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Streit

Der Kampf um den Heilstollen geht weiter

19.11.2008 | 21:06 Uhr
Der Kampf um den Heilstollen geht weiter

Schmallenberg. Im Sauerland streiten sich seit Jahren zwei Stollenbesitzer um die Heilkraft ihrer Tunnel. Es ist ein Streit, der Auswirkungen auf viele Kureinrichtungen in ganz Deutschland haben könnte.

Es geht um Wasser, es geht um Luft, vor allem aber geht es um die Frage: Wann darf man einen Stollen auch „Heilstollen” nennen?

Der Nordenauer Hotelier Theo Tommes hat das viele Jahre lang gemacht. 1991 entdeckte ein niederländischer Klempner in Tommes' zum Weinkeller umfunktionierten Schieferstollen „Erdstrahlen”. Rechtsdrehend. Und ganz in der Nähe sprudelte eine Quelle. Das könne, prophezeite der Besucher dem Hotelier, „ein zweites Lourdes” werden.

Nach dem Besuch war die Krücke auf einmal verzichtbar

Wurde es nicht ganz, aber immer mehr Besucher berichteten nach dem Genuss des Quellwassers von wundersamen Heilungen. Mal sank der hohe Blutdruck, mal bildete sich die verkrümmte Hornhaut zurück oder Flatulenzen verschwanden. Ja, sogar manche Krücke soll nach dem Stollenbesuch verzichtbar gewesen sein. So etwas spricht sich herum. Mittlerweile kommen über 100 000 Besucher pro Jahr und zahlen sechs Euro für eine halbe Stunde „Bestrahlung” . „Wasser so viel man will inklusive”, sagt Tommes.

Jahre später öffnete nur ein paar Kilometer entfernt in Bad Fredeburg der Felicitas-Schieferstollen seine Pforten. Ohne Quelle, aber mit viel guter Luft. Messungen, sagt Georg Guntermann, Geschäftsführer des Stollens, hätten das belegt. Deshalb hat Guntermann seinen Stollen auch Heilstollen genannt. „Mit dem Segen der zuständigen Behörden.”

Aber unerlaubt, wie das Landgericht Arnsberg schon Anfang 2007 urteilte. Seitdem ist Felicitas nicht mehr Heil-, sondern nur noch Schieferstollen. Wenige Monate später verbaten die Richter auch Theo Tommes, weiterhin mit dem Begriff „Heilstollen” zu werben. Ein Urteil, das vom Oberlandesgericht Hamm jetzt bestätigt wurde.

Verbot hatte kaum Auswirkungen

Wer in diesem Streit wen zuerst verklagt hat, darüber gibt es verschiedene Versionen. Je nachdem, welche Seite man fragt. Letztendlich ist es egal, denn: „Selbst ohne die Werbung als Heilstollen läuft es gut bei uns”, sagt Theo Tommes. Und für den Felicitas-Stollen hat das Verbot laut Guntermann auch „kaum Auswirkungen” gehabt.

Felicitasstollen Bad Fredeburg

Inzwischen schlagen die Kontrahenten leisere Töne an. „Es wäre besser gewesen, wir hätten an einem Strang gezogen”, findet Guntermann heute. „Für uns und für die Region.” Und Tommes-Sohn Torsten will zumindest „keine neue Schärfe” in den Fall bringen. Beendet ist die Sache dennoch nicht. Familie Tommes zieht nämlich gegen das Hammer Urteil vor den Bundesgerichtshof (BGH). „Eine Nichtzulassungs-Beschwerde ist eingereicht”, bestätigt Torsten Tommes. „Weil die Richter den Begriff Heilen in einer Art und Weise ausgelegt haben, die wir nicht teilen.”

Nach Ansicht des Oberlandesgerichtes kann nämlich durch den Aufenthalt im Nordenauer Stollen und durch das Trinken des Stollenwassers keine Krankheit komplett geheilt werden. Allenfalls könne man von vorbeugender oder lindernder Wirkung auf vielfältige Krankheiten sprechen.

Auftakt-Konzert in Heilstollen Felicitas

Das sieht Tommes natürlich anders. „Freie Radikale” seien es, die durch die Strahlung im Stollen bekämpft würden, also kurzlebige, aggressive, sauerstoffhaltige Verbindungen, die angeblich viel Schaden im menschlichen Körper anrichten können. Wissenschaftliche Untersuchungen würden das bestätigen. „Aber die haben die Richter in Hamm nicht anerkannt”, ärgert sich Tommes.

Deshalb will sein Sohn über die Gutachten gar nicht mehr reden. Er will vor dem BGH „gleiches Recht für alle”. Sollten die Karlsruher Richter ihren Hammer Kollegen folgen und den Begriff des Heilens extrem eng auslegen, sieht Tommes eine ganze Branche in Gefahr. „Dann gibt es in Deutschland kein Produkt mehr, das mit dem Zusatz ,Heil' werben darf.”

Andreas Böhme und Klaus Brandt



Kommentare
19.11.2008
20:21
Der Kampf um den Heilstollen geht weiter
von mark.e.smith | #2

Oh Gott, wahrscheinlich werden auch Ionenwandellampen aufgestellt und das Wasser energetisch aufgwertet, indem ihm spirituelle Musik vorgespielt wird.
Der gute Hotelier beherrscht offensichtlich nur sein Fach, von Biophysikalischen und -chemischen Vorgängen hat er keine Ahnung.

19.11.2008
20:02
Der Kampf um den Heilstollen geht weiter
von naseweis | #1

Heißt das nun Heil Stollen, oder Heilstollen? Für Aufklärung wäre ich sehr dankbar

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