Eigentlich kein Thema
13.11.2009 | 18:59 Uhr 2009-11-13T18:59:00+0100
Dortmund. Westfälische Pfarrer haben den evangelischen Präses Alfred Buß in einem offenen Brief wegen seiner Haltung zur Homosexualität kritisiert. Unglaublich, finden dies Mitglieder des Konvents lesbischer und schwuler PfarrerInnnen in der Evangelischen Kirche von Westfalen.
UNTERSCHWELLIG AGGRESSIONEN
Der Evangelischen Kirche von Westfalen gehören 1440 Pfarrerinnen und Pfarrer an. Der Offene Brief der 30 westfälischen Pfarrer bezieht sich auf Äußerungen des Präses Alfred Buß, die dieser schon im Mai beim Kirchentag und im September beim Forum „Homosexualität als Prüfstein für die Kirche” getan hatte.
Die Mitglieder von „Kreuzundqueer” vermuten, dass aktueller Anlass für den Brief auch „unterschwellig Aggressionen” sind - etwa darüber, dass mit Bischöfin Margot Käßmann eine (geschiedene) Frau an der Kirchenspitze steht und es mit Guido Westerwelle erstmals einen schwulen Außenminister gibt. „Das wird deutlich als Bedrohung empfunden”, glauben sie.
Die Briefeschreiber argumentieren mit Zitaten, wonach Homosexualität in der Bibel abgelehnt werde. Die schwulen und lesbischen Pfarrer halten dagegen: Die Bibelzitate müssten auch im Kontext der Zeit gesehen und dürften nicht fundamentalistisch ausgelegt werden. „In der Bibel ist schließlich auch von Nebenfrauen die Rede und dass es verboten ist, Schweinefleisch zu essen”, kontert Hanno May.
Unter der Überschrift "Vielfalt der Lebensformen - gleichgeschlechtliche Liebe: Sexualität verantwortlich gestalten" heißt es im Beschluss der Synode von 1996: "Zunehmend viele gehen jedoch davon aus, dass der Wille Gottes zuerst in der Ermutigung zu gegenseitiger Liebe und Fürsorge erkannt wird und dieses sowohl für hetero- wie homosexuelle Beziehungen gilt." Die Landessynode vertraue auf die befreiende Kraft des Evangeliums. "Es befähigt uns, Kirche zu sein als Gemeinschaft derer, die sich in ihrer Verschiedenheit annehmen".
Sie hatten gedacht, dieses Thema sei eigentlich keines mehr. Sie hatten gedacht, es sei heute nicht mehr von Belang, ob jemand heterosexuell, schwul oder lesbisch ist. Doch jetzt sitzen sie gemeinsam im Café Jankas in Dortmund und können es irgendwie nicht glauben. Dass es noch immer - oder wieder - Menschen gibt, die im Zusammenhang mit Homosexualität von Therapien sprechen, von einem Widerspruch zur „Schöpfungsordnung Gottes”. Und die Mitglieder der Gruppe „kreuzundQueer” fühlen sich an diesem Abend doppelt betroffen: Weil sie homosexuell sind und zugleich Pfarrer in der Evangelischen Kirche von Westfalen. Und weil der Offene Brief zum Umgang mit Homosexualität, den Präses Alfred Buß jetzt erhielt, von ihren Mitbrüdern und Mitschwestern stammt: Unterzeichnet von rund 30 Pfarrern - darunter zwei Frauen - aus den Kirchenkreisen Lüdenscheid-Plettenberg, Soest, Unna-Bönen.
Anlass für das Schreiben: die Äußerungen von Alfred Buß, wonach Homosexualität aus christlicher Sicht zu akzeptieren sei und er hoffe, dass auch in der Kirche ein Prozess der allmählichen Anerkennung von Homosexualität in verantwortlich gelebter Partnerschaft stattfinde. „Sehr beunruhigt und bestürzt” heißt es in dem Brief, habe man die Äußerungen zur Kenntnis genommen. Den Weg, den der Präses einfordere, könne und wolle man nicht mitgehen. „Er ist aus unserer Sicht ein Weg der Abkehr von der biblischen Orientierung.” Alfred Buß, so meint Initiator Christoph Dickel, Pfarrer in Halver, sei eindeutig zu weit gegangen. „In der westfälischen Kirche gibt es seit einigen Jahren eine gewisse ausgehandelte Kompromisslinie”, betont er gegenüber unserer Zeitung. Diese beziehe sich auf die Synodenentscheidung von 1996, wonach keine offizielle Segenshandlung von Homosexuellen als Amtshandlung stattfinde. Dabei obliege es jedem einzelnen Pfarrer, wie er mit dem Thema umgehe. „Das war die Linie”, sagt Dickel, „aber die Äußerungen des Präses kamen uns so vor, als ob es ein einseitiges Weitergehen von diesem Kompromiss war.”
