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„Odysseum” in Köln

Ein Freizeitpark für schlaue Köpfe

08.02.2009 | 16:33 Uhr

Köln. Noch ist es eine riesige Baustelle, doch bereits Anfang April soll in Köln eine Wissenschafts-Erlebniswelt ihre Tore öffnen. Odysseum heißt das 30-Millionen-Vorhaben, das derzeit im Technologiepark im Stadtteil Kalk Formen annimmt.

Kölner Siebtklässler treten gegen Basketball-Roboter an. Bild: Odysseum

Eine Mischung aus Freizeitpark und Forschungszentrum will man sein, Wissenschaft zum Mitmachen bieten. Kurzum: ein Abenteuerland mit Grips.

„Das Besondere bei uns ist, dass alles durchgehend inszeniert wird”, betont Thomas Puy-Brill, Geschäftsführer des von der Sparkasse Köln-Bonn angestoßenen Projekts. Und deshalb führte er nicht ohne Stolz erstmals durch eine der insgesamt sieben Themenwelten. Die 7. Klasse einer Partnerschule durfte kürzlich unter dem Blitzlichtgewitter der Presse die Erlebnisstationen im „Cyberspace” ausprobieren.

Bälle werden per Hirnstrom gesteuert wird

Durch mitmachen und ausprobieren sollen Kinder und Jugendliche „schon früh erfahren, wie spannend und cool Wissen sein kann”, erklärt der wissenschaftliche Leiter des Ganzen, Armin Frey. Daher wurde die gesamte Entwicklung des Indoor-Parks von einem Beirat aus Wissenschaftlern und Wissenschaftsjournalisten begleitet. „Hier kann Dein Wissen was erleben” lautet das Motto, Physik, Chemie, Biologie und Technik sollen ab April spielerisch vermittelt werden. Dieser inhaltliche Anspruch unterscheide sie von einem reinen Freizeitpark, meint Geschäftsführer Puy-Brill. „Die jungen Besucher dürfen hier ruhig toben, aber es gibt immer auch eine Bildungskomponente.”

So konnten die 7.-Klässler der Montessori-Schule aus Bickendorf beispielsweise vorab erfahren, dass ein Roboter im Basketball dem Menschen nur dann überlegen wäre, wenn er immer vom selben Punkt aus werfen dürfte. Und Diawo und Pinar zeigten sich fasziniert von den Nachrichten, die Ihnen Klassenkameraden durch die Schläuche der „Whispering Dishes” aus mehr als zehn Meter Entfernung zukommen ließen.

Der 14-jährige Baki versuchte sich in der Zwischenzeit im „Mindball” gegen seine Sportlehrerin. Mittels Stirnbändern wird dabei ein Ball allein mit den Hirnströmen gesteuert. Wer am besten entspannen kann, gewinnt das Spiel. Für Baki kein Problem: „Ich habe einfach so getan, als würd' ich schlafen”, verriet er sein Erfolgsgeheimnis, das im Unterricht sicherlich weniger gut ankäme. Er sei wahrlich kein Harry-Potter-Fan, meinte er hinterher. „Aber durch Entspannung einen Ball bewegen, das hat was von Zauberei.”

Lehrerin Marion Hahn nahm ihre Niederlage indes gelassen. Sie lobte vielmehr das Konzept des Odysseum. Es sei ja eher Erlebnis als Lernen, das komme bei ihren Schülern gut an, so ihr erster Eindruck. Auch die Zentrierung auf Naturwissenschaft und Technik trage dazu bei. Längst hätten nämlich auch die Mädchen an diesen Themen großes Interesse. Ihr selbst als ehemaliger Leistungsturnerin bereitete die virtuelle Fahrt auf dem Lichtgeschwindigkeitsrad allerdings mehr Freude als die auf Mathematik abzielende Dual-Dezimal-Station: „Da”, räumte sie lachend ein, „habe ich nicht einmal die Aufgabenstellung verstanden.”

Dass am Ende dennoch alle schlauer rausgehen, als sie reinkamen, davon ist Thomas Puy-Brill überzeugt. Durch emotionale Erlebnisse und viel Freude will man, ganz im Ernst, auch einen Beitrag leisten gegen den Fachkräftemangel im Land. Hierfür wurde sogar eigens ein „verrückter Professor” gecastet, der als Entertainment-Supervisor künftig die Kleinen für Themen wie Globalisierung und Klimawandel begeistern soll.

Ein Millionen-Fiasko, wie beim ähnlich angelegten und noch weitaus größer dimensionierten „Spacepark” in Bremen vor wenigen Jahren, schließt der Geschäftsführer jedenfalls aus. Dass nämlich auch in Köln nach sieben Monaten der Spaß bereits vorbei sein könnte, dagegen sprächen schon alleine „die 28 Millionen Menschen, die uns innerhalb einer Stunde erreichen können”, so Puy-Brill. Zunächst müssen sich die Betreiber ohnehin um kleinere Anfangsprobleme kümmern: Das Dosentelefon auf der Empore im „Communication Square” etwa hat schon die erste Schülergruppe nicht heil überstanden.

Achim Graf

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