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Die Fragen bleiben

19.11.2007 | 18:28 Uhr

Längst vorbei sind die Zeiten, in denen mit dem Wort Amoklauf nur eines verbunden wurde: Amerika, oder genauer, die USA.

Dort kommen die Schüler doch so leicht an Waffen wie hierzulande ein Jugendlicher an eine Schachtel Zigarretten, oder? Wie gesagt, längst vorbei: Seit 2002 ist Erfurt ein Begriff, und mit Emsdetten haben wir einen Amoklauf erleben müssen, der gleich nebenan im beschaulichen Münsterland stattfand.

Und jetzt Köln. Nach Erkenntnissen der Staatsanwalt war der Amoklauf seit Wochen abgeblasen. Einer der jungen Männer ist dennoch tot, er beging Selbstmord. Wer beantwortet uns die Frage, ob er womöglich noch leben könnte, wenn.... ja, wenn was? Die Polizei anders, sensibler vorgegangen wäre? Der 17-Jährige jemanden ins Vertrauen gezogen hätte, statt sich vor die Straßenbahn zu stürzen? Die Eltern mal besser aufgepasst hätten?

Viele Antworten werden lange, manche für immer auf sich warten lassen. Hinzu kommt, dass die Kölner Ereignisse exakt jene Geschichte schreiben, die jedem dieser geplanten oder tatsächlich durchgeführten Amokläufe an Schulen innezuwohnen scheint. Sie erzählt in Abwandlungen, aber immer wieder aufs Neue von jungen, verzweifelten Menschen, die zum Äußersten bereit sind; von Eltern, Lehrern, Mitschülern, die verängstigt, geschockt oder zumindest massiv verunsichert um Fassung und die Rückkehr in die Normalität ringen. Und von den Außenstehenden, die entsetzt sind oder tun - und jedes Detail begierig aufsaugen.

Erfurt, Emsdetten, Köln. Dazu zig Amok-Ankündigungen von Hohlköpfen, die auf schulfrei spekulieren oder einfach nur auf schlechte Scherze stehen. Diese Trittbrettfahrer treibt keine Verzweiflung, kein Hass. Die potenziellen Amokläufer schon. Köln lehrt uns einmal mehr, dass an den Schulen intensiv über das Thema Amoklauf gesprochen werden muss: Mitschüler, auch das zeigt Köln, sehen oft mehr als Lehrer - und Eltern.

Torsten Droop

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