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Henriette Davidis

Deutschlands berühmteste Kochbuch-Autorin

26.02.2010 | 12:41 Uhr
Deutschlands berühmteste Kochbuch-Autorin

Wetter. "Berühmteste Kochbuchautorin Deutschlands“ wird sie genannt, „Deutschlands größte Köchin“ und „Schöpferin der deutschen Küche“. Henriette Davidis, in Wetter geboren und in Dortmund gestorben, hat das Leben einer emanzipierten Schriftstellerin und Pädagogin gelebt. ungewöhnlich für ihre Zeit.

134 Jahre nach ihrem Tod zieht die in Wetter-Wengern geborene Henriette Davidis das Interesse auf sich. Drei Beispiele.

Beim Davidis-Abend

Sonntag, 19 Uhr, in der Rohrmeisterei Schwerte. Der „Henriette-Davidis-Abend“ im Restaurant ist ausverkauft – wie an jedem ersten Sonntag im Monat. „Die Leute wollen wissen, wer und was diese Henriette Davidis ist. Viele kennen den Namen, aber mehr nicht“, sagt Küchenchef Manfred Kobinger (57). Er hat heute nach Davidis-Rezepten aufgetischt: zuerst einen Zander mit Parmesankruste, dann einen französischen Suppentopf „Pot-au-feu“.

Westfälisch klingt das nicht. „Eben“, meint der Fachmann. Eine Patronin westfälischer Küche ist die Davidis nicht gewesen. „Die Frau hat alles aufgesaugt. Rezepte aus allen Regionen Deutschlands und aus dem Ausland.“ Englischer Braten, italienischer Reis, französische Saucen. „Die Davidis hatte vor nichts Angst“, sagt Kobinger voller Anerkennung. Und: „Wenn man ihre Rezepturen liest, spürt man sofort, dass sie wirklich ausgezeichnet kochen konnte.“

Info
ZUR PERSON

Erzieherin und Autorin

  • Geboren wurde Henriette Davidis am 1. März 1801 in Wengern, als zehntes von 13 Kindern des Pfarrers Ernst Heinrich Davidis.
  • Nach ihrer Ausbildung zur Pädagogin wirkte sie zunächst im familiären Bereich. Von 1841 bis 1848 leitete sie eine Mädchenarbeitsschule in Sprockhövel.
  • Danach lebte Davidis einige Jahre als Erzieherin und Gouvernante in Bremen, veröffentlichte Bücher zur Hauswirtschaftslehre sowie erzieherische Schriften für Mädchen und junge Frauen.
  • Als sie im Mai 1857 nach Dortmund zog, konnte sie von ihren Einkünften als Schriftstellerin leben.
  • Henriette Davidis erlag am 3. April 1876 einem Schlaganfall. Sie ist auf dem Dortmunder Ostfriedhof begraben, der Gedenkstein dort trägt das falsche Geburtsjahr 1800.
  • Das Henriette-Davidis-Museum in Wengern wurde 1994 gegründet. Es bietet neben einer umfassenden Sammlung von Davidis-Ausgaben auch einen Einblick in den Lebens- und Wohnstil der Schriftstellerin.
  • Das Deutsche Kochbuchmuseum im Dortmunder Westfalenpark hat Henriette Davidis einen Teil seiner Ausstellung gewidmet.

Originalgetreu könnte man ihre Gerichte auch heute zubereiten, aber das tut der Schwerter nicht: „Das wäre zu gehaltvoll, denn an Butter und Speck hat sie nicht gespart.“

Nach dem Essen beantwortet Kobinger Fragen der Gäste. Was begründet den Ruhm der Autorin? Immerhin waren zu ihrer Zeit bereits jede Menge regionaler Rezepte-Sammlungen veröffentlicht. „Henriette Davidis hat die Rezepte, die sie überall gesammelt hatte, ausprobiert und nach eigenem Urteil abgewandelt“, erläutert Kobinger. Sie hat einen gemeinsamen Nenner der gutbürgerlichen Küche geschaffen. Als 1845 ihr „Praktisches Kochbuch“ erschien, war erstmals eine „deutsche Küche“ in derWelt.

Im Kochbuch-Museum

Mittwochnachmittag, Westfalenpark Dortmund. Monika Goerke führt eine Frauengruppe durch das Kochbuchmuseum an der Buschmühle. Die 35-Jährige ist Historikerin, und Henriette Davidis eines ihrer Lieblingsthemen. „Sie hat in ihren Schriften das Ideal der verheirateten Frau und Mutter vertreten, aber sie selbst war nie verheiratet und lebte ein für die damaligen Frauen ungewöhnliches Leben. Sie ist viel gereist und hat selbstständig ihren Lebensunterhalt verdient.“

Was allerdings nicht einfach war. Als sie dem Verlag Velhagen & Klasing ihr „praktisches Kochbuch“ verkaufte, bekam die Autorin ein Honorar von 450 Talern und keine weiteren Rechte. Von dem Geld konnte sie vielleicht anderthalb Jahre leben, doch neun Jahre lang hatte sie an dem Werk gearbeitet.

„Das Buch wurde ein Bestseller, an dem der Verlag prächtig verdiente“, erzählt Monika Goerke. 1867 sollte Henriette Davidis für die Überarbeitung zur zwölften Auflage wieder nur 200 Taler erhalten. Aber nun legte sich die Pfarrerstochter mit den Verlagsleitern an. Erfolg: Das Honorar wurde erhöht.

Ein Buch im Henriette-Davidis-Museum Wetter-Wengern.

Heute gilt Davidis als die erste deutsche Schriftstellerin, die von ihren Büchern leben konnte. Dennoch bezog sie erst mit 74 Jahren eine eigene Wohnung in Dortmund. In Amerika, England, Holland und anderen Ländern erschienen Übersetzungen des Kochbuchs. Wie viele Exemplare verkauft wurden, kann niemand sagen: Es müssen Millionen sein.

Im Davidis-Museum

Sonntag, kurz nach 17 Uhr, Henriette-Davidis-Museum in Wengern.Walter Methler (68), Pfarrer im Ruhestand, ist Gründer und „guter Geist“ des Hauses. Gerade hat er die letzten Besucher verabschiedet, nun will er noch einen Artikel redigieren, den er - mit Sohn Eckehard - für das Killy-Literaturlexikon geschrieben hat.

Methler interessiert sich seit seiner Schulzeit für die Pastorentochter. Was ihn so an ihr fasziniert? „Ihre in vielerlei Hinsicht ungewöhnliche Karriere“, antwortet er. „Man darf diese Frau nicht auf Kochrezepte reduzieren, sondern sie hat in der Umbruchsituation des 19. Jahrhunderts ein neues Frauenbild entworfen.“

Das pittoresk gelegene Museum, das Walter Methler zum Großteil selbst finanziert, ist übrigens nicht der einzige Ort, an dem Wengern seine berühmteste Tochter ehrt. Die eiserne Herdplatte der Davidis wurde in einen Eisenbahn-Stützpfeiler vermauert.

Deutschlands berühmteste...

Rolf Langenhuisen

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Kommentare
05.04.2010
11:01
Deutschlands berühmteste Kochbuch-Autorin
von Julius_3 | #1

Ich finde es hervorragend, dass Henriette Davidis zu weiteren Ehren kommt und man sich so intensiv mit ihr beschäftigt. Der Höhepunkt ist ohne Zweifel, die Veröffentlichung ihres Standartwerkes im Internet. Werde mir ein Lesezeichen setzen.

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