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Garantiert zum Ziel

10.11.2009 | 16:58 Uhr
Garantiert zum Ziel

Dortmund. Fahrgäste in Bussen, Bahnen und Straßenbahnen bekommen ab Januar 2010 erstmals NRW-weit eine Mobilitätsgarantie. Ungeachtet der Art des Fahrscheins erstatten die Verkehrsunternehmen pro Person bis zu 20 Euro für ein Taxi oder die Mehrkosten für den Umstieg auf ICE, IC oder EC.

„Das ist bundesweit einmalig”, sagte Hajo Kulisch vom NRW-Verkehrsministerium.

Beim Nahverkehr in Nordrhein-Westfalen geht es manchmal noch zu wie im besetzten Gallien der Asterix-Zeit: Jedes Dorf verteidigt seine Tarife, Strecken und Takte mit Zähnen und Klauen. Gestern auf der Bahn-Messe „#rail2009” in Dortmund reichten sich die Rivalen in einer Sache die Hände. Die Verkehrsunternehmen in Nordrhein-Westfalen geben dem Kunden ab Januar 2010 bei Verspätungen im Nahverkehr eine landesweit flächendecke Mobilitätsgarantie im Gegenwert bis zu 20 Euro.

Besungen von Bernd Stelter

Weil solch ein Fortschritt, auch wenn es nur ein winziger ist, besungen werden will, gab der Entertainer Bernd Stelter gestern am Messestand des NRW-Nahverkehrs den Troubadix und pries mit einem Liedchen die Vorzüge des ÖPNV: „Wenn ich auf Reisen geh' in NRW, dann nehm' ich Bus und Bahn”.

Info
Keine Garantie bei Streik oder Unwetter

Die Mobilitätsgarantie gilt landesweit, ungeachtet mit welchem Nahverkehrsmittel der Fahrgast reist und mit welchem Ticket.

Ausnahmen: Bei Streik, Naturgewalten oder Bombendrohung werden keine Kosten erstattet.

Antragsformulare gibt es unter www.nahverkehr.nrw.de/mobilitaetsgarantie. Der Antrag wird mit Ticket oder Kopie bei Zeitfahrkarten bzw. Taxiquittung beim Verkehrsunternehmen eingereicht. Bestehende Regelungen bleiben erhalten.

Ab Januar garantieren alle Verkehrsunternehmen, private wie zum Beispiel Keolis oder staatliche wie die DB-Regio NRW, gestrandeten Fahrgästen ein Weiterkommen. „Es gibt keine Ausnahmen mehr”, sagte Hajo Kuhlisch vom NRW-Verkehrsministerium mit Blick auf den Flickenteppich der Verkehrsunternehmen und -verbünde. Ab 20 Minuten Verspätung gibt es bis zu 20 Euro fürs Taxi oder die Mehrkosten für den Umstieg auf schnelle Verbindungen wie ICE, IC und Euro-City. Voraussetzung: Es gibt keine Fahrtalternativen zum gewünschten Ziel.

Taxi nehmen ohne lange zu überlegen

„Wir wollen die Mobilitätskette für den Fahrgast aufrechterhalten”, sagte Manfred Windau von der DB-Regio, „ohne lange zu überlegen soll der Kunde die Möglichkeit haben, ein Taxi zu nehmen.” Sein Mitbewerber Hans Leister von Keolis nahm einen ganz anderen Konkurrenten ins Visier. „In vielen Autos ist eine Mobilgarantie eingebaut, falls Sie liegenbleiben. Ein Anruf genügt und sie werden abgeholt. Wenn es der Konkurrent macht, müssen wir es auch machen”, sagte er.

Die Garantie soll den Nahverkehr insgesamt attraktiver machen und mehr Kunden in Busse und Bahnen ziehen. „Wir wollen den Fahrgast mit der Mobilitätsgarantie nicht entschädigen oder sanft stimmen. Sie soll ermöglichen, dass er weiterkommt”, sagte Hajo Kuhlisch, nämlich garantiert ans Ziel.

Bessere Regelungen bleiben erhalten

Eine Mobilitätsgarantie gab es bisher vor allem in den großen Verbünden VRR im Ruhrgebiet und VRS auf der Rheinschiene, vielfach sogar noch komfortabler ausgestattet als die gestern vorgestellte landesweite Grundsicherung. In Bielefeld zahlt der Verbund „moBiel” bereits, wenn ein Fahrgast nachts bei der letzten Fahrt von Bus oder Bahn seinen Anschluss verpasst, ungeachtet der Verspätungsdauer. „In Kulanzfällen sogar bis 25 Euro für ein Taxi”, sagt Hans-Jürgen Krain von „moBiel”. Kunden der Kölner KVB dürfen sich bei Verspätungen von Bahnen, Bussen und Straßenbahnen auf bis zu 30 Euro Taxigeld freuen. Dort wird bereits über ein weiteres Serviceversprechen nachgedacht: Es könnte bald auch eine Sauberkeitsgarantie geben. In Krefeld gilt sogar bis „20 Euro ab 10” bei mehr als zehn Minuten Verspätung. „Das ist für uns kein unkalkulierbares Risiko”, sagt SWK-Mobil-Geschäftsführer Guido Stilling. „Denn unsere Busse und Bahnen sind zu 99,7 Prozent pünktlich.”

Die neue Garantie gilt auch für das NRW-Ticket. „Wenn fünf hängenbleiben, können sie zusammen ein Taxi nehmen”, sagte Hajo Kuhlisch, „mit den Erstattungskosten kommen sie in NRW überall hin.”

Michael Schmitz

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