Deutsche Bahn sucht Bahnhofspaten
04.02.2009 | 12:11 Uhr 2009-02-04T12:11:00+0100
Dortmund. Es sollen Menschen sein, die sich mit ihrem Bahnhof „besonders verbunden” fühlen. Die nach dem Rechten schauen, weil sie vielleicht auch etwas davon haben. Pendler etwa, die sich über verschmierte Sitzbänke oder kaputte Fahrkartenautomaten ärgern. Die Deutsche Bahn sucht Bahnhofspaten.
Der Zettel mit dem Hinweis „frisch gestrichen” liegt zerknüllt auf dem Boden. Montag hat Karsten Hoch dem Bahnhofsmanagement die neuen Schmierereien per E-Mail gemeldet. Mittwoch rückt die Graffiti-Truppe an, überpinselt die bunten Buchstaben mit dem Bahnhofs-Einheitsgrau, schrubbt die „Kunstwerke” von den Mauern. Das Wochenende wird die frisch gestrichene Wand vielleicht nicht überstehen. „Montags sieht's hier immer am schlimmsten aus”, weiß Karsten Hoch.
Es ist ein kleiner Kampf, Sprüher gegen die Bahn. Und gegen den 36-jährigen Paten, der sich um die kleine S-Bahnstation im Dortmunder Norden kümmert. Einen Gewinner gibt es dabei nicht. „Sisyphosarbeit”, könnte man es auch weniger verständnisvoll nennen, so wie eine Frau es tut, bevor sie in den Zug einsteigt. Das Projekt Bahnhofspatenschaften will die Kundin aber doch nicht schlecht reden. Dass der Bahnhof ordentlich aussieht, sei ihr schon aufgefallen. „Hier wird immer zügig sauber gemacht”, lobt sie noch schnell, als sich die Türen schließen.
"Meistens passiert was"
Karsten Hoch will nicht gewinnen, sondern „etwas dafür tun, dass die Welt ein bisschen schöner wird”. Jeder sollte seinen Beitrag leisten, findet er. Zerbrochene Scheiben, eingetretene Wartehäuschen oder auch mal eine „undefinierbare eklig-schleimige Flüssigkeit”, in die Bahnkunden greifen, wenn sie ihr Ticket aus dem Ausgabeschacht des Fahrkartenautomaten holen. Karsten Hoch weiß, was an „seinem” Bahnhof los ist – und meldet es seinem Ansprechpartner bei der Bahn. „Meistens passiert dann was”, sagt der Bahnhofspate. Aber nicht immer. Wie Anfang Januar, als die Treppe zu den Gleisen tagelang spiegelglatt war. „Mehr als melden kann ich es nicht!” Denn selbst zum Schneeschieber greifen oder Mülleimer leeren würde der Ehrenamtler nicht. Das sei nun wirklich nicht seine Aufgabe.
Stichwort Aufgabe: die Vermutung liegt nahe, dass die Bahn Personal spart, indem sie die Verantwortung für Bahnhöfe auf ihre Kunden abwälzt. „Nein”, sagt Bahnsprecher Torsten Nehring. Jede Station würde, je nach Größe, mindestens zwei bis drei Mal pro Woche von Mitarbeitern betreut. Trotzdem würden Nutzer als erste merken, wenn an „ihrem” Bahnhof etwas nicht stimmt.
Kritischer Blick
„Sie haben einfach einen anderen Blick, als Mitarbeiter, die dienstlich an den Bahnhöfen sind”, erklärt er. Einen kritischeren Blick. Das zeigten die Erfahrungen mit den rund 60 Paten, die es in Nordrhein-Westfalen schon gibt. „Und das ist ausdrücklich gewünscht. Wir freuen uns über jede Anregung und prüfen, ob sie sich realisieren lässt”, so Nehring.
Der Dortmunder Pate wohnt zehn Minuten von seiner Station entfernt. Fast täglich steigt der Raumplanungs-Student dort in den Zug, um zur Universität zu fahren. „Der Aufwand für mich hält sich also in Grenzen”, sagt er. Eine Entschädigung gibt's von der Bahn nämlich nicht. Aber jährliche Treffen mit den anderen Paten in NRW mit Ausflügen. Und kleine Aufmerksamkeiten zu Weihnachten. Eine Bananenbox oder eine Kühltasche zum Beispiel.
Erfolge als Belohnung
Doch darum geht es Karsten Hoch nicht. Die kleinen Erfolge sind seine Belohnung. „Es ist zum Beispiel der einzige Bahnhof auf der Linie, an dem es noch einen Fahrplan gibt. Und es ist nicht versifft, wie an vielen anderen Stationen”, erzählt er stolz, als er im Treppenaufgang einen Tropfen abbekommt. Er schaut hoch. „Das Dach könnte undicht sein”, stellt er fest. Es ist wohl Zeit für die nächste E-Mail.
Hintergrund
- Die Bahn sucht derzeit gemeinsam mit den Verkehrsverbünden „dringend” nach ehrenamtlichen Bahnhofspaten, die sich vor allem um die Stationen kümmern sollen, die in den letzten Jahren modernisiert wurden. So soll der neuwertige Zustand der Bahnhöfe möglichst lange erhalten bleiben.
- Bahnhofspatenschaften gibt es in Nordrhein-Westfalen seit dem Jahr 2000: Da starteten der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR), das Land NRW und die Bahn ein Pilotprojekt in Recklinghausen. Mittlerweile gibt es über 60 solcher Ehrenamtler in Westfalen.
- Paten besprechen mit dem zuständigen Bahnhofsmanagement, wie intensiv sie sich um die Station kümmern wollen. Weitere Infos bei der VRR in Gelsenkirchen unter 0209/1 58 40 oder per Mail an info@vrr.de.

