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Gladbecker Geiselgangster...

"Die Strafe geht mir am Arsch vorbei"

11.08.2009 | 19:03 Uhr
"Die Strafe geht mir am Arsch vorbei"

Bochum. Hans-Jürgen Rösner, der wegen des Gladbecker Geiseldramas von 1988 eine lebenslange Haftstrafe mit anschließender Sicherungsverwahrung zu verbüßen hat, ist vom Amtsgericht Bochum zu weiteren sechs Monaten Gefängnis verurteilt worden. In seiner Zelle hatte man sieben Gramm Heroin gefunden.

Info
HINTERGRUND

LEBENSLANGE HAFT

Wegen erpresserischen Menschenraubes mit Todesfolge, Geiselnahme und schweren Raubes wurden Hans-Jürgen Rösner und Dieter Degowski 1991 zu lebenslanger Haft verurteilt. Für Rösner wurde zusätzlich Sicherungsverwahrung angeordnet.

Rösner hat seine Strafe frühestens am 26. Februar 2016 verbüßt, danach wird die Sicherungsverwahrung vollzogen.

„Und Herr Rösner wird sicherlich keine Gutachter finden, die ihm bescheinigen werden, dass er ungefährlich ist”, sagt sein Verteidiger August Vordemberge. „Das heißt, er wird das Gefängnis wenn dann als alter Mann verlassen.”

Er sieht alt aus. Vielleicht liegt es an dem eingefallen Gesicht über dem offenbar zahnlos gewordenen Kiefer, vielleicht an seinen grauen Koteletten, vielleicht an den schwerfälligen Bewegungen. Vielleicht aber auch daran, dass man ihn nur als jungen Mann kennt, und dass es 21 Jahre kein Foto von ihm gab.

Doch wer ihn damals - am 17. August 1988 - im Fernsehen und in denZeitungen gesehen hat, hat sein Bild nicht vergessen: Es zeigt Hans-Jürgen Rösner und seinen Freund Dieter Degowski, wie sie mit Pistolen in den Händen in einem gekaperten Bus posieren, wie sie zwei junge Mädchen in ihrem Auto bedrohen und gefangenhalten, wie sie parallel dazu Interviews geben. Und er erinnert sich daran, dass der damals 15-jährige Italiener Emanuele de Giorgi und die 18-jährige Silke Bischof von den Geiselnehmern getötet wurden. Das Landgericht verurteilte die beiden Täter 1991 zu lebenslanger Haft, für Rösner wurde zusätzlich Sicherungsverwahrung angeordnet.

Fast auf den Tag genau 21 Jahre nach der Tat steht Rösner - jetzt 52 -erneut vor Gericht. Und wenn es nicht der wohl prominenteste Angeklagte in der Geschichte dieses Bochumer Amtsgerichts wäre, es hätte die Öffentlichkeit wohl nicht interessiert.

Wegen „unerlaubten Besitzes von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge” muss sich der 52-Jährige an diesem Morgen verantworten. Zwei Stunden hat Richter Werner Pattard einkalkuliert. Und damit schon hochgegriffen. Letztendlich dauert es jedoch sechs Stunden, bis Rösner nach einer erneuten Verurteilung über sechs Monate in einem minderschweren Fall wieder zurück in die Justizvollzugsanstalt Bochum gebracht wird. Von den vermummten SEK-Beamten, die ihn auch während der Verhandlung bewachen. Und mit seiner Baumwolltasche, in der etwas zu essen mitgebracht - wohl auch für Notfälle, weil er inzwischen Diabetiker ist.