Auch Pfarrer Klaus Bombosch (51) aus Gelsenkirchen kann sich noch gut erinnern, wie es zu jenem Beschluss der Landessynode kam. Es war die Zeit der Diskussion um gleichgeschlechtliche Liebe, auch in seiner Gemeinde. Und es war die Zeit, als er offen davon erzählte, dass er schwul sei. „Das war bei einigen sehr schwierig”, gibt er zu. Manche Gemeindeglieder hätten ihn seitdem abgelehnt, hätten nicht mehr das Abendmahl von ihm genommen, hätten nicht mehr den Gottesdienst besucht. Doch diese Zeiten seien längst vorbei. Irgendwann kamen die Gemeindeglieder zurück. „Das Thema war eigentlich durch”, sagt er. Nicht nur in Gelsenkirchen, auch in vielen anderen Gemeinden, wo die Mitglieder des Konvents „Kreuzundqueer” in der Evangelischen Kirche von Westfalen ihren Dienst tun. Dass Hanno May in Wickede natürlich gemeinsam mit seinem Partner im Pfarrhaus lebt? „Kein Thema”, sagt der 48–jährige. Schließlich sei - nachdem er in dieser Gemeinde schon sein Vikariat absolvierte - schon von Anfang an bekannt gewesen, dass er homosexuell sei. „Und schließlich ist alles Sache der Gemeinde. Keiner ist gezwungen, einen Bewerber zu nehmen”, sagt er. Oder ihn abzulehnen - aus welchen Gründen auch immer.
„Kein Thema” war die Homosexualität auch für die Kollegen von Pfarrer Hartwig Burgdörfer, Krankenhausseelsorger (58) in Bochum. „Seit drei Jahren bin ich verpartnert”, sagt er - und habe die Mitarbeiter damals aus jenem Anlass zu einem Sekt eingeladen. „Nur positive Resonanz” habe er da erlebt. Und auch die beiden lesbischen Pfarrerinnen, die sich am Rande des Ruhrgebiets eine Stelle teilten und gemeinsam im Pfarrhaus gelebt haben, waren für die Gemeinde kein Problem. Warum auch. „Wir sind ja nicht mit dem großen L auf der Stirn herumgelaufen”, sagt die 45-Jährige. Natürlich habe sie bei einigen eine „gewisse Scheu” gespürt - bei manchen schwulen und lesbischen Gläubigen habe sie jedoch das Gefühl gehabt, dass diese „ganz bewusst die Nähe suchten”.
Und nun der Brief. Er wird nicht nur als „Rückfall ins Mittelalter” empfunden, sondern auch als menschenverachtend. „Es wird so getan, als ob Homosexualität eine Krankheit sei, die heilbar ist”, sagt May. „Wenn ich eine andere Lebensform so darstelle, verlasse ich den Boden von Menschenwürde und des Respekts voneinander.”
Pfarrer Christoph Dickel weiß, dass es innerhalb seiner Kirche einen Konvent von lesbischen und schwulen Pfarrern gibt. Was er davon hält? "Dazu möchte ich mich öffentlich nicht äußern", sagt er im Gespräch mit der WR.
„Kreuzundqueer” hat am Donnerstagabend überlegt, wie es nun weitergehen kann. Auch die homosexuellen Pfarrer wollen nun einen Brief schreiben. An Präses Alfred Buß. „Um ihm den Rücken zu stärken.”
- Mehr zum Thema: "Rückendeckung für den Präses"

12:05
Warum wird Guid attakiert?
Es ist eine Krankheit die therapiert werden könnte, wenn sich die schwerst Kranken behandeln lassen würden.
08:48
Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.
18:21
Die Studie auf die sich Guid bezieht stammt aus dem Jahr 2003 und hat 16 Amerikaner im Zusammenhang mit Depressiva untersucht. Es zeigte sich lediglich ein Einfluss der sexuellen Orientierung auf die Depressivaaufnahme - homosexuell orientierte Teilnehmer reagierten etwas schwächer auf die Einnahme von Prozac. Über Ursachen etc. der sexuellen Orientierung wurde weder geforscht, noch wurden hier Ergebnisse erzielt.
18:10
Bei heterosexuellen Männern arbeit Serotonin anders als bei homosexuellen.
Das Gehirn von Männern mit unterschiedlicher sexueller Orientierung reagiert verschieden auf einen bestimmten Botenstoff. Das berichteten amerikanische Wissenschaftler auf der Tagung der Gesellschaft für Neurowissenschaften. Sie vermuten einen Zusammenhang zwischen sexueller Orientierung und dem Stoffwechsel im Gehirn. Feststellung der Neuroforscher.