17:57
Heute möchte ich mich auch noch einmal meine Stellungnahme abgeben. Ich bin wirklich erschrocken, wie meine ehrenamtliche Tätigkeit hier runter gemacht wird.
Ich nehme garantiert niemanden einen Arbeitsplatz weg. Eigentlich trifft sogar das Gegenteil zu, denn Beschädigungen und Verschmutzungen werden nach Meldung auch außerplanmäßig entfernt. Somit fährt extra und zusätzlich ein oder zwei Mitarbeiter raus, um die Schäden zu beseitigen. Meine Aufgabe beschränkt sich ausschließlich darauf, Schäden zu entdecken und per E-Mail zu melden. Mehr mache ich nicht. Ich nehme keinem Reinigungstrupp den Arbeitsplatz weg, weil ich NICHT selbst fege oder die Wände neu streiche - das ist nicht die Aufgabe der Bahnhofspaten. Ich stehe auch nicht nachts am Bahnsteig und versuche ungebetene Gestalten per Knüppel oder ähnlichem zu vertreiben.
Und gerade weil die Arbeit so wenig aufwändig ist, denke ich könnten viel mehr ehrenamtliche Bahhofspaten tätig werden. Die meisten Stationen haben mit Sicherheit hunderte Fahrgäste, die mehrfach wöchentlich dort sind. Warum findet sich dort niemand? Weil das oberste Gebot heute heißt WEGSCHAUEN. Leider!
15:49
Ich lese hier Wörter, wie dreistigkeit und abzockerei!
1. Der VRR macht die Fahrpreise, nicht die BAHN AG! Die BAHN AG fährt nur im Auftrag des VRR.
2. Der Bahnhofspate ist eine Kooperation zwischen VRR und BAHN.
3. Warum schauen einige Fahrgäste weg, wenn Leute die Füße auf den Sitzen haben oder gegen Sitze getreten wird bzw. Scheiben bekratzt werden?
Anwort: Die Leute haben Angst eine auf die ****** zu kriegen!
15:38
BAHNHOFSPATE: Die Chance für alle die, die nur am rummeckern sind, dass die Bahnhöfe dreckig, verschmiert und kapputt sind!
Denn genau die Leute die hier am rumjammern sind, kriegen ihr Maul nich auf, trauen sich nicht anzurufen um sowas zu melden (TRAURIG!!!)
Das sind mir die Richtigen!
Macht´s doch besser ihr Bahn-Experten!
11:30
Ich finde die Anfeindungen einiger Personen hier sehr unter der Gürtellinie. Es werden hier Menschen kritisiert und beleidigt, denen etwas nicht egal ist. Die nicht wegschauen. Diese Leute sorgen dafür, das viele Haltepunkte schneller gereinigt und auf Beschädigungen schneller reagiert werden kann. Dinge, welche kein Eisenbahner und kein Pate dieser Welt zu verantworten hat, sonder Menschen, denen alles egal ist. Wenn Jemand Flächen für Sprayer freigeben will, kann er ja seine Wohnzimmerwand anbieten. Sprayen ist und bleibt Beschädigung fremden Eigentums. Also Bahnhofspaten, weiter so und laßt Euch nicht povozieren. Ich finde die Arbeit aller Ehrenamtlichen in vielen Bereichen sehr lobenswert und nötig.
20:54
Wofür Bahnhofspaten? Als erlebtes Beispiel - Wenn die Bahn in den Wintermonaten nach Schneefall oder Eisregen von sich aus nicht auf die Idee kommt für Schnee und Eisfreiheit zu sorgen, dann bin ich der Meinung das hier eine Meldung vom Bahnhofspaten auch im Sande verläuft.
Deutsche Bahn ein Kracher ohne Ende
20:49
Hier haben ja manche eine seltsame Vorstellung von Arbeit. Wenn der Pate ehrenamtlich putzen würde oder so, okay. Sogar der Begriff Ehrenamtler scheint mir hier übertrieben. Darunter verstehe ich eher jemanden, der z. B. Omas durch die Gegend schiebt (und damit wirklich einen potenziellen Arbeitsplatz wegnimmt). Aber die Bahn einfach nur per e-Mail auf einen versifften Automaten hinzuweisen. Das ist doch wirklich keine Arbeit - und somit auch keine Arbeitsplatzvernichtung. Statt über die Paten, sollte man sich mal lieber über die aufregen, die an den Haltepunkten zerstören, vollrotzen, verkratzen usw.
19:29
Versteh ich nicht, sind der Bahn die Mitarbeiter ausgegangen, die für Ordnung sorgen???
Wenn die DB AG noch Leute suchen sollte, bei den ARGE`n gibt es noch zurück...
14:44
Chapeau @ Bahnhofspaten
13:52
Hier gibts nur eine Gruppe von Idioten:
die ehrenamtlichen Paten !
Wie bekloppt muss man eigentlich sein, um ausgerechnet so ein Schweineunternehmen wie die Bahn ehrenamtlich zu unterstützen und deren kundenfeindliche Abzockphilosophie voranzutreiben.
13:25
Vielleicht sollte sich mal jemand melden, der den Job des Vorstandsvorsitzenden ehrenamtlich macht....damit könnten so einige kleine Leute eingestellt werden...die dann für Ordnung sorgen...Ansonsten ist der Vorschlag eine Frechheit.. schönen Tag noch...in diesem unseren Lande..in dem es nur noch nach Profit geht... ich denke ...es dauert nicht mehr lange, dann wird bei diesen Herrschaften über Sklavenhaltung nachgedacht.... obwohl... ich denke...sie versuchen es schon....