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Fauler Kompromiss

25.01.2012 | 13:06 Uhr

Die Utopie stammt aus Alt-68er-Zeiten und erlebt in den fundamentalen Forderungen einer Piratenpartei gerade eine überraschende, wenn auch kaum nachhaltige Renaissance: Der Nahverkehr, so ein altlinker Gedanke, sollte kostenlos sein. Bus und Bahn für jeden! Doch überall im Land antwortet seit alters her ein vielstimmiger Realo-Kanon: „Wer soll das bezahlen?“

Mobilität ist ein hohes Gut, ist Teilhabe an der Gesellschaft. Kostengünstiger Nahverkehr ist eine Forderung, die immer ihre Berechtigung behalten wird. Die Politik in Deutschland ist allerdings seit Jahrzehnten auf dem Gegengleis unterwegs. Der Nahverkehr wird ständig und nicht mehr nur schleichend teurer. Soziale Gedanken spielen dabei keine Rolle. Das zeigt auch die faule Kompromisslösung für das „Sozialticket“, auf die man sich im Gebiet des Verkehrsverbunds Rhein-Ruhr verständigt hat. Dort bietet man Hartz IV-Empfängern ein reichlich teures Ticket an, das seinen Namen nicht verdient. Die miserablen Absatzzahlen zeigen, dass sich nun die Anspruchsberechtigten fragen: „Wer soll das bezahlen?“

Das alles ist gewohnt halbherzige Politik. Wieder mal läuft ein Schwarzer-Peter-Spiel. Wieder will niemand auf den Kosten hängen bleiben. Ergo: Wieder verlieren die Schwächsten.

Jürgen Potthoff

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