Die Makatsch ist die Knef
13.02.2009 | 17:47 Uhr 2009-02-13T17:47:00+0100
Berlin. Die Makatsch spielt die Knef: Jetzt feierte Kai Wessels „Hilde” auf der Berlinale Weltpremiere - Stunden zuvor plauderte Hauptdarstellerin Heike Makatsch vor Journalisten über ihre Rolle: „Ich lehne mich da weit aus dem Fenster, aber so etwas mache ich ja gerne.”
Kai Wessels "Hilde" feierte auf der Berlinale Premiere. Vorher plauderte Hauptdarstellerin Heike Makatsch über ihre Rolle als Diva.
Als Ein Jahr Gesangsunterricht, meterlange falsche Wimpern und immer eine Zigarette in der Hand: Reicht das, um aus Heike, der einstigen Girlie-Ikone, Hilde, die deutsche Diva zu machen? Um es vorsichtig zu sagen: Heike Makatsch gibt sich alle Mühe. Aber Hildegard Knef, macht es ihr auch nicht leicht.
Zwei Jahre lang hat die 37-jährige Makatsch an der Rolle gearbeitet. „Es ist ein Glück und ein Fluch”, sagt sie heute, dass jeder ein Bild von der Knef habe, durch die Filme und die vielen Talkshow-Auftritte. „Und man weiß, dass man all' dem gerecht werden soll.”
Die beste Sängerin ohne Stimme
Allein diese unfassbare Stimme: Heike Makatsch hat einmal in Detlev Bucks „Männerpension” ein Lied vorgesungen - „Stand by your Man”. Das fanden alle ganz nett. Die Knef aber ist ein anderes Kaliber. „Sie ist die beste Sängerin ohne Stimme”, hat Ella Fitzgerald gesagt. So etwas muss man erst einmal nachahmen.
Zum Glück wird sehr wenig live gesungen in diesem Film, der die Zeit von 1943 bis 1966 erzählt. Jene Jahre, in denen die Knef als Schauspielerin berühmt wird, als nackte „Sünderin” den ersten großen Nachkriegs-Filmskandal auslöst, mit Hollywood ringt und immer wieder Comebacks in Deutschland startet. Bis sie endlich ihre Stimme entdeckt, ihre Lieder und: dass ihr Leben selbst inzwischen Stoff ist für den großen Erfolg.
Zum ersten Mal singt Heike alias Hilde 1946 in einer Bar für US-Soldaten. Am Klavier sitzt Ricci Blum - gespielt von Soul-Sänger Roger Cicero („Frauen regier'n die Welt”). „Ich war sehr nervös, mit Heike spielen zu dürfen”, grinst er. „Aber sie war sehr freundlich.” Die Szene ist ungeheuer smart geraten: Hilde traut sich erst nicht und singt dann trotzdem los. „Eigenwillig”, sagt Ricci belustigt, aber auch anerkennend. Erst 20 Jahre später, Hilde ist mittlerweile zum zweiten Mal verheiratet, kommt der Durchbruch als Chanson-Sängerin.
Das Girlie der Nation
Auch Heike Makatsch kennt diese Häutungen einer Künstlerin: Sie war das Girlie der Nation, die Viva-Moderatorin mit der großen Klappe. Dann floppte ihre RTL2-Show und sie zog zu ihrem Freund Daniel Craig („James Bond”) nach London. Inzwischen lebt sie in Berlin, mit „Tomte”-Musiker Max Schröder und Tochter Mieke Ellen. Zum Film kommt ein Album mit Knef-Liedern heraus -. „Hilde - Heike Makatsch singt Hildegard Knef”.
Persönlich kennen gelernt haben sich Heike und Hilde übrigens nie - obwohl es hätte klappen können, damals 1993 in Köln, als die Makatsch bei Viva moderierte und die Knef ein Jahr zuvor mit der Band „Extrabreit” die „Roten Rosen” neu aufgenommen hatte. Ob sie Gemeinsamkeiten sieht zwischen ihrem Leben und Hildes? „Es verbindet mich heute eine Freundschaft mit ihr, eine Seelenverwandtschaft. Das ist vielleicht Liebe, aber vielleicht liebe ich auch an ihr vorbei.” Heike Makatsch weiß, wie groß die Schuhe sind, in die sie da gestiegen ist. Aber es gibt Momente in diesem Film, da passen sie auf einmal wie angegossen.
- Fotostrecke: In Berlin steigt die Spannung
- Berlinale 2009: Die Kartoffel – der Feind in meinem Körper
- Berlinale 2009: Ein zerstörtes Gesicht ersetzt keine Handlung
- Fotostrecke: Demi Moore bei der Berlinale
- Berlinale 2009: Michelle Pfeiffer und "Chéri"

0mitdiskutieren