Das aktuelle Wetter NRW 14°C
Umstrittene Pläne

Das Land will Teile des Staatsforstes verkaufen

22.04.2009 | 11:10 Uhr
Das Land will Teile des Staatsforstes verkaufen

Düsseldorf. Heute steht im Umweltausschuss des Landtages ein umstrittenes Thema an: Das Land will mehr als 2650 Hektar Staatswald, knapp drei Prozent des NRW-Staatsforstes, an die Stiftung des Tiefkühlkost-Unternehmers Josef H. Boquoi (Bofrost) verkaufen. Sogar CDU-Funktionäre sind gegen den Plan.

Das Thema Wald ist derzeit emotional hoch aufgeladen. „Refeudalisierung”, schimpft etwa Johannes Remmel, Sprecher der Grünen im Landtag. „Früher galt: Dem Fürst gehört der Wald. Wir wollen das Rad nicht zurückdrehen.” Die Grünen fordern, das Land solle die Staatswaldquote von 13 Prozent noch aufstocken. Gerade aus finanziellen Gründen will Finanzminister Linssen aber das grüne Tafelsilber des Landes verkaufen. Mit dem Kaufpreis von 25,5 Millionen Euro sollen Haushaltslöcher gestopft werden.

In den Eifel-Gemeinden ist ziemlich alles auf dem sprichwörtlichen Baum, was protestieren kann: die Bürger, Umweltverbände, Naturschützer und auch die CDU-Bürgermeister. In Nettersheim haben sich zwei Drittel der Bürger gegen einen Verkauf der „Eifelrestflächen” ausgesprochen.

Am Montag noch überreichte eine breite „Allianz gegen den Staatswaldverkauf” Umweltminister Uhlenberg 4000 Protestunterschriften, am Dienstag kamen noch einmal 1000 von der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) hinzu. „Das ist für so eine kurze Zeit eine enorme Resonanz”, sagt SDW-Geschäftsführer Gerhard Naendrup. Die SDW befürchtet eine Signalwirkung für andere Bundesländer und für Städte. „Wir haben nichts gegen den Verkauf von Splitterbesitz; aber in diesem Umfang und zur Konsolidierung des Haushaltes - das ist ein einmaliger Vorgang.”

Grüne sehen Interessenskonflikte bei Linssen

In einer pikanten Lage sieht sich die CDU-Landtagsabgeordnete Marie-Luise Fasse. Sie ist auch Vorsitzende des SDW-Landesverbandes. Da wird man ja nicht für einen Verkauf stimmen, oder? Interessenskonflikte sehen die Grünen auch bei Finanzminister Helmut Linssen. Er stamme, sagt Johannes Remmel, aus dem Wahlkreis, in dem auch Bofrost-Stifter Boquoi wohne. Zudem sei bei der Ausschreibung der Flächen ein weiterer Bieter nicht berücksichtigt worden. "Es gibt einen weiteren Interessenten", sagt Remmel, "Victor Rolff will den Wald in eine gemeinnützige Stiftung überführen."

Der Rechtsanwalt Jörg Zumbaum, Vertreter von F. Victor Rolff vom Gut Burg Gladbach in Vettweiß, hat sich bereits in Schreiben an Ministerpräsident Jürgen Rüttgers und Landtagspräsidentin Regina van Dinther gewandt. Darin reklamiert er, dass Rolff für Teilflächen von insgesamt 1047 Hektar mit 10.635.138 Euro rund 788.000 Euro mehr geboten habe als die Bofrost-Stiftung. Angefügt war die dringende Bitte, dass sich Rüttgers der Angelegenheit annehme.

Umweltministerium: Der Verkauf ist beschlossene Sache

An der Entscheidung über den Verkauf ist nicht mehr zu rütteln, sagt Wilhelm Deitermann, Sprecher von Umweltminister Uhlenberg, dessen Haus den Verkauf leitet. In den kommenden Sitzungen gehe es nur noch um Detailfragen.

Bei Bofrost in Straelen kann man die Aufregung gar nicht verstehen. Die Stiftung handele auf der Grundlage des Waldgesetzes. „Dies beinhaltet ein nachhaltiges, naturnahes, standortgerechtes, bodenschonendes, fachgerechtes und ökologisches Waldmanagement”, sagt Stiftungs-Geschäftsführer Dr. Thomas Stoffmehl. Im übrigen gehe es nur um Holzbewirtschaftung, nicht um jagdliche Interessen von Josef H. Boquoi. Der habe, so Stoffmehl, noch nicht einmal einen Jagdschein.

