omi mit kleiner Rente oder der Staat können neben Heimunterbringung nicht noch einen Diplom-Vorleser/Rollstuhlschieber/EssenaufRädern-Fahrer bezahlen.
Stattdessen wird über zu geringe Hartz4-Sätze gesprochen, Zuverdienstmöglichkeiten aber stark begrenzt.
Der Zivildienst/SozialesJahr haben es vorgemacht. Fachkräfte, besser bezahlt, und Hilfskräfte ohne langjährige Ausbildung bieten einen guten Mix und sind kosteneffizient.
16:44
Da machen es sich die Vertreter von Diakonie bis DRK doch entschieden zu einfach. Zum einen ist seit Jahren bekannt, daß die Wehrpflicht ein Auslaufmodell ist, es also genügend Zeit gab, darauf sich einzustellen. Zum anderen wurde Ersatz durch Ein-Euro-Kräfte geschaffen.
Daß beides nicht in Ordnung ist, daß damit keine zusätzliche Dienstleistung erbracht wird sondern Arbeitsplätze eingespart werden, auch das ist bekannt.
Richtig ist, die Pflegesätze sind nicht kostendeckend. Nicht kostendeckend ob mit oder ohne unfreiwillige Mitarbeiter. Vor der Konsequenz allerdings, die sich daraus ergibt, wird sich tapfer gedrückt. Der konsequenz, den Laden dicht zu machen.
(ehemaliger Altenpfleger)