Ein großes Bündnis gegen Neonazis
02.09.2008 | 20:05 Uhr 2008-09-02T20:05:03+0200Dortmund. Dortmund entwickelt sich immer mehr zum Knotenpunkt der rechtsextremen Szene. Am Samstag steht der nächste große Aufmarsch an - mit Teilnehmern und Rednern aus halb Europa. Die Polizei rechnet mit über 1000 Rechtsextremen.
Dagegen mobilisieren die demokratischen und antifaschistischen Kräfte: Unter dem Motto "Bunt statt braun" rufen erstmals alle großen Bündnisse zum gemeinsamen Protest gegen die Neonazis und ihren so genannten "Nationalen Antikriegstag" auf. "Sie missbrauchen den Antikriegstag. Die Neonazis haben nichts mit dem internationalen Antikriegstag der Friedensbewegung, der Gewerkschaft und Antifaschisten zu tun" heißt es im Aufruf der Demokraten. Gegen diesen Missbrauch will Dortmund ein friedliches und deutliches Zeichen setzen.
Großaufgebot der Polizei im Einsatz
Um 12 Uhr sammeln sich die Neofaschisten in der südlichen Innenstadt. Ab 13 Uhr wollen sie ihre Demonstration mit insgesamt vier jeweils einstündigen Kundgebungen bis in den östlichen Ortsteil Körne treiben, wo der braune Spuk um 19 Uhr beendet sein soll. Zu erwarten sind - wie in den Vorjahren - volksverhetzende, rassistische und antisemitische Parolen, die allerdings bislang juristisch folgenlos blieben. Zu hören sein wird daher wohl wieder die faschistische Parole zum Antikriegstag: "Nie wieder Krieg - nach unserem Sieg." Eben dem "Sieg des nationalen Sozialismus".
In der Stadtmitte - auf dem Platz der alten Synagoge - wird sich das demokratische Dortmund sammeln. Erstmals rücken dabei alle gesellschaftlichen Gruppen - das Spektrum reicht von Gewerkschaften, Kirchen, Parteien über Friedensbewegung und Antifaschisten bis hin zu autonomen Organisationen - zusammen. "Jeder und jede, die sich gewaltfrei beteiligen möchte, ist willkommen", macht Hartmut Anders-Hoepgen, Koordinator für Toleranz, Vielfalt und Demokratie deutlich. Dortmund setzt darauf, dass sich viele Demokraten auch aus dem Umland beteiligen, um ein deutliches Zeichen gegen Rechtsextremismus zu setzen.
Die Dortmunder Polizei rüstet sich für einen massiven Einsatz. "Wir müssen von einer besonderen Dimension ausgehen - sowohl von der extremen Linken und der extremen Rechten", betont Polizeiführer Dieter Keil. "Die können einem schon die eine oder andere Sorgenfalte auf die Stirn treiben." Denn die Polizei ist skeptisch, ob die große Koalition der demokratischen und antifaschistischen Kräfte hält.
Die Autonomen vom "Bündnis 28.3.", nach der Ermordung des Punkers "Schmuddel" durch einen 17-jährigen Neonazi gegründet, wollen am Samstag ab 10 Uhr unter der Leitung der Bundestagsabgeordneten Ulla Jelpke ("Die Linke") zu ihrem Demonstrationszug unter dem Motto "Kein Frieden mit Neonazis" starten. Anschließend wollen sie nach Auflösung der Demo an der zentralen Kundgebung am Platz der alten Synagoge teilnehmen. Doch genau das ist für die Polizei die Frage: Am 1. Mai 2007 hatten dieselben Anmelder ihre Demo frühzeitig aufgelöst und Teilnehmer hatten auf den Bahngleisen brennende Barrikaden errichtet, um so die Anreise der Neonazis zu stoppen. Die Veranstalter der autonomen Demo rechnen mit 300 Teilnehmern. "Das wird deutlichst überschritten. Wir rechnen mit dem Fünffachen", so die Polizei. Mit entsprechend vielen Kräften sind sie im Einsatz - auch von der Bundespolizei. "Wir sind am 1. Mai 2007 von der Vehemenz der Gewalt überrascht worden und sind jetzt darauf eingestellt", so Polizeipräsident Hans Schulze.

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