Elektronische Tipps für alle Fahrer auf der A40
31.08.2009 | 13:18 Uhr 2009-08-31T13:18:00+0200
Dortmund. Ihre Bezeichnung ist so mühsam wie das, was sie vermeiden soll: „Verkehrsbeeinflussungsanlage mit Zuflussdosierung” (VBA) heißt jenes Projekt, das vor sieben Jahren auf der A 40 als Premiere installiert wurde: um für einen zügigen Verkehrsfluss zu sorgen und Stau und Unfälle zu vermeiden.
VIELE PARAMETER
Die Anfangsprobleme sind zwar nicht vergessen, aber lange vorbei. Inzwischen sind die Erfahrungen so positiv und die Ergebnisse dieses einstigen Pilotprojekts so erfolgreich, dass jene VBA nun auch auf dem Kölner Ring und in Hamburg wertvolle Dienste leistet.
Die Verkehrsbeeinflussungsanlage wird durch zahlreiche Parameter gesteuert, die rund um die Uhr auf der 46 Kilometer langen Strecke gesammelt werden.
Die Informationen stammen aus Induktionsschleifen, Helligkeits - und Nässedetektoren, Sichtweitenmessgeräten und Radarsensoren.
Bei Stromausfall oder Rechnerstörung wird eine Geschwindigkeit von generell 80 km/h angezeigt.
Gestern war wieder so ein Tag: Da beobachtete Erich Kuchenbecker den Fahrer eines schwarzen Sportwagens, der mit ihm zusammen in Bochum auf die A 40 fuhr - und ständig zwischen den Spuren hin- und herpendelte, beschleunigte, abbremste und rechts überholte. Kuchenbecker blieb auf seiner Spur und fuhr konstant jene Geschwindigkeit, die ihm die elektronischen Verkehrsschilder anzeigten. „In Dortmund-Kley fuhren wir dann gleichzeitig von der Autobahn runter”, sagt Kuchenbecker und lächelt. „So viel dazu.”
So viel dazu, heißt: Kuchenbecker weiß, wann es sich „lohnen” könnte, Gas zu geben. Und wann nicht. Deshalb hat der Leiter der Autobahnmeisterei Dortmund einen Tipp für all die 130 000 Pkw- und Lkw-Fahrer, die täglich auf der A 40 irgendwo zwischen Duisburg und Dortmund unterwegs sind: „Glauben Sie den Schildern”, sagt er, „es hilft Ihnen!”
Am Großrechner laufen alle Daten zusammen
Dass er es besser weiß, als manch ungeduldiger Drängler, liegt nicht nur an Kuchenbeckers langjähriger Berufserfahrung und den unzähligen Kilometern, die er schon auf den heimischen Autobahnen verbracht hat. Es liegt auch an seinem Wissen über das, was sich bei ihm in der Autobahnmeisterei in Dortmund befindet. Ganz unten, im Keller des Gebäudes, steht nämlich jener Großrechner, bei dem alle Daten zusammenlaufen, die es rund um die A 40 gibt: Kuchenbecker weiß genau, wann sich wo wieviel und welche Fahrzeuge befinden, wie schnell sie fahren, wie kalt oder warm es ist, ob es schneit oder sich Wasser auf der Fahrbahn befindet. Und dann macht jener Computer das, was jeder Autofahrer, der zwischen Bochum-Werne und Mülheim-Winkhausen unterwegs ist, sofort zu sehen und zu spüren bekommt: Er regelt die erlaubte Geschwindigkeit - je nach Verkehrsdichte von 120 auf bis zu 60 km/h - er spricht ein Überholverbot aus oder er sperrt eine Spur.
Doch auch diejenigen, die erst noch auf die Autobahn auffahren wollen, hat der VBE-Rechner im Blick: An 14 Anschlussstellen (jeweils in beide Richtungen) im westfälischen Teil der A 40 und an zwölf weiteren im rheinischen Bereich steuert eine „Zuflussdosierung” in Form einer Ampel, dass der Verkehr notfalls nur tropfenweise auf die Autobahn auffahren kann. „Das reicht von freier Fahrt bis zu einem Fahrzeug pro Minute”, sagt Kuchenbecker. Hintergrund der Überlegung: Der Verkehr der Gemeindestraßen kommt - wegen der dortigen Lichtzeichenregelung - üblicherweise nur schubweise auf die Autobahn. „Die Folge: Es versuchen sich immer mehr Fahrzeuge gleichzeitig in den Verkehrsstrom einzuordnen. Der wird zwangsläufig immer langsamer, und irgendwann steht der Verkehr”, schildert Kuchenbecker. „Das heißt: Es kommt zu dem berüchtigten Stau aus dem Nichts - ohne Unfall und ohne Baustelle.”