Die Homos können nichts für ihre Neigung,allerdings sollte man es auch nicht unterstützen.
13:30
@Guid: Informieren, denken, reden. Das wäre die vernünftige Reihenfolge. Die medizinische Wissenschaft, auf die du dich hier beziehst, sieht in Homosexualität keine Krankheit und damit auch keine Störung.
@MR: Also dürfen Adam und Eva, wenn Eva jenseits der Wechseljahre ist oder Adam impotent, nicht heiraten. Nur, wenn du dieser Auffassung bist, bist du konsequent. Allerdings wissen wir aus der Bibel, dass Gott auch Menschen Kinder geschenkt hat, bei denen das eigentlich als unmöglich angesehen worden ist (Jakob, Anna, Maria…). Wer sind wir Menschen, dass wir Gott die Fähigkeit absprechen, auch gleichgeschlechtlichen Paaren Kinder zu schenken?
Herr, lass Hirn regnen!
13:09
ich freue mich über jeden menschen, der seine moralvorstellungen an seinen eigenen erfahrungen mit der realität und seinen mitmenschen orientiert und nicht an irgendwelchen historischen texten, die u.a. auch sklavenhaltung, zwangsheirat und diverse brutale todesstrafen gutheißen.
12:49
Gehirnstoffwechselstörung? Da möchte ich gerne wissen, woher du das hast. Studien belegen, dass es teils genetisch veranlagt ist und sich zum anderen Teil im Mutterleib entwickelt. Genauso wie Augenfarbe und Linkshändigkeit auch. Bevor ihr die Menschen verurteilt schlage ich vor, euch mal mit ihnen auseinanderzusetzen und mit ihnen ehrlich und in Ruhe zu reden. Das hätte Jesus auch gemacht - und keinen bösen Brief geschrieben und Leute pauschal verurteilt. Aber sucht ruhig den Splitter in anderer Leuts Augen und werft den ersten Stein, so ist es richtig, nicht wahr?!
12:27
Gottes Gebote sind heilig. Wenn er Homosexualität gewollt hätte, hätte er Klaus und Guido erschaffen.
Er hat aber Adam und Eva erschaffen also Mann und Frau, die eine Familie gründen und Nachwuchs zeugen können.
10:40
In der Landeskirche Westfalen wie auch in der benachbarten Landeskirche Rheinland werden homosexuelle Paare akzeptiert und erhalten, wenn der jeweilige Ortpfarrer einverstanden ist, einen öffentlichen Segnungsgottesdienst nach ihrem Gang zum Standesamt als Paar.
Ich selbst war bereits hier Gast bei einer Segnungsfeier eines verheirateten Paares, wo Verwandte, Bekannte und Nachbarn in der Kirche mitgefeiert haben.
Von den 33 Pastoren (In Westfalen gibt es über 1.400 evangelische Pastoren) , die sich da jetzt zu Wort gemeldet haben, sind die Hälfte davon bereits in Rente/Ruhestand. Daher das Thema ist durchgestanden in der Landeskirche Westfalen sowie in der EKD: öffentliche Segnungsgottesdienste der homosexuellen Paare dürfen stattfinden und in den Pfarrhäusern können homosexuelle lutherische/reformierte Pfarrer mit ihrem Partner leben. In Stockholm wurde übrigens aktuell mit Eva Brunne eine lesbische, lutherische Bischöfin gewählt.
Während die Lutheraner/Reformierten es also doch in ihrer ganz großen Mehrheit geschafft haben, ist bei den Katholiken immer noch im Pfarrhaus Versteckspiel angesagt, und gerade dort gibt es viele homosexuelle, katholische Priester; da aufgrund des Zölibates heterosexuelle Männer das Amt seltener im Durchschnitt ausüben, als dies bei homosexuellen Männern der Fall war.
Das könnte sich jetzt aber insofern ändern, da homosexuelle, studierte Männer auch immer seltener aufgrund eines geänderten Lebensweges und des Vorrangs einer Partnerschaftssuche gewillt sind, ein zölibatäres Leben als Priester zu leben. Dies führt dazu, dass immer weniger katholische Priester nachrücken und immer verbissener in Rom die Vatikansleitung versucht gegen die Anerkennung homosexueller Paare zu kämpfen; denn je stärker homosexuelle Paarbeziehungen in der Geselschaft anerkannt werden, desto weniger zölibatärer Priesternachwuchs bleibt für den katholischen Klerus übrig.
10:38
Die evangelische Kirche neigt dazu gewisse Sachen zu verharmlosen und den Glauben nach Belieben zu verbiegen.
Homosexualität sollte als Gehirnstoffwechselstörung anerkannt werden und den Leuten geholfen werden.
Auf keinen Fall sollte sie gefördert werden.