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Die Grippewelle kommt erst noch

04.02.2009 | 19:37 Uhr

Dortmund. Erkältungskrankheiten und Virusinfektionen sorgen derzeit für überfüllte Stationen in nordrhein-westfälischen Krankenhäusern. ...

... Am vergangenen Wochenende war sowohl in Dortmund als auch Bonn kein Intensiv-Bett mehr frei - und die eigentliche Grippewelle kommt erst noch. Die Rettungsdienste und Notärzte schlugen vergangene Woche in Dortmund Alarm: "Wir bekommen unsere Patienten nicht mehr unter." Die Zunahme von fiebrigen Erkältungen und Magen-Darm-Infekten sorgten dafür, dass alle 1352 Betten der Inneren Medizin in Dortmund belegt waren, ebenso sämtliche 250 Betten der Intensivstationen. Das Klinikum-Nord hatte reagiert und am Montag eine zusätzliche Station für viruserkrankte Patienten geöffnet, die maximal 20 Personen aufnehmen kann. "Es handelt sich nicht um die Influenza, also die eigentlichen Grippefälle, sondern um Erkältungs- und Viruskrankheiten", sagte Dr. Annette Düsterhaus, Leiterin des Dortmunder Gesundheitsamts.

Expertin: Fehler in der Krankenhausplanung

Gerade das lässt die Bedenken von Ärzten wachsen: "Wenn schon Erkältungskrankheiten dazu führen, das Krankenhaussystem einer Großstadt zu überfordern, was passiert dann erst wenn die Influenza kommt?", fragt der Kölner Notarzt Johannes Kamp. In seiner Stadt waren ebenfalls mehrere Krankenhäuser am vergangenen Wochenende komplett ausgelastet, in Bonn war kein freies Bett auf den Intensivstationen zu bekommen. "In zwei Wochen ist Karneval und die Zahl der Notarzt-Einsätze wird wieder steigen. Wenn dann die Betten auf Intensiv-stationen knapp werden....", sieht Kamp ein Problem auf die Mediziner zurollen.

Beim Blick auf die Deutschland-Karte der Arbeitsgemeinschaft Influenza des Berliner Robert-Koch-Instituts (RKI) sind die Influenza-Werte im Gegensatz zum übrigen Bundesgebiet im Kern von Nordrhein-Westfalen nur moderat erhöht. Wie ein Vergleich mit den vergangenen Wintern 2007/2008 und 2006/2007 zeigt, ist es nach Angaben einer RKI-Sprecherin nicht unwahrscheinlich, dass die eigentliche Grippewelle NRW nach einem Zwischenhoch zum Jahreswechsel erst von der achten bis zur zehnten Kalenderwoche trifft - also mitten im Karneval. 358 gemeldete Fälle waren es 2007, 238 ein Jahr später. Doch das sind nur die meldepflichtigen Influenza-Fälle. Für schwere Erkältungen und Magen-Darm-Erkrankungen existieren keine gesicherten Daten in NRW. Es gebe zwar Überlegungen eine Art Frühwarnsystem aufzubauen, doch das scheitere bisher an Fragen des Datenschutzes und der technischen Umsetzung, heißt es aus dem Landesgesundheitsinstitut Münster.

Annette Düsterhaus weist im Zusammenhang mit der Zunahme von Erkältungskrankheiten, darauf hin, dass die generelle Krankenhausplanung des Landes fehlerhaft sei: "Bei der Planung wird immer ein Jahresdurchschnittswert der Fallzahlen zu Grunde gelegt. Die relativen Leerstände in den Stationen im Sommer geben ein verzerrtes Bild ab." Somit werden Betten jedes Jahr im Winter knapp. Insbesondere in diesen Monaten komme es speziell in den Abteilungen der Inneren Medizin jedoch auf jedes Bett an.

Aus dem Gesundheitsministerium NRW war gestern trotz einer schriftlichen Anfrage keine Stellungnahme zu bekommen.

Von Gregor Boldt

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