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Der Große Bruder spricht

21.06.2009 | 18:39 Uhr

Wir sind auf dem besten Weg, Orwells Schreckensvision von 1984 wahr werden zu lassen. Die Anzeichen dafür häufen sich. Das Prinzip Big Brother steckt schon in uns allen.

Das fängt beim Sprechen an („Rückbau” statt „Abriss”) und hört am Arbeitsplatz noch lange nicht auf. Zwiesprech feiert Urständ, und viele klatschen enthirnt.

Einen Schritt weiter gegangen ist jetzt der Automobilhersteller BMW. Getreu dem Motto „Wer nicht für uns ist, ist gegen uns” hat das Unternehmen seinen Mitarbeitern kürzlich Kärtchen unter die Scheibenwischer geklemmt: „Was stimmt hier nicht?”, kriegten diejenigen zu lesen, die ein werksfremdes Fahrzeug ihr Eigen nennen, „Sie arbeiten gerne bei uns. Sie wissen Ihren Arbeitsplatz und Ihr Einkommen zu schätzen. Aber Sie fahren ein Fahrzeug der Konkurrenz.” Klartext: Wer bei der Marke mit dem blau-weißen Propeller im Logo arbeitet, sollte auch nur deren Autos fahren.

Wenn das Beispiel Schule macht und in ein paar Jahren zur Pflicht wird, dann wird's bitter. Dann ist bei Zeitungsleuten nur noch der eine Titel erlaubt, bei Fernsehmachern läuft ausschließlich das eine Programm und die Lebenserwartung der bemitleidenswerten Menschen in den Burger-Brater-Ketten dieser Welt sinkt durch Fettschock und Herzinfarkt auf ein Minimum.

Tim Müßle

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