Dortmund wehrt sich gegen Rechts
06.09.2009 | 16:41 Uhr 2009-09-06T16:41:00+0200Bei Protesten gegen eine Neonazi-Kundgebung in Dortmund ist es zu Auseinandersetzungen zwischen linksgerichteten Gegendemonstranten und der Polizei gekommen. Die Beamten nahmen rund 300 Menschen in Gewahrsam. Das Friedensfest am Samstagabend machte seinem Namen dann aber alle Ehre.
Spätestens als Bob Geldof am späten Samstagabend die Bühne des Friedensfests „Für Dortmund. Gegen Nazis” betrat, war alles wieder gut. Die ersten Klänge seines „Song of the great Indifference” signalisierten vielen der 5000 Menschen auf dem Friedensplatz, dass die Ereignisse eines dramatischen Tages nun Vergangenheit sind. Weil sie eben nicht Gleichgültigkeit (Indifference) haben walten lassen, sondern entschieden protestierten, überwog jetzt die Freude. Freude darüber, dass sich eine ganze Stadt einmal mehr erfolgreich gewehrt hat, gegen eine kleine Bande Rechtsradikaler, die Dortmund als Plattform für ihre Parolen von vorgestern missbraucht hatten.
»Erlebnisorientierte
Jugendliche” und
linken Gewalttäter
Noch am Morgen glich Dortmund George Orwells Visionen von einem Polizeistaat. Um zu verhindern, dass gewaltbereite Linke zu den etwa 700 Neonazis gelangen konnten, waren 4000 Beamte aus allen Teilen Deutschlands zusammengezogen worden. Nach Aussage von Polizeipräsident Hans Schulze war es der größte Polizei-Einsatz in der Geschichte der Stadt. An Straßenkreuzungen waren Wasserwerfer postiert, Mannschaftswagen überwachten neuralgische Punkte in der Fußgängerzone, am Bahnhof und an den Plätzen, wo Gewerkschaften, Bündnisse und private Anmelder sich zu rund 30 Gegendemonstrationen zusammengefunden hatten. Das ständige Dröhnen des Aufklärungshubschraubers lieferte die Hintergrundmusik für einen ereignisreichen Tag.
Um 10 Uhr hatten sich die ersten Gegendemonstranten den Bündnisses „Dortmund stellt sich quer” gegenüber dem Hauptbahnhof versammelt. Unter den größtenteils friedlichen 3000 Teilnehmern hier wie auch den 2100 der Veranstaltung „No Nazis” am Gerichtsplatz hatten sich auch ein paar linke Gewalttäter und „erlebnisorientierte Jugendliche” gemischt, die für die Polizei zu einer großen Herausforderung werden sollten.
»Ich wollte eine
Eskalation verhindern
- da gab es Schläge«
Vor dem Bahnhof bemühten sich die Demonstranten erst gar nicht, ihren Zug anzutreten. Als sich abzeichnete, dass gegen 12 Uhr die letzten Neonazis am Bahnhof ankommen sollten, löste der Anmelder die linke Kundgebung auf und einige gewaltbereite Linksautonome probierten den Ausbruch in Richtung Bahnhofshalle. Steine und Metallstangen flogen gegen Polizeiautos und Beamte, Menschen wurden verletzt. Darunter auch der Fraktionschef der Dortmunder Grünen, Mario Krüger. Bei seinem Versuch, einen Steinewerfer an seinem Tun zu hindern, holte er sich eine blutige Nase. „Ich wollte eine weitere Eskalation verhindern, da gab es Schläge.”
Während die Neonazis abgeschirmt von Polizeisperren und unter Ausschluss der Öffentlichkeit auf einem Parkplatz am Hafen ihre Kundgebung ohne nennenswerte Vorkommnisse abhielten, lieferten sich einige der Linksautonomen Scharmützel mit der Polizei. 286 von ihnen landeten im Gewahrsam.
Bei ihrer Rückkehr zum Bahnhof gegen 16.30 Uhr zeigten die Neonazis ihre hässliche Fratze der Aggression. Hundertschaften der Polizei mussten ihre Schlagstöcke einsetzen, um die geifernden Schreihälse daran zu hindern, Fahrgäste anzugreifen. Erst als der letzte Zug mit Rechtsradikalen abgefahren war, kehrte wieder Ruhe ein.
Unter diesem Eindruck dauerte es eine Weile, bis auf dem Friedensplatz richtige Partystimmung aufkommen wollte. Die Hip-Hop-Formation „Too Strong” brachte nach den German Tenors den Platz zum ersten Mal auf Betriebstemperatur, ehe Bob Geldof die Teilnehmer darin bestätigte, dass wachsender Rechtsextremismus eben nicht egal ist.

20:33
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15:42
Diesem ausführlichen Bericht der Situation kann ich mich nur anschließen.
13:50
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich habe mich ebenfalls unter den Demonstrierenden befunden und muss daher zur hier geschilderten Sicht der Dinge Stellung nehmen.
Sicherlich gab es innerhalb der Demonstration Leute, die mehr oder weniger Krawalltouristen sind. Wiederum gibt es auch einige, die eine organisierte Kundgebung von Neonazis in ihrer Stadt unter keinen Umständen hinnehmen wollen, weil sie sich einerseits ihrer historischen Verantwortung bewusst sind und andererseits so eine Kundgebung nicht mit ihrem (und auch meinem) Demokratieverständnis vereinbar ist. Quintessenz dieser Meinung ist es, dass man aktiv versucht solche Veranstaltung zu verhindern, was eine gewisse Form von zivilem Ungehorsam mit sich bringt. Damit möchte ich Steinwürfe auf Polizisten keineswegs gutheißen. Ferner möchte ich anfügen, dass unter den zugereisten Linksradikalen auch einige Bürger jenseits der 60 waren, die sich ganz klar als Dortmunder/innen bekannten, um nur ein Beispiel zu geben. Ferner sprach ich mit einer Gruppe junger Leute, die in etwa alle rund um den Borsigplatz wohnen. Allerdings sind sie mit der U-Bahn gekommen, weshalb sie natürlich zugereist sind. Offenbar gibt es in Dortmund mehr Leute, die Mitdenken und sich nicht nur Bier und Talkshows wie er selber interessieren als User Deutlich wahrhaben will.
Was jedoch die markanteste Erfahrung auf dieser Demo war, war das teilweise extrem hohe Aggressionspotential der Herren Polizisten. Ich habe mehrfach gesehen, wie weiblichen Demoteilnehmerinnen, die nicht viel größer als 1,60m waren ins Gesicht geschlagen wurden. Ferner wurde mehrfach grundlos Pfefferspray versprüht. Erst nach diesen Aktionen flogen - wie gesagt, ohne es gutheißen zu wollen - Steine und Flaschen aus dem Demonstrationszug heraus.
Zu guter letzt muss jedeoch auch gesagt werden, dass es viele Polizeibeamte gab, die korrekt, ja beinhahe freundlich waren. Das jegliche Aggression jedoch immer nur von den Demoteilnehmer ausgeht stimmt jedoch einfach nicht!
11:15
Es waren kaum Dortmunder bei der Gegendemo. Es waren nur zugereiste Linkeradikale. Aber die örtliche Presse feiert. Fragt doch mal die Deutschen was sie wirklich wollen??