Dortmunds langjähriger OB Günter Samtlebe war heimattreu bis ins nächste Leben
07.07.2011 | 16:32 Uhr 2011-07-07T16:32:00+0200
Dortmund.„Unterm Strich“, hat er gesagt, „war es gut.“ Da war Günter Samtlebe 80 und zog schon mal ein bisschen Lebensbilanz. Am 7. Juli 2011 ist der Mann, der zu den prägenden Politikern des Ruhrgebiets in den Wiederaufbau- und Wandeljahren gehörte, im Alter von 85 Jahren gestorben. Vor dem Dortmunder Rathaus ist Trauer geflaggt. Vor jenem Rathaus, in dem er bis 1999 als Oberbürgermeister gewirkt hat. Vor jenem Rathaus, das ohne ihn nicht gebaut worden wäre.
Als die Nachricht vom Tode Günter Samtlebes am Donnerstag die Runde machte, haben sie überall in der Stadt ihre Samtlebe-Anekdoten aus den hinteren Hirnwindungen gekramt. Haben „Dönekes“ erzählt, wie er gesagt hätte, und gelacht. Jeder, der in Dortmund aufgewachsen ist, kann mit dem Namen Günter Samtlebe etwas anfangen. Er war der Bürger-OB, 26 Jahre lang. Der Mann, der in die Kaninchenzüchter-Vereine ging und anschließend auf den Opernball. Der in gesellschaftlichen Ausnahmesituationen zur Not mal Wein trank, dann aber das Pils danach lobte.
Der Mann mit Mutterwitz, der den früher so wohltönenden Dreiklang der Dortmunder Wirtschaft wie kein Zweiter beschreiben konnte: „Um sieben Millionen Tonnen Kohle zu fördern und sieben Millionen Tonnen Stahl zu erzeugen, brauchte man sieben Millionen Hektoliter Bier.“ Ein begnadeter freier Redner, der die Manuskripte seiner Referenten ebenso in die Tasche steckte wie den politischen Gegner. „Eine Ausnahmeerscheinung“, hat ihn Bundespräsident Johannes Rau genannt. Man sprach da wohl auf Augenhöhe.
Samtlebe wollte nicht Bonn oder Berlin — sondern Dortmund
Und doch strebte Günter Samtlebe nicht höher hinaus. Nicht nach Bonn oder Berlin. Er blieb Dortmunder. Treue und Heimat waren Begriffe, die für ihn ein Paar bildeten, das auch im hohen Alter noch glücklich war.
Geboren 1926 in Dortmund-Schüren, war der junge Günter Samtlebe 1946 in die SPD eingetreten. Er absolvierte eine Verwaltungsausbildung, war Hüttenarbeiter, besuchte später die Sozialakademie und führte von 1969 bis 1973 die Ratsfraktion der SPD in Dortmund. 1973 zum Oberbürgermeister gewählt, wurde er zu einer bestimmenden Kraft des Strukturwandels in der Stadt. Von 1983 bis 1985 war er Präsident des Deutschen Städtetages, dem Präsidium gehörte er von 1980 bis 1999 an. In seine Amtszeit als Dortmunder OB fällt der Bau der Stadtbahn, eine groß angelegte Innenstadt-Verschönerung nach dem „City-Konzept 2000“, die Gründung des Technologiezentrums oder der Bau der Spielbank Hohensyburg, einer anfangs heftig sprudelnden Einnahmequelle für die Stadt.
Hoesch war Samtlebes berufliche Heimat
Doch die fetten Jahre waren vorbei. Dortmund darbte. Die 1000 Feuer in der Stadt loderten schon bald nicht mehr. Um jeden Arbeitsplatz musste gekämpft werden. Der größte Arbeitgeber, Hoesch, auch Samtlebes berufliche Heimat, wurde 1991 zerlegt, zerschlagen. Thyssen/Krupp beerdigte Dortmunds Namen für Stahl. „Was den Stahl betrifft“, bilanzierte Samtlebe später bitter, „wurde Dortmund aufs Kreuz gelegt. Bis hin zum Wortbruch.“ Ein versprochenes Stahlwerk wurde nicht mehr gebaut. Die letzte Fackel erlosch. Kurz zuvor war Günter Samtlebe als einer der dienstältesten Oberbürgermeister Deutschlands in den Ruhestand getreten. Kann eine Ära markanter beendet werden?
Alt-Oberbürgermeister, Ehrenbürger. Dortmund hat ihn mit Ehren überhäuft. Bis zuletzt hatte er noch ein Büro im Rathaus, das nach Pfeifentabak und nach alten Tagen roch. Von dort aus mischte er sich manchmal noch ein, vor allem, wenn seine geliebte Dortmunder Sozialdemokratie wankte. Er sah absolute Mehrheiten zerbrechen und er hatte es ja geahnt. Eine neue Politiker-Generation, die den Gang zu den Kaninchen-Züchtern verschmähte, wurde abgestraft. Samtlebes Nachfolger, Gerhard Langemeyer, hatte dem Bürger auf einem Wahlkampf-Plakat sogar den Rücken zugewandt. „Unbegreiflich!“, polterte der Alt-OB. Langemeyer musste zur Strafe in einen zweiten Wahlgang.
Willy Brandt war Samtlebes politisches Vorbild
Willy Brandt war Günter Samtlebes politisches Vorbild. „Ich habe zu den SPD-Verantwortlichen aufgeschaut“, hat er bekannt. „Ich habe sie respektiert.“ Entsprechend stolz war er, dass Brandt ihn als Brückenbauer in die Ostpolitik mit einbezog. Es herrschte Kalter Krieg, aber mit dem Vertrag über die deutsch-russische Städtepartnerschaft zwischen Dortmund und Rostow am Don wurde eines von vielen Löchern in das Eis geschlagen. Ein gutes Jahrzehnt später besuchte Michail Gorbatschow die Dortmunder und Samtlebe drückte ihm eine Grubenlampe in die Hand. Da war das Eis längst getaut. Fünf Monate später fiel die Mauer.
„Unterm Strich war es gut.“ Fünf Jahre blieben Günter Samtlebe noch nach dieser Bilanz. Wie sein nächstes Leben aussehen sollte, hatte er ähnlich früh festgelegt: „Da will ich wieder Dortmunder werden.“

20:02
In der Vita Günter Samtlebes steht als Geburtsort Schüren. Weiß jemand wo genau sein Geburtshaus in Schüren stand?
01:12
Aber mit Demokratie hatte er es nicht so . . .
11:38
Dortmunder Junge ! Mit ganz viel Herzblut.
23:47
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23:47
Vor allem hat Samtlebe dafür gesorgt, dass sich die Landespolitiker über Gebühr um die Stadt Dortmund gekümmert hat.
Keine Stadt in NRW hat so viel Subventionen erhalten wie Dortmund.
22:38
lieber herold, samtlebe war kein eigentümer von hoesch...und das war letztlich sogar gut das hoesch in krupp aufging...hoesch hätte alleine heute keine zukunft gehabt
22:10
Warum hat er zu gelassen das Hoesch an Krupp/Thyssen verkauft wurde ???
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19:33
Mein Beileid den Angehörigen.