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Die leise Geburt des neuen Meisters

06.02.2011 | 19:19 Uhr
Die leise Geburt des neuen Meisters
Vorfreude am Borsigplatz. WR-Bild: Ralf Rottmann

Dortmund.Die Stadt ist gespalten. Für die einen ist das „M-Wort“ ein Tabu. Die Fans hingegen haben damit überhaupt kein Problem. Nach dem aktuellen Punktestand gibt es unter den Schwarz-Gelben kein Halten mehr.

BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und Trainer Jürgen Klopp üben sich seit Wochen in Standards: „Wir denken von Spiel zu Spiel.“ Von Feierlichkeiten wollen sie nichts wissen. Offiziell. Und auch die Verantwortlichen bei der Stadt haben einen kompakten Defensiv-Riegel aufgebaut. Äußerungen zu möglichen Feiern? Funkstille. Nachvollziehbar. Wer will sich schon bei aller Zuversicht im Fall des Falles hämisch kritisieren lassen?

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Hunderte BVB-Fans bereiteten der Mannschaft nach dem Derbysieg einen großen Empfang.

Für Sigrun Späte von Dortmund Tourismus dagegen liegt die Meisterfeier längst in der Luft. Nicht nur zum 14. und 15. Mai seien die Hotels praktisch ausgebucht - schon in diesen Wochen spüre man, dass es bei Heimspielen langsam eng werde bei der Suche nach Übernachtungsmöglichkeiten.

„Bei uns bekommt man für eine Meisterfeier definitiv keine Zimmer mehr“, sagt sie. Ein möglicher Grund dafür auch: An den Stichtagen finden nicht nur Messen statt, sondern auch der Eurovision Song Contest in Düsseldorf. Weil auch dort alles ausgebucht sei, nutzen viele Besucher Dortmund als Ausweichquartier. Notfall-Option: „Bei uns sind 53 Private gelistet, die zwischen einer und vier Schlafgelegenheiten anbieten.“ Insgesamt gelte, so Späte augenzwinkernd: „Ich empfehle ein Zwei-Mann-Zelt auf dem Campingplatz.“

Keinen Tipp gebe die Anlaufstelle für Besucher übrigens jenen Fans, die schon jetzt anriefen und fragten, wann denn die Meisterfeier vor der Meisterfeier steige. Rechnerisch könnte das ja schon Wochen vor dem 15. Mai sein. Späte sagt dann nur soviel: „Kommen Sie, wann Sie wollen – wir feiern den BVB bei jedem Spiel.“

BVB-Sponsor und Brinkhoff’s-Geschäftsführer Thomas Schneider freut sich dieser Tage mehr denn je über die verlängerte Kooperation mit dem BVB. Nein: „Jetzt schon ein Meisterbier zu brauen, bringt vielleicht Unglück“, sagt er. Aber selten habe das „No 1“ der Biermarke besser zum Tabellenplatz gepasst. Für Schneider steht fest: „Wir können kurzfristig reagieren.“

Warum der BVB und Neuer "Top" sind

Eher agieren als reagieren muss die Stadt: Es gibt noch andere Probleme. Meisterfeiern waren in Dortmund immer Volksfeste. Eine ganze Stadt ist auf den Beinen. Doch man wird den Eindruck nicht los, dass die Euphorie in dieser Saison alles Bisherige in den Schatten stellt. Wo soll gefeiert werden? Der Friedensplatz ist fußballerprobt. Reicht er aus? Die Festpläne liegen längst in den Schubladen. Davon ist auszugehen. Hans-Werner Rixe, Eventmanager bei der Stadt: „Wenn es so kommt, sind wir vorbereitet. Der Friedensplatz ist schon gebucht.“ Public Viewing am letzten Spieltag auf dem Friedensplatz wäre sowieso ein Thema.

„Aufgrund der vielen Erfahrungen mit Public Viewing in den vergangenen Jahren sind wir da gut aufstellt“, sagt Rixe. Nein, die Stadt habe nicht „unendlich viel Geld“, aber man habe starke Partner aus der Wirtschaft, Sponsoren, mit denen man schon 2002 gut zusammengearbeitet habe.

Doch dann gehen die Planer in die Defensive und lassen sich nicht in die Karten schauen. Gibt es die Möglichkeit, die schwarz-gelbe Sause auf den benachbarten Hansaplatz auszudehnen? Oder geht man wie zu Zeiten der WM 2006 auch auf den nur einige Meter entfernten Südwall?

Zudem: Nach der Katastrophe bei der Duisburger Loveparade werden höchste Anforderungen an ein Sicherheitskonzept gestellt.

Anderes Thema: der Zeitpunkt. Sicher: Der Saisonabschluss mit einem Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt wäre gesetzt. Samstag große Fete? Sonntags Autokorso durch die Stadt? So war es bisher. Was aber machen, wenn der BVB vorher den Titel einfährt?

Ein spontanes Public Viewing wäre im Sinne der Fans. Ist dies aber organisatorisch spontan machbar? Sind die Verleiher der Großleinwand terminlich flexibel? Problem auch: die Vertragsgestaltung mit Künstlern für das nötige Rahmenprogramm.

Der einzelne Fan hat’s da einfacher. Schon jetzt wird in Dortmunder Familien diskutiert, wie denn ein mögliches Meister-Wochenende mit dem Konfirmations-Termin am 15. Mai unter einen Hut zu bringen ist.

Frank BußmannPeter Ring

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