Frostiges Klima im Klassenzimmer
10.01.2009 | 10:42 Uhr 2009-01-10T10:42:00+0100Hagen. Sebastian trägt während des Unterrichts eine dicke Wollmütze. Ann-Kathrin füllt ihr Arbeitsblatt mit Handschuhen aus. Die Schüler der Hagener Heinrich-Heine-Schule folgen damit keineswegs einem modischen Trend, sie frieren schlicht und ergreifend.
Denn der Unterricht findet im ersten bis dritten Obergeschoss trotz klirrender Kälte teilweise bei offenen Fenstern statt. Allein Freitag blieben daher rund hundert Schülerinnen und Schüler krankheitsbedingt dem Unterricht fern, weitere 20 meldeten sich im Laufe des Vormittages krank. „Wir haben keine Alternative”, erklärt Schulleiterin Birgit Kafol. „Wenn wir lüften wird es bitterkalt, wenn wir es lassen, werden die Ausdünstungen unerträglich.”
Nach einem Großbrand 2007 wurde die Heine-Schule kernsaniert. Der Unterricht musste ein Jahr lang in eine andere Schule ausgelagert werden. Am 28. Mai 2008 kehrten die Schüler schließlich wieder in ihre frisch renovierte Schule zurück. Doch die Freude darüber währte nur kurz. Schnell gab es Klagen über Übelkeit und Reizungen. Die Gebäudewirtschaft Hagen veranlasste Luftmessungen in den naturwissenschaftlichen Räumen. Besonders Lehrer, die dort arbeiteten, klagten über Nierenprobleme. Die Messungen ergaben zwar, dass keinerlei Grenzwerte überschritten seien. Dennoch empfahl der Gutachter ausgiebige Lüftungen. Trotzdem: Kopfschmerzen, Übelkeit – teils mit Erbrechen – und Schwindel blieben. „Ich habe zudem Schleimhautreizungen”, beklagt Schulleiterin Kafol. „Das kommt wohl vom Teppich.”
Eltern, Schüler und Lehrkörper haben die Böden als Ursache des Übels ausgemacht und fordern nun den Austausch. Diese Maßnahme würde nach Aussagen der Stadtverwaltung mit zusätzlichen 120 000 Euro zu Buche schlagen. Die Kernsanierung als solche hatte bereits 2,5 Mio. Euro verschlungen. Zudem, so heißt es aus der Stadtverwaltung, sei der Boden in Ordnung.
Jeder fünfte Schüler ist krank
Das hilft den Betroffenen wenig. Denn die Beschwerden bleiben. Mittlerweile stapeln sich die ärztlichen Atteste und Krankmeldungen. Bereits am ersten Schultag hatten die Eltern 60 Schüler vom Unterricht abgemeldet, weitere 60 folgten im Laufe des Vormittages. Seither fehlt täglich rund jeder fünfte Schüler aus gesundheitlichen Gründen.
Und die Schülerinnen und Schüler, die dennoch den Unterricht besuchen, helfen sich nach Kräften. Die Jacke zieht kaum einer aus, viele schreiben mit wärmenden Handschuhen mit. „Es ist schrecklich”, klagt Benjamin aus der 9b. Mit den dicken Klamotten zu schreiben, sei echt unbequem. „Außerdem friert man ständig, fängt an zu zittern.”
Welche Maßnahmen nun ergriffen werden können, wird sich erst in den kommenden Tagen entscheiden. In dieser Woche sind neue Messungen gemacht worden. Im Vorlauf wurde absichtlich drei Tage lang nicht gelüftet, um Werte zu bekommen, denen die Schüler nicht ausgesetzt sind. Die Ergebnisse sollen dem Umweltausschuss voraussichtlich am Montag vorgelegt werden.
Video: Eiskalte Schulbildung

15:41
Lass die Fenster zu, lieber erstunken als erfroren.
17:42
ABSOLUT LACHHAFT...
Wo leben wir eigentlich???
13:54
In der letzten Sendung von Hart aber fair wurden Bilder von baulichen Mißständen in Schulgebäuden und Klassenzimmern gezeigt. Das war schon ziemlich erschreckend. Alle betroffenen Schüler und/oder deren Eltern sollten Fotos machen, um vergleichbare Zustände an ihren Schulen zu dokumentieren, und diese Fotos sollten dann einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt werden, um überhaupt ein Problembewusstsein dafür zu schaffen. Für DerWesten z.B. wäre es doch ein Klacks, solche Aufnahmen zu sammeln und zu verlinken, ansonsten könnten auch Eigeninitiativen gestartet werden. Etwas öffentlicher Druck muss wohl sein.
12:51
Da sieht man mal wieder wie weit sich unsere Politiker mittlerweile vom Volk entfernt haben.
Für Schulen, Kindergärten, Jugendheime etc. wird doch schon lange kein Geld mehr ausgegeben, alles Sache der Kommune, andererseits wird von unserer Kanzlerin immer wieder das Wort Bildungsrepublik in den Mund genommen...
Hauptsache die Kinder von Ackermann und Konsorten haben es warm in ihrem Elitestadl, dafür hat der Staat ja mal eben über Nacht die Milliarden locker gemacht !
12:31
Also doch!!!
Deutschland = Bananenrepublik
Glückauf
11:51
Möglicherweise ist das nur eine Hysterie. Erste Untersuchungen haben nichts ergeben, und die neuen Messungen sind erst in ein paar Tagen vorhanden.
10:13
war auch mal Schüler zu PVC-Zeiten.Doch das ist echt armseelig...
09:44
Auf so eine Gelegenheit hätte ich als Schüler nur gewartet. Ihr glaubt garnicht, wie schnell ich ,,krank geworden wäre...
09:12
Effektiv und nachhaltig Lernen kann man nur in einer positiven Atmosphäre (dazu gehört auch das Raumklima!)! (Siehe Ergebnisse der neueren Hirnforschung)
08:50
strafantrag wegen körperverletzung stellen,so einfach ist das.hier wird fahrlässig mit der gesundheit von schülern(innen) und lehrpersonal umgegangen.