Frauenfantasien aus dem Münsterland
09.10.2008 | 06:55 Uhr 2008-10-09T06:55:00+0200Münster. In einem kleinen Dorf bei Münster entsteht gerade Deutschlands nach Angaben der Herausgaber erstes Erotikmagazin für Frauen. Die Herausgeberin und Chefredakteurin ist 24 Jahre alt, hat soeben ihr Studium beendet und ihr Erbe investiert, um „Alley Cat” auf den Markt zu bringen.
Ina Küper hätte wie alle Modejournalismus-Absolventinnen monatelang in der Hochglanzwelt der Frauenzeitschriften Klinken putzen können, um ihren ersten, schlecht bezahlten Job zu bekommen. Aber die 24-jährige Münsterländerin hat lieber gleich ihr eigenes Hochglanzmagazin entwickelt: „Alley Cat” - 100 stilvoll aufgemachte Seiten für Frauen, die „sich etwas Gutes tun, sich verwöhnen und inspirieren lassen wollen”, wie Ina ihre Zielgruppe beschreibt.
Dildos, Pin Ups, Fetische
Wer jetzt denkt: „immer dasselbe, wie langweilig!”, sollte unbedingt weiterlesen. Denn „Alley Cat” lässt sich zum Glück nicht über die 28. Kiwi-Diät aus und nicht über „Brangelinas” 13. Adoption. Ina Küper und ihre Ex-Kommilitoninnen Marlene Burba und Jana Vetter schreiben stattdessen über Dildos, Pin Ups, Frauenfantasien, Fetische, Rotlichtviertel und Telefonsex. Sie tun das immer sexy, sinnlich und erotisch, nie vulgär oder pornografisch. In dem kleinen Kaff Schöppingen mitten in der Münsterländischen Provinz ist gerade das nach Angaben der Herausgeber erste Erotikmagazin für Frauen in Deutschland aus der Taufe gehoben worden.
Für Frauen nichts im Angebot
„Das ist eine richtige Marktlücke”, betont die Nachwuchsjournalistin Küper, „die Erotikecken in den Bahnhofsbuchhandlungen quellen über mit Heften für Männer. Für Frauen war da gar nichts im Angebot.”
Das sollte sich in dem Moment ändern, in dem die Studentin der „Akademie für Mode und Design” in Düsseldorf ihr Examensthema gestellt bekam: ein Magazin zu entwerfen, das es so noch nicht gab. „Erst dachte ich, das ist bei dem völlig übersättigten Zeitschriftenmarkt total unmöglich”, erinnert sich Ina, die neben Modejournalismus auch Medienkommunikation studiert hat.
Professoren machten Mut
Doch dann kam der attraktiven Blondine die Idee eines Sexmagazins für Frauen. Zweifel, ob das bei den Prüfern auf Gegenliebe stoßen würde, habe sie schon gehabt. „Nicht jeder geht mit dem Thema Sex positiv um”, sagt Ina. Ihre Befürchtungen sollten sich jedoch als falsch erweisen. Die Professoren fanden das etwas andere Frauenmagazin nicht nur als Examensthema klasse, sondern auch als Geschäftsmodell. Ina sollte ihre „streunende Katze”, so die Übersetzung des Magazintitels, auf den Markt bringen, fanden sie.
Erste Ausgabe schnell vergriffen
Also machte die Examenskandidatin neben ihrer Abschlussprüfung auch noch einen Crashkurs in Vertrieb, Logistik und Druck. Fünf Monate nach Inas Examen lag im Mai die erste „Alley Cat”-Ausgabe in einer Auflage von 5000 Stück in Bahnhofsbuchhandlungen und Erotikshops aus - aber nicht lang: Denn die Damenwelt griff dankbar zu, das sexy Magazin für 4,50 Euro war schnell vergriffen. Und die zweite Ausgabe, die im August erschienen ist, sei sogar noch besser gelaufen, berichtet Ina grinsend.
Dieses Grinsen könnte noch ein breiter werden - wenn sie und ihre beiden Redakteurinnen endlich auch etwas mit ihrem Hobby verdienen würden. „Ich will, dass ,Alley Cat' mein Job wird”, bekräftigt Ina Küper, die 15.000 Euro aus ihrem Erbe in die Geschäftsidee gesteckt hat und noch immer auf den Kredit ihrer Hausbank wartet. So oder so - im Dezember wird „Alley Cat” zum dritten Mal durch die deutschen Buchläden streunen.
Hintergrund - Sexy, aber kein Porno
- Mit „Playgirl” hat es in Deutschland schon einmal ein Erotikmagazin für Frauen gegeben. 2004 wurde die deutsche Ausgabe jedoch wieder eingestampft.
- Einer der Gründe: Die Leser waren fast ausschließlich homosexuelle Männer.
- „Alley Cat”-Gründerin Ina Küper betont: „Wir machen ein Erotikmagazin, keine Pornographie”.
- Die Aufmachung von „Alley Cat” erinnert eher an ein Mode- oder Lifestyle-Magazin.

08:59
Eine tolle Sache! Im tief katholischen Münsterland bringt eine Existenzgründerin (Chapeau, Mademoiselle!) ein Erotikmagazin heraus. Als Selbstständiger, der vor fünf Jahren ebenfalls gestartet ist und inzwischen gut da steht, wünsche ich viel Erfolg und zolle Respekt für Mut und Kreativität.
07:39
...die Studentin der Akademie für Mode und Design in Düsseldorf ihr Examensthema gestellt bekam: ein Magazin zu entwerfen, das es so noch nicht gab. - Und so etwas ist das Ergebnis einer Akademie! Dass das Fräulein sein Erbe so anlegt, macht mir die geplante Erbschaftssteuer der SPD-Variante sympathischer. Aber die Banken sollten nicht schon wieder faule Kredite finanziere. Oder soll der Kredit von der Sparkasse kommen. Dann müsste das Fräulein einmal Herrn Poth um Beratung bitten.
20:18
Schickes Design und schicke Fotos. Das was man im Netz zu sehen bekommt hebt sich angenehm von den Blitz-Illus dieser Welt ab.