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Die Konkurrenz des Gedruckten

18.01.2009 | 16:06 Uhr
Die Konkurrenz des Gedruckten

Dortmund. Lokalzeitungen genießen einen guten Ruf: Sie gelten den Menschen laut Marktforschern als die vertrauenswürdigste Informationsquelle. Und doch steckt die Zeitungsbranche seit Jahren in der Krise.

Die Krise geht auch an den NRW-Titeln der WAZ-Mediengruppe - WAZ, WR, WP und NRZ - nicht spurlos vorbei: Alle vier rüsten sich mit einem Umbau für die Zukunft.

Was hat sich in der Zeitungsbranche geändert? Das bedruckte Papier hat Konkurrenz bekommen. Vor etwa 25 Jahren startete in Deutschland das Privatfernsehen - die TV-Landschaft, bis dahin beherrscht von den öffentlich-rechtlichen Sendern, wurde deutlich größer.

Siegeszug des Internets

Vor allem aber setzte das Internet in den 1990ern zum weltweiten Siegeszug an. Heute haben in Deutschland drei Viertel der Haushalte einen Internetzugang - und damit Zugang zu Gratisinformationen aus aller Welt. Dies lockt vor allem jüngere Menschen, die mit dem Internet als ständigem Wegbegleiter auf Laptop oder Handy aufwachsen.

Für die Medienbranche hat das Folgen. „Fast alle Tageszeitungen in Deutschland verlieren mindestens seit 15 Jahren an Auflage”, sagt Medienforscher Horst Röper vom Formatt-Institut in Dortmund. „Insbesondere junge Leser entfremden sich von der Zeitung.”

"Zeitungsland Deutschland"

Besonders ernst ist die Lage in den USA. Jüngst meldete mit der Tribune Company einer der größten US-Verlage Insolvenz an. Die Zukunft seiner Traditionszeitungen ist ungewiss. Und in der krisengeschüttelten US-Autostadt Detroit sollen die zwei größten Zeitungen laut Experten künftig nur noch drei Mal die Woche erscheinen.

Info
Täglich 354 Tageszeitungen

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  • Täglich erscheinen in Deutschland 354 Tageszeitungen mit 1512 Lokal-Ausgaben. Gesamtauflage: 20,4 Millionen Exemplare, ermittelte der Bundesverband der Zeitungsverleger.
  • Hinzu kommen 28 Wochenzeitungen mit etwa 2 Millionen Exemplaren und sechs Sonntagszeitungen (Auflage 3,5 Millionen).
  • Damit kommen auf je 1000 Einwohner über 14 Jahre 289 Zeitungsexemplare.
  • Gut 13 Millionen Zeitungen werden täglich im Abonnement zugestellt. Knapp 1 Million Exemplare je Tag gehen am Kiosk oder im Laden über die Theke.
  • Überregionale Zeitungen verkaufen gut eine Million Zeitungen täglich im Abo und weitere 257 000 Exemplare im Einzelverkauf.

Deutschland bleibe aber mit seiner traditionell hohen Zeitungsdichte ein Zeitungsland, betont Professor Horst Pöttker vom Dortmunder Institut für Journalistik. Nur in Japan und Skandinavien sei die Zeitungsdichte höher. Der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) liefert Zahlen: Fast drei Viertel der Bürger über 14 Jahre - 47 Millionen - läsen regelmäßig Zeitung. Vor etwa zehn Jahren waren es allerdings noch fast vier Fünftel.

Täglich 36 Minuten Zeitung lesen

Die Lesedauer hat der Verband ebenfalls ermittelt: Im Schnitt liest jeder Bürger heute täglich 36 Minuten Zeitung - die älteren etwas mehr, die jüngeren etwas weniger. Doch auch Verleger können nicht leugnen, dass vor allem Ältere zur Zeitung greifen.

Derzeit haben Zeitungen die höchste Reichweite bei 50- bis über 70-Jährigen - über 80 Prozent Prozent lesen regelmäßig Nachrichten auf Papier. Bei Jüngeren sieht es anders aus. Bei 20- bis 29-Jährigen sank der Anteil der Zeitungsleser von 66 Prozent vor etwa zehn Jahren auf knapp 58 Prozent. Und nicht einmal mehr jeder Zweite der 14- bis 19-Jährigen schaut regelmäßig in die Zeitung.

Suche nach Neuem

Die Tagespresse hat ihre Zeiten mit hohen Auflagen hinter sich, glauben Experten. Medienhäuser suchen also neue Bereiche, um das Geschäft mit Nachrichten zu betreiben. Sie setzen verstärkt auf das Internet, um Leser zu locken - über Nachrichten-Portale, aber auch über soziale Netzwerke.

Das ist genau richtig, sagt Professor Pöttker. Auch Werbekunden würden künftig Zeitungen verstärkt ins Netz folgen - das wäre gut für die wichtigen Anzeigenerlöse. Denn die Internet-Aktivitäten sollen einmal Verluste bei den Zeitungs-Werbeeinnahmen ausgleichen.

"Wirtschaft subventionierte Lesern das Blatt"

Früher spülte das Geschäft mit Klein- und Werbeanzeigen Verlagen laut Branchenexperten etwa zwei Drittel ihrer Einnahmen in die Kassen. „Die Wirtschaft hat den Lesern das Blatt subventioniert”, sagt Röper. Das änderte sich mit der Werbekrise ab dem Jahr 2001. Heute kämen noch 55 Prozent aus dem Anzeigengeschäft, der Rest aus dem Zeitungsverkauf.

Sinkende Werbe-Einnahmen - auch wegen der derzeitigen Wirtschaftskrise - zwingen Zeitungshäuser zum Sparen. Renommierte Titel wie die „Süddeutsche Zeitung”, „Frankfurter Rundschau” und „taz” oder der Verlag Gruner & Jahr müssen Einschnitte machen. Wie im Rest der Firmenwelt heißt das in der Pressebranche, dass auch Jobs wegfallen. Überregionale und regionale Zeitungen trifft das gleichermaßen. Zugleich erproben Verlage die Zusammenlegung von Redaktionen.

"Große wachsen, kleine verschwinden"

„Wir haben eine immer stärkere Konzentration in der Zeitungsbranche”, sagt Medienforscher Röper. „Die großen Anbieter wachsen, die kleinen verschwinden.” Bereits heute gebe es in 65 Prozent der Kreise und kreisfreien Städte in Deutschland nur noch eine Regionalzeitung.

Zu sehr schwarz malen Experten aber nicht. Die Zeitung werde weiterleben, aber ihre Funktion ändern: Aktuelles werde im Internet-Zeitalter unwichtiger, Analysen und Hintergründe wichtiger. Zudem weist nicht alles nach unten. So hat zum Beispiel die Westfälische Rundschau in den Ausgaben des Dortmunder Blocks (Dortmund, Unna, Lünen, Kamen, Schwerte, Witten und Castrop-Rauxel) 2008 gegen den Branchentrend bei den Abo-Zahlen um rund 1,2 Prozent zugelegt.

Mehr zum Thema:

"Mobiler Journalismus als Herausforderung"

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