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Landesgartenschau 2010

Der kleine Garten Eden vom Kasernenhof

14.04.2010 | 18:01 Uhr
Der kleine Garten Eden vom Kasernenhof

Hemer. "Landespolitisch“, sagt NRW-Umweltminister Eckhard Uhlenberg, „hat sich diese Region viele Jahre lang unter Wert verkauft.“ Und jetzt das! Die Landesgertenschau in Hemer wartet in vielfacher Hinsicht mit Premieren auf.

Zum ersten Mal erblüht im Sauerland eine Landesgartenschau. Zum ersten Mal erfährt sie nahezu ungeteilte Zustimmung in der Bevölkerung. Und eröffnet wird sie drei Wochen vor der Landtagswahl. Eckhard Uhlenberg, der CDU-Minister aus Südwestfalen, muss sich auf dem Gartenschau-Gelände in Hemer im Moment wie in einem kleinen Garten Eden fühlen.

Gestern, bei der Vorstellung des Geländes, hatte er die Blücher-Kaserne, die sich in nicht einmal drei Jahren in einen 36 Hektar großen Park verwandelt hat, politisch noch ganz für sich allein. Am Samstag, zur Eröffnung, reist selbst im größten Wahlkampfstress Ministerpräsident Jürgen Rüttgers an. Es heißt, er werde sich Zeit nehmen. Wo kann man schließlich besser punkten als in blühenden Landschaften.

In Teilen aber wird Rüttgers mal wieder eine Baustelle vorfinden, diesmal keine politische. Der Winter war hart im Sauerland, einige Arbeiten sind in Verzug. Augenfällig ist das vor allem oben auf dem Jüberg, wo ein neuer Turm als Wahrzeichen der Stadt Hemer entsteht. Obwohl die Arbeiter im Zweischichtbetrieb zurzeit morgens um 6 Uhr kommen und nachts erst um 4 Uhr gehen, glaubt niemand daran, dass der Turm am Samstag erklommen werden kann. Selbst die Stadtoffiziellen bauen vor: Vielleicht werde es letztlich nur an der rechtzeitigen Bauabnahme scheitern.

Ingo Klammer kennt das. „Ich habe Gartenschauen erlebt, da kam der Minister vorn in die Halle rein und hinten wurde noch der Dreck rausgefegt“, sagt der Gärtner aus Dortmund. Zusammen mit Kleingärtnern aus dem Kreis Unna und Iserlohn sowie Gartenbaufreunden aus Dortmund macht Klammer das, was eigentlich Kernaufgabe einer Gartenschau ist. Im selbst angelegten Freizeitgarten wird er Hobbygärtner beraten - in Fragen des Düngens und des Pflanzenschutzes. Bis zu 60 Gartenfreunde werden ehrenamtlich im Einsatz sein. In diesem Winkel der begrünten Kaserne wird die Gartenschau zu einer Art grüner Volkshochschule.

Sonst ist nicht mehr viel zu erkennen vom Gartenschaukonzept vergangener Tage, das gern als das einer Blümchen-Olympiade verspottet wurde. Hemer wollte mehr. Ein Ausflugsziel für alle Altersstufen. Eine hochmoderne Skateranlage für Jugendliche ist neu entstanden, wunderschöne Spielplätze schmiegen sich in die Landschaft, die oberhalb des früheren Kasernenhofs durchaus waldreich und wild ist. Das Felsenmeer, die größte Touristenattraktion der Stadt im Märkischen Kreis, ist jetzt auf einem hölzernen Pfad begehbar. Schöne neue Aussichten für eine Stadt, die nach den Worten ihres Bürgermeisters Michael Esken mit erheblichen städtebaulichen Defiziten zu kämpfen hatte. „Zeitweise wurden 8,1 Prozent der Stadtfläche militärisch genutzt“, sagt Esken. Und das Militär ist weggetreten.

Man könnte sich fast schon wundern, wie sehr ganz Hemer hinter dem Gartenschau-Gedanken steht. Andernorts haben sich Kommunalpolitiker wegen zu teurer Gartenschauen jahrelang erbitterte Redegefechte geliefert. „Damals, als sich die Vergabe-Kommission der Landesgartenschau die Bewerber-Städte ansah, waren bei uns schon 5000 Menschen dabei“, erinnert sich Esken. Im Stadtrat wurde die Bewerbung einstimmig gebilligt. Und auch Hemeraner, die man im Vorbeigehen fragt, haben einhellig eine gute Meinung von „ihrer“ Gartenschau. „Hier war doch nichts, hier war alles tot“, sagt Erzieherin Katrin Köster. „Und jetzt: Wo man hinschaut, überall Blumen.“ Michiel Verbruggen, Zahnarzt aus dem Stadtzentrum, bescheinigt seiner Wahlheimat sogar einen Quantensprung. Er blickt vom Jüberg herab, wo seine Tochter gerade ein Kunstwerk aufstellt, und sagt: „Das ist ein Glückslos für Hemer.“ Die neuen Straßenführungen, der neue Stadtpark, Investitionen in den Stadtkern: „Das alles hier  bringt die Stadt um 20 Jahre nach vorn.“

Die Sonne lachte gestern auf Hemer. Sie wird es am Samstag, zur Eröffnung, vermutlich wieder tun. Kritische Stimmchen gab es gestern allenfalls von Kindergartenkindern wie Caroline, die auf dem neuen Wasserspielplatz nicht rechtzeitig in Deckung ging. Man mag glauben, dass Caroline als eine von ganz wenigen Besuchern die Landes-Gartenschau 2010 wie ein begossener Pudel verlässt.

Jürgen Potthoff

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