Immer wieder muss das Gericht die Verhandlung unterbrechen, weil Rösners Verteidiger August Vordemberge neue Beweisanträge stellt und sich mit seinem Mandanten beraten muss. Und weil es zwar an dem eigentlichen Tatbestand - sieben Gramm Heroin, gefunden bei einer Routinekontrolle am 25. März in Rösners Zelle - nichts zu deuteln gibt, der Verteidiger aber die Verhandlung und das Medieninteresse zu einer Grundsatzdebatte über Haftbedingungen nutzt. Und über die Diskussion, ob es gerecht sei, dass ein Häftling auch nach 21 Jahren im Gefängnis noch besondere Sanktionen und Disziplinarmaßnahmen der Anstaltsleitung über sich ergehen lassen müsse. „Machen wir uns nichts vor, Herr Rösner hat immer noch den Reiter 'Gladbecker Geiselgangster' an seiner Kartei”, so Vordemberge. „Es geht darum, dass man ihn immer noch darunter firmieren lässt, ohne zu berücksichtigen, dass einer, der 21 Jahre in Haft sitzt, auch eine persönliche Veränderung mitmacht.” Anders als andere Häftlinge habe Rösner wegen des Besitzes von Betäubungsmitteln 14 Tage Arrest und vier Wochen Arbeitssperre in der JVA Bochum bekommen, zudem dürfen Besuche nur noch hinter einer Trennscheibe stattfinden, eine gewünschte psychologische Betreuung gebe es nicht. „Der Anstaltsleiter hat mich von Anfang an gefressen”, sagt Rösner, „der hat bei den Maßnahmen richtig zugeschlagen.” JVA-Chef Henning Köster weist dies zurück: „Ich weiß, dass er sich ungerecht behandelt fühlt, weil ich angeblich sein vollzugliches Fortkommen behindere und Vorurteile oder Hass für ihn empfinde.” Letztendlich werde in einer JVA aber immer der Einzelfall entschieden.

Rösner, so sein Verteidiger, leide jedoch so unter den Haftbedingungen, dass er Heroin konsumiere. Wie oft, will Richter Pattard wissen. „Kommt auf die Verfassung an, wie man drauf ist”, sagt Rösner. „Manchmal steigt einem alles über den Kopf.” Und da sei es in der JVA ganz leicht, an Heroin zu kommen. „Bochum ist voll mit Drogen.”

Auch das, so plädiert der Verteidiger schließlich, müsse bei der Urteilsfindung berücksichtigt werden. Deshalb forderte er die Bewertung als minderschweren Fall und eine weitere Haftstrafe von maximal sechs Monaten. Dem folgt das Gericht schließlich - vor allem deshalb, weil die Grenze der BTM-Menge nicht weit überschritten sei. Auf eines legt Richter Pattard jedoch auch Wert: Die Frage der Haftsituation, die Rösner als nicht in Ordnung empfinde, unterliege nicht dem Einfluss des Gerichts. Und eine grundsätzliche Bemerkung, so Pattard, müsse auch erlaubt sein: Dass sich Rösner bereits seit 21 Jahren in Haft befinde, hänge damit zusammen, dass er wegen schwerwiegender Straftaten verurteilt worden sei.

Was er selbst von all dem hält, macht Rösner deutlich, als ihm als Angeklagten das letzte Wort zusteht. „Sie können mich verurteilen, soviel Sie wollen. Das geht mir am Arsch vorbei. Hier geht es um Perspektivlosigkeit und Hoffnungslosigkeit. Der Strafvollzug soll sich ändern. Dann werden dort auch die Drogen weniger.”

Katja Sponholz

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Kommentare
08.10.2009
04:27
Die Strafe geht mir am ***** vorbei
von KrugStillo | #5

Ihr seit aber auch gemein! Lasst den Hanusch doch in ruhe! Er wird ungerecht behandelt! Und keiner kümmert sich um Ihn!

12.08.2009
20:46
Blockierter Kommentar.
von miriam.lessmann | #4

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

12.08.2009
10:15
Die Strafe geht mir am ***** vorbei
von Ronsdorf | #3

Eine saubere Sache: Lebenslänglich + weitere 6 Monate! Da wollen mir mal hoffen, daß die Urne sorgfältig zugeschraubt und streng bewacht wird. Wie dann das Recht auf täglichen Hofgang umgesetzt wird, würde mich aber mal am Rande interessieren.

12.08.2009
07:29
Die Strafe geht mir am ***** vorbei
von Ghostrider666 | #2

Rösner aus dem Knast? Aber sicher in ner Holzkiste! Expect no mercy!

11.08.2009
22:44
Die Strafe geht mir am ***** vorbei
von Ehemaliger sPD Wähler | #1

Der Typ darf niemals wieder aus dem Knast entlassen werden, der muss Verrotten !!!!!

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