Gordischer Knoten am Hindukusch
11.11.2009 | 18:21 Uhr 2009-11-11T18:21:00+0100Berlin. Deutschland fängt an, mit einem Auge auf den Abzug der Truppen aus Afghanistan zu schielen – obwohl die Sicherheitsprobleme in dem Land seit Jahren eher wachsen als abnehmen.
Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) stellte einen Abzug in Aussicht, ohne ein konkretes Datum zu nennen: „Die Sankt-Nimmerleins-Haltung ist politisch nicht mehr tragbar”, sagte Guttenberg dem „Stern”. Doch im Verteidigungsministerium mangelt es vor allem an klaren Kriterien, anhand derer über einen Abzug der Truppen entschieden werden könnte.
Afghanistan wird zunehmend zu einem gordischen Knoten für die internationale Gemeinschaft. Während die Geberländer der Internationalen Sicherheitsunterstützungstruppe ISAF laut über den Truppenabzug nachdenken, wird seit Jahren die Sicherheitslage schlechter. Die Anschläge nehmen zu. „Das hat vor allem einen zentralen Grund”, analysiert Winfried Nachtwei, bis vor wenigen Tagen noch Bundestagsabgeordneter und sicherheitspolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion der Grünen: „Die Chancen, die es gab, wurden nicht ergriffen.” Die Taliban seien nicht besiegt worden. Das bestätigt auch ein Sprecher des Verteidigungsministeriums: „Es gibt mehr Vorfälle, weil es mehr Aufständische gibt.”
Nachtwei sieht dramatische Konsequenzen, sollte sich die Schutztruppe zu früh aus dem seit Jahrzehnten von Krieg und Terror gebeuteltem Land zurückziehen: „In einem Teil übernehmen die Taliban die Macht, in einem anderen gibt es Bürgerkrieg.” Auch gäbe ein Abzug einen „Destabilisierungsschub für das Atomwaffenland Pakistan”. Doch auch Nachtwei kann keine konkreten „überprüfbaren Ziele” für eine Entscheidung in Sachen Truppen-Abzug nennen. Guttenberg rettet sich mit der Afghanistan-Konferenz, die im Frühjahr stattfinden soll - dann werde „die Zielsetzung neu justiert”.

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