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Nach Erdrutsch in Kamen

Der Albtraum wiederholt sich

12.07.2009 | 17:37 Uhr

Kamen. Sonntag Mittag in Kamen-Wasserkurl: Es ist richtig dicke gekommen für die Nachbarn im Erdrutsch-Gebiet an der Afferder Straße. Da freut man sich schon über „Kleinigkeiten”: In Kürze dürfen die Möbel aus dem stark baufälligen Haus Nr. 8 geholt werden. Kirsten Neumann jubelt ganz kurz.

Seit Donnerstag Abend sind Erde, Häuser und Menschen in Bewegung in Wasserkurl. Eine Erdwärmebohrung hat zu der plötzlichen Bodensenkung geführt – ohne dass die konkreten geologischen Zusammenhänge schon klar wären. Elf Häuser mit 45 Bewohnern wurden zunächst evakuiert. Die meisten konnten am Freitag wieder einziehen. Am Samstag Abend schien man die Lage zunächst im Griff zu haben – in der Nacht zum Sonntag verschlimmerten sich die Risse in den betroffenen Häusern aber wieder. Um 1.30 Uhr wiederholte sich der Albtraum für Familie Meyer im Haus Nr. 10: Sie müssen wieder auf die Straße.

Zu groß ist die Einsturzgefuhr des benachbarten alten Fachwerkhauses (Nr. 8). Auch das Haus Nr. 4 ist vorübergehend unbewohnbar. In der Nacht wurden zusätzliche Rosse sichtbar. „Die rückwärtige Giebelwand hat sich um 2 Millimeter nach außen geneigt”, erklärt der Experte des Technischen Hilfswerks, Holger Hohage, am Sonntag Mittag in der Lagebesprechung mit Nachbarn. Das THW stützt nun auch dieses Haus. „18 bis 20 Stunden wird das dauern”, erklärt Hohage. Bürgermeister Hermann Hupe übersetzt: „Morgen früh können Sie wieder in ihr Haus.”

Wenn sich in der nächsten Nacht nicht noch einmal die Ereignisse überschlagen sollten. Ganz ausgeschlossen ist das nicht. Zwar sei die Verformung des Erdbodens zum Stillstand gekommen, erklärt der Geologe Dr. Hans Ulrich Höfer. Die Gebäude aber reagieren mit Verzögerung auf die Erdbewegung. „Es kann noch ein paar Tage dauern, bis die Häuser sich auch stabilisieren”, kündigt der Geologe an.

Warum die zunächst harmlos erscheinende Erdwärmebohrung einen solch massiven Schaden auslösen konnte, werden die Experten indes frühestens in einer Woche wissen. Eine Tiefbohrung soll die Verhältnisse 80 Meter unter der Oberfläche klären. Auf das Ergebnis ist natürlich auch Familie Neumann aus Haus Nr. 8 gespannt. Das Vierfamilienhaus war mal als Alterssicherung gedacht – und steht jetzt nur noch durch die vielen Träger und Stützen, die das THW in Tag- und Nachtarbeit eingebaut hat. Was das für die Zukunft bedeutet – wirtschaftlich vor allem – ahnt Kirsten Neumann nur dunkel. Im Vordergrund steht für sie anderes: Die Nachbarn können ihr Hab und Gut retten, Haus Nr. 10 wird bald wieder bewohnbar und vor allem: „Kein Mensch und kein Tier ist zu Schaden gekommen, das ist doch das Wichtigste, oder?”

Werner Wiggermann

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