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Schädlingsbekämpfung

Diesen Profi sollen die Nachbarn nicht sehen

07.06.2009 | 15:43 Uhr
Diesen Profi sollen die Nachbarn nicht sehen

Dortmund. Rudolf Weidner kennt die Siedlung in Dortmund-Scharnhorst schon. Mehrere Wohnungen hat er hier bereits besucht. Und immer hatte er es mit unangenehmen Hausgenossen zu tun... Schaben zum Beispiel - im Volksmund besser als Kakerlaken bekannt.

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HINTERGRUND

KOMPETENTE HILFE

Für die professionelle Beseitigung von Schädlingen sorgen in Nordrhein-Westfalen mehr als 60 Betriebe mit rund 300 Mitarbeitern, die dem Deutschen Schädlingsbekämpfer Verband NRW angeschlossen sind. Seit 2004 ist der IHK-geprüfte Schädlingsbekämpfer ein Lehrberuf.

Ein neues aktuelles Schädlingsproblem sind - neben dem Zitrusbockkäfer oder den Kiefern- und Eichenprozessionsspinnern - die Bettwanzen geworden: „Durch Reisen sind sie stark in Mode gekommen”, sagt der DSV-Landesvorsitzende Werner Steinhausen. „Und mit denen sollte man nicht scherzen.”

Informationen über die Arbeitsbereiche der Schädlingsbekämpfer und die Fachbetriebe in NRW im Internet unter:  www.dsv-nrw.de

Heute hat der 64-Jährige Glück. Heute sind es „nur” Ameisen, die sich der Kamener Schädlingsbekämpfer vornehmen soll.

Die Mieterin ist sichtlich erleichtert, als er klingelt und fragt: „Haben Sie die Ameisen?” „Kommen Sie”, sagt die junge Frau nur. „Viele!” Von denen sieht man auf der Arbeitsplatte in der Küche im Moment zwar nur wenige, doch Weidner glaubt sofort, dass es noch kurze Zeit vorher nur so gewimmelt hat von den Tierchen. Und dass sie lange Straßen durch die Küche und entlang der Fußleisten bis ins Wohnzimmer bilden.

»Der Mensch sorgt für ein richtiges Schlaraffenland«

Bei ihrem nächsten Gang werden sie eine besonders schmackhafte - langfristig jedoch tödliche - Wegzehrung finden: ein honigfarbenes Gel, das der Schädlingsbekämpfer an zig Stellen mit einer Spritzpistole in Ecken und Ritzen verteilt hat. Und auch das Schlupfloch, über das die Ameisen in der Wohnung im dritten Stock gelangt sind, hat er schnell entdeckt: Ein winziges Lüftungsloch im blättrigen Fensterrahmen ist es. Nichts Ungewöhnliches für ein sanierungsbedürftiges Haus mit Rissen im Putz. Und in dieser Region schon gar nicht. „NRW und speziell das Ruhrgebiet hat viel mehr unter Schädlingen zu leiden, als andere Bundesländer”, sagt Weidner. Vor allem die durch Bergsenkungen entstandenen Risse und Hohlräume ermöglichen nicht nur Ameisen und Käfern, sondern auch Ratten und Mäusen einen idealen Lebensraum. Und der Mensch tut das Übrige dazu. „Der sorgt für ein richtiges Schlaraffenland”, sagt Weidner. „Sei es mit Müll, der überall herumliegt, oder mit einem Kellerfenster, das ewig offensteht. Und dann wundert er sich irgendwann, dass er plötzlich eine Ratte im Haus hat.”