Michael Schmitz


Kommentare
22.04.2009
10:35
Das Land will Teile des Staatsforstes verkaufen
von p_s_a | #4

Der Deckmantel Sanierung der Staatsfinanzen muss ähnlich wie Kinderpornografie für alles herhalten.

Wieviele Tage reichen denn 25 Millionen bei einer Verschuldung von 120 Milliarden ?. Als Bonbon bekommt diese Stiftung die nicht gemeinnützig ist noch ca. 15 Millionen Steuererstattung so das gerade mal 10 Millionen in die Staatskasse gespült wird.

Was ist nur aus der Partei Ludwig Erhards geworden.

22.04.2009
10:07
Das Land will Teile des Staatsforstes verkaufen
von bernieabg | #3

Jaja, die Feudalherrschaft kommt in Form des Geldadels zurück, demnächst werden die Autobahnen verkauft und gesperrt wenn der hochwohlversorgte Eigentümer den Veyron ausfahren will.

22.04.2009
09:12
Das Land will Teile des Staatsforstes verkaufen
von irgendwomussdiekohlejaher | #2

Boah, @ Shangrenade -
was denkst du aber schlecht von den Menschen...

22.04.2009
08:19
Das Land will Teile des Staatsforstes verkaufen
von Shangrenade | #1

Das riecht nach:

Hey, Linssen! Sieh mal zu, dass ich an den Staatswald komme. Aber heute noch! Und frag nicht soviel, sondern mach endlich!!!

;-))

Aus dem Ressort
Fan-Shop und Tickets — BVB plant Service-Center am Stadion
Signal-Iduna-Park
Der BVB plant ein neues Service-Center direkt in Stadion-Nähe. Bis 2013 sollen Millionen in den Neubau investiert werden, in dem neben einem Ticket-Bereich auch ein großer Merchandising-Bereich entstehen soll. Die Entwürfe sind in Arbeit.
Römer im Anmarsch - Baubeginn in Bergkamen
Archäologie
Es war das größte Römerlager nördlich der Alpen und wurde 1905 in Bergkamen-Oberaden entdeckt. Jahrelang durften die Geschichtsfreunde von einem Archäologischen Park an Ort und Stelle nur träumen - im Sommer wird endlich gebaut.
Die Angst vor der Scharia ist größer
Assad-Regime
Er wünscht sich eine syrische Demokratie, doch vor der Revolution und ihren Folgen fürchtet er sich. Deswegen steht Julius Hanna Aydin, Bischof der syrisch orthodoxen Kirche in Deutschland fest hinter Assads Regime. Nahostexperte Jochen Hippler hält das für bedenklich.
Bürger wollen eine Straße „Marke Eigenbau“
Sanierung
Die Anlieger einer Wohnstraße in Warstein wehren sich gegen den teuren Ausbau. Statt die mit Schlaglöchern übersäte Straße für viel Geld komplett zu sanieren, wollen die Anwohner stattdessen eine Billig-Lösung Marke Eigenbau. Doch es gibt Widerstand.
Wo sollen Kinder spielen?
Gesellschaft
Der Chef der Senioren-Union in NRW hat die Debatte um Kinderlärm in Wohngebieten wieder entfacht.
Umfrage
Neue Runde in der Affäre Schavan: Norbert Lammert sagt seine Rede an der Uni Düsseldorf ab. Ist das angemessen als Bundestagspräsident?

Neue Runde in der Affäre Schavan: Norbert Lammert sagt seine Rede an der Uni Düsseldorf ab. Ist das angemessen als Bundestagspräsident?

 
Fotos und Videos
SG Massen gegen SC Hamm
Bildgalerie
Fotostrecke
SG Holzwickede vs. SV Langschede
Bildgalerie
Fotostrecke
Schwerer Verkehrsunfall
Bildgalerie
Fotostrecke
Wandern mit der WR
Bildgalerie
Fotostrecke
Weitere Nachrichten aus dem Ressort
Nach der Wut muss der Dialog folgen
Forensik kommt nach Lünen
Schnelle Messer
Gesundheitssystem
Islamkonferenz am Ende
Kommentar von Marc-André...
Irrwitzige Idee
CDU fordert Führerschein...
Vorurteile Abbauen
Kommentar