"Nach drei Jahren machte der Rechner, was wir wollten"
Die A 40 ist dafür nicht nur besonders anfällig, weil die Zahl ihrer Nutzer besonders hoch ist (mehr als doppelt, fast dreimal so viel wie der Durchschnitt auf deutschen Autobahnen), sondern auch, weil sie besonders viele Anschlussstellen und das auch noch in enger Abfolge hat. „Diese Kombination aus sehr hoher Verkehrsbelastung und dichter Folge der Anschlussstellen bringt den Verkehrsstrom auf der A 40 in große Schwierigkeiten”, sagt der Chef der Autobahnmeisterei. Deshalb wohl wählten die Verkehrsministerien von Bund und Land und der Landesbetrieb Straßen.NRW ausgerechnet den Ruhrschnellweg als „Versuchsort” für jene VBA aus. „Am Anfang waren wir sehr sehr skeptisch, wie solch eine Technik funktionieren würde. Und es hat auch knapp drei Jahre gedauert, bis der Rechner das gemacht hat, was wir von ihm wollten”, gibt Kuchenbecker zu. Aber inzwischen ist er überzeugt: „Die Anlage sorgt für eine Erleichterung. Sie bringt wirklich was.”
Das lässt sich sogar in Zahlen dokumentieren: Seit die VBA mit ihrer Zuflussregulierung erfolgreich läuft, fasst die A 40 bis zu 25 Prozent mehr Verkehr, die Stauerscheinungen haben sich um ein Viertel verringert, und die Unfallzahlen sind um 30 Prozent zurückgegangen. „Aber wir haben auch keine Wunderwaffe”, betont Erich Kuchenbecker. „Ab 3000 Fahrzeugen pro Stunde kann auch die VBA nichts machen. Dann ist die Straße an ihrer obersten Leistungsgrenze. Heißt: Wenn voll dann voll.” Auf der anderen Seite weiß der Leiter der Autobahnmeisterei ganz genau, was wäre, wenn es jene Anlage nicht geben würde. „Da gibts nur ein Wort mit vier Buchstaben”, sagt er. „Stau.”

14:24
Man kann sich noch so sehr bemühen: eine schlechte Verkehrslösung bleibt immer Murks mit hohen Schäden und Verlusten für die Gesellschaft...
13:22
Stellenweise, besonders an vergleichsweise kurzen Auffahrrampen, entstehen durch die Zuflussregulierung leider oftmals auch lange Rückstaus, die dann den Stadtverkehr behindern. Um den Stau nicht in die Städte zu verlagern, sollte die aktuelle Verkehrsbelastung an den angrenzenden Nebenstrecken stärkere Berücksichtigung finden.
11:32
Glauben Sie den Schildern (nicht immer)!
Ich war heute morgen auf der A44 Richtung Dortmund unterwegs und es gab alle zwei Kilometer einige kurze Stauungen. Und zwar genau dort, wo das elektronische Informationssystem Stau und 60km/h anzeigte. Aber es gab eigentlich keinen richtigen Stau, sondern es haben sich einige Autofahrer an das Symbol orientiert, haben abgrbremst und SO erst eine Stauung verursacht. Deswegen sollte man sich meiner Meinung nach nicht immer an den Hinweisen orientieren, sondern vorausschauend und dem Verkehr angemessenes Tempo fahren. Dann enstehen auch nicht solche Spontanstauungen.
Das Leben kann so einfache, ist es aber nicht...
08:53
zumindest sind das schöne aussichten --- wenns denn klappt ...
08:25
...und wenn das System noch dafür sorgen könnte, daß alle zur Verfügung stehenden Fahrspuren genutzt werden und nicht nur die linke, dann könnte es auch hilfreich sein...