Der Mann, der Obama zum Sieg twitterte
22.06.2009 | 06:53 Uhr 2009-06-22T06:53:00+0200Essen. Interview mit Thomas Gensemer, der für den derzeitigen US-Präsidenten Barack Obama 2008 dessen Internet-Wahlkampf organisiert hat. Am 24. Juni kommt er zum Medienforum NRW nach Köln.
Vor allem junge Menschen in Deutschland sind wahlmüde. Könnten politische Parteien diese jungen Wahlberechtigten anlocken, indem Politiker Internet-Plattformen wie Facebook oder Twitter nutzen?
Thomas Gensemer: Die jüngsten politischen Ereignise in den USA und der Welt haben gezeigt, welche Macht soziale Netzwerke im Internet für die politische Arbeit haben. Millionen Menschen können Facebook und Twitter ganz einfach nutzen, um mit einem Kandidaten oder einer Organisation über eine Internet-Plattform zu kommunizieren, auf der sie sich bereits in ihrem alltäglichen Leben tummeln.
Ebenso wichtig wie das Gespräch zwischen einer Partei und ihrer Anhänger ist aber das Gespräch zwischen Parteianhängern und ihren Freunden. Diejenigen, die sich bei Parteien engagieren, können in sozialen Netzwerken ihre Unterstützung kundtun und ihre Freunde auffordern, ebenfalls aktiv zu werden.
Eine politische Partei sollte sich nicht nur zum Ziel setzen, eine große Gruppe bei Facebook oder Twitter um sich zu scharen. Wichtig ist, den Menschen die Möglichkeit zu geben, sich für eine Partei zu engagieren - bei Facebook, auf ihrer eigenen Website oder außerhalb des Internets.
Sind Twitter, Facebook & Co. die richtigen Internetplattformen, um die Menschen über politische Themen und Entwicklungen zu informieren - die ja oft komplex sind? Wie sollten Politiker diese Plattformen nutzen?
Gensemer: Bei den jüngsten Ereignissen im Iran nach den Präsidentschaftswahlen haben wir die Kraft von Facebook und Twitter gesehen, die Menschen über wichtige politische Entwicklungen zu informieren. Die Leute schauen nicht mehr allein auf die wichtigen Fernsehsender und Zeitungen. Im Internet fließen die Nachrichten schneller. Zudem stellen Nutzer selber Informationen ins Netz. Und es gibt eine Art Gemeinschaftssinn. Wichtig ist, zu überlegen, wie man die unglaubliche Macht von nutzererzeugten Inhalten in eine Bewegung münden lassen kann.
"E-Mails sind der effektivste Weg"
Facebook und Twitter bieten aber nicht immer die beste Möglichkeit, um mit Unterstützern zu kommunizieren. E-Mails sind dafür weiterhin der effektivste Weg - wenn es um einen Dialog zwischen Partei und Anhängern geht. Nicht jeder ist bei Facebook oder Twitter aktiv. Und nicht jeder nutzt diese Plattformen, um seine politische Agenda zu verbreiten. Dagegen sind die meisten Internetnutzer mit E-Mails vertraut.
Heute reicht es nicht, dass Kandidaten einer Partei allein auf Webseiten wie Facebook oder Twitter präsent sind. Die Leute erwarten sich nicht nur Pressemitteilungen, wenn sie sich bei Twitter tummeln. Anhänger erwarten regelmäßige Statusmeldungen, was ein Kandidat gerade macht - ganz so, wie das ihre Freunde auch tun. Diese Statusmeldungen gewähren einen Blick in Gedanken und Alltag eines Politikers. Wahrhaftigkeit ist wichtig. Und wenn Politiker wirklich Teil dieser Internet-Gemeinschaft werden, können sie dort treue Unterstützer um sich scharen.
Wie sieht der Wahlkampf der Zukunft aus - in den USA und in Europa?
Gensemer: Der Wahlkampf des US-Präsidenten Barack Obama wird künftige Wahlkämpfe tiefgreifend beeinflussen. Die amerikanische Bevölkerung wollte nicht nur einen Wechsel in Washington - sie wollten etwas tun, um die Zukunft der USA zu verändern. Obamas Wahlkampf drehte sich nicht nur um ihn, sondern auch um eine breite Bewegung für einen Wandel.
Obama ermächtigte Unterstützer, selbst für die Sache tätig zu werden - Wähler zu mobilisieren, sich an Nachbarn zu wenden, Zeitungen Leserbriefe zu schreiben oder Geld zu spenden, um Teil der Wahlkampagne zu werden. Die Internet-Technik war wichtig, um all diese Aktivitäten zu ermöglichen. Und da die Technik fortlaufend verbessert wird, werden Politiker im Wahlkampf neue revolutionäre Wege beschreiten können, um ihre Wähler zu erreichen.
Wie würden Sie den Wahlkampf für Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gestalten?
Gensemer: Die Kanzlerin will ihr Amt behalten - und wird nicht direkt vom Volk gewählt. Das ist eine echte Herausforderung für Merkel. Aber dies bietet ihr auch eine Möglichkeit, um direkt mit ihren Unterstützern über ihre Arbeit zu reden - wie sie Deutschland durch die Wirtschaftsturbulenzen steuert und auf der internationalen Politikbühne agiert. Sie kann ein Augenmerk richten auf Geschichten von Leuten in Deutschland, die von ihrer Politik profitieren. Indem sie das Gespräch mit ihren Wählern sucht, kann sie die Menschen überzeugen, zur Wahl zu gehen.

07:11
Was für ein Artikel.... Ein Interview ohne Bild desjenigen. den man interviewt? *kopfschüttel*
04:10
oder hies das Lebra..???
04:09
die LabradorPartei freut sich......
22:28
Browser, was sind jetzt nochmal Browser?