Auf eine Feststellung legt der Schädlingsbekämpfer jedoch Wert: „Grundsätzlich kann es jedem passieren, dass Schädlinge im Haushalt vorkommen.” Ob nach Urlaubsreisen in warme Länder - bei denen es sich die Schaben im Koffer gemütlich gemacht haben - oder nach dem Kauf von Mehl und Nüssen, wenn es anschließend von Motten im Schrank nur so wimmelt. Auf der anderen Seite mache es man den Tieren unnötig leicht, wenn man Lebensmittel offen herumstehe lasse und verdorbene Abfälle nicht entsorge. „Sauberkeit ist die halbe Schädlingsbekämpfung”, meint der Kamener. „Irgendwie hängt es doch alles mit Hygiene zusammen.” Mag Zufall sein, dass in der Dortmunder Wohnung ein Glas mit verschimmelten Früchten herumsteht und dass das Gel im Wohnzimmer nicht halten will, weil die Fußleisten voller Staub sind. Aber dass Weidner irgendwann wiederkommen muss und es dann nicht „nur” Ameisen sein werden, mag er nicht ausschließen. Dafür hat er in seinen 36 Jahren als Schädlingsbekämpfer - seit 26 Jahren im eigenen Betrieb - schon genug erlebt. Erst neulich in einer Ladenbaufirma in Hagen, wo es immer wieder Elektronikprobleme gab. Weidner wurde angefordert, als wieder einmal ein Computerkabel beschädigt war. Er nahm sich des Problems in den Betriebsferien an - und konnte nach wenigen Tagen über 30 tote Mäuse aufsammeln.

»Manchmal muss man sich wirklich etwas einfallen lassen«

„Das wissen viele nicht, dass Mäuse und Ratten gerne Kabel anfressen”, sagt er. Und auch nicht, dass der Spruch „mit Speck fängt man Mäuse” Unsinn sei. „Nager sind keine fleischfressenden Tiere”, sagt Weidner. „Und Käse in der Mausefall ist auch Quatsch.”

Sein Tipp: Öl- und fetthaltige Früchte - sprich Nüsse und Backwaren. „Da fahren sie echt drauf ab.” Der Phantasie seien da keine Grenzen gesetzt. Im Gegenteil: „Ein Schädlingsbekämpfer muss kreativ sein und die Situation immer ganz individuell betrachten”, weiß der 64-Jährige. In einer Bäckerei etwa, in der die Nager ein Überangebot von Mohn, Sesam oder Kümmel findet, „muss man sich schon 'was einfallen lassen.” Und wenn's Nutella ist.

Im Fall des Ehepaares aus dem Dortmunder Süden, das sich Paranüsse aus dem Urlaub mitgebracht hatte, wäre das eher kontraproduktiv gewesen. „Die hatten die unbehandelten Nüsse oben in einer Schrankwand vergessen -und Jahre später war die ganze Wohnung voller Motten.” Und er könnte noch mehr erzählen: Von Kakerlaken, die sich zu Hunderten in dunklen Ecken tummeln - der heutigen Einbauküche sei Dank - von Flöhen, die längst nicht nur den Hund befallen haben, von Wespen, die abends durch eine Steckdose ans Licht flogen. Doch obwohl die Behandlungsmethoden des Profis wirkungsvoller sind als die üblichen Haushaltsmittel wird sein Besuch nicht immer gern gesehen. Beziehungsweise: Man möchte zwar, dass er kommt, aber er soll nicht erkannt werden. „Viele, die mich anfordern, fragen schon ängstlich nach, ob ich auch keinen Aufdruck auf dem Auto habe”, sagt er. „Denen wäre das vor den Nachbarn peinlich. Dabei ist mir jemand, der zugibt, dass er ein Problem hat, viel lieber, als jemand, der versucht, es zu vertuschen und dadurch alles noch schlimmer macht.”

Nicht zuletzt ärgern sich auch die Betriebe aus der Lebensmittelbranche über die vorgeschriebenen Besuche des Schädlingsbekämpfers, bei denen er mit einem Monitoring-System Köderboxen, Schaben- und Mottenfallen kontrolliert und austauscht. „Viele sehen mich nur als Kostenfaktor an”, sagt Weidner. „Aber in dem Moment, wo man ihnen den Laden zumachen würde, wüssten sie wirklich, was Kosten sind.”

Mehr zum Thema: Reiselust fördert neue Schädlinge

Katja Sponholz

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Kommentare
15.09.2009
01:13
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von Studenten | #4

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12.09.2009
23:44
Diesen Profi sollen die Nachbarn nicht sehen
von Volksphone | #3

Ich bin selbständiger Sanitärmeister und bin auch einiges gewohnt aber was teilweise für Kleinvieh aus den Ecken kriecht ist manchmal nicht mehr auszuhalten. Häufig ist dieser Fall auf Mieter zurückzuführen die der Hygiene nicht wirklich Aufmerksamkeit schenken!

15.01.2009
01:13
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von Studenten | #2

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15.01.2009
01:13
Blockierter Kommentar.
von Studenten | #1

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