Das Experiment „Pop-Abo“ ist geglückt
23.08.2010 | 17:31 Uhr 2010-08-23T17:31:00+0200
Dortmund.Klassische Konzerthäuser sind nur etwas für die Generation Silberfuchs? In Dortmund greift die Regel nicht: Die Erfindung des Pop-Abos lockt seit fünf Jahren auch Studenten und Mitt-Dreißiger ins Konzerthaus an der Brückstraße.
Es war ein Experiment. Ein Test. Zugegeben: ein mutiger. Kann ein klassisches Konzerthaus auch Pop? Nimmt das modern-urbane Publikum Pop-Konzerte ernst, bei denen man in Plüschsesseln sitzt und andächtig lauscht statt rockt? Offensichtlich. Das Experiment „Pop-Abo“ scheint geglückt – obwohl das Konzerthaus Dortmund laut eigenen Angaben noch immer das bundesweit einzige Haus mit einer Popmusik-Reihe ist.
Lücke zwischen Mitt-Zwanzigern und Mitt-Vierzigern
„Die Konzerte ziehen eine Klientel an, die wir bei sinfonischen Konzerten vermissen“, erklärt Konzerthaus-Sprecherin Katharina Kierig. Das klassische Konzerthaus-Publikum ist eher grau-meliert. Ein wenig älter eben. In der Ü50-Masse tummelt sich zwar auch Jungvolk – aber der gesunde Mittelbau fehlt. „Zwischen Mitte 20 und Mitte 40 klafft eine Lücke“, erklärt Kierig. Und genau diese Lücke schließe das Pop-Abo.
Die Hoffnung: Wenn die „Generation Golf“ das Konzerthaus als Veranstaltungsort gemütlicher Pop-Konzerte in Erinnerung behält, sinkt die Hemmschwelle für Sinfonie und Co. Ob das Konzept aufgeht, wird sich frühestens in ein paar Jahren zeigen. Die einzig greifbare Zahl: Seit der Premieren-Saison vor fünf Jahren ist die Abo-Zahl auf weit über 200 gestiegen. Damit ist der Abonnenten-Anteil in Relation zu frei verkauften Karten zwar noch immer geringer als bei klassischen Konzerten, aber die Zahl steigt mit jeder Saison.
Setlur und Stürmer gibt’s nicht mehr
Nach einer anderen Zielgruppe strecke das Konzerthaus die Fühler allerdings nicht aus, so Kierig. „Wir hatten anfangs Christina Stürmer und Sabrina Setlur bei uns, die ja eher Teenies ansprechen. Aber diese Art von Konzerten wollen wir nicht mehr.“ Stattdessen wolle man das Publikum mit dem Unbekannten reizen. Mutig musikalisches Neuland betreten. Künstler einladen, die sonst durchs Raster fallen. Nur drei der fünf Saison-Bands zu kennen – das sei ein guter Schnitt.
Bis zur Verpflichtung solcher Pop-Perlen ist es allerdings ein weiter Weg. „Pop-Beauftragter“ Christian Lenzing zieht fürs Konzerthaus durchs Land und sucht auf Festivals und bei Agenturen nach Schätzen, die ins Dortmunder Raster passen. In dieser Saison liegt der Schwerpunkt auf Singer-Songwriter. Wenn die passende Band gefunden ist, geht’s meist ganz schnell. „Das Pop-Abo hat sich in der Szene herumgesprochen“, weiß Konzerthaus-Sprecherin Kierig. Das Haus habe einen guten Ruf, die Künstler kommen gern, stöpseln ihre Instrumente für die Akustik-Konzerte aus und genießen das gediegene Ambiente. Oder wie Kettkar es nach ihrem Konzert gesagt haben sollen: „Wir waren total geflashed von dem Raum.“
Kompetenz in Klassik und Pop
Aber so erfolgreich das Dortmunder Pop-Abo auch sein mag – die benachbarten Konzerthäuser planen derzeit keinen „Ideen-Klau“. Die Philharmonie Essen etwa wolle ihr Angebot auch weiterhin auf Klassik und Jazz beschränken, erklärt Sprecher Christoph Dittmann: „Wir wollen allerbeste Qualität abliefern – und Popmusik können andere Veranstalter eben besser als wir.“ Was indes nicht heiße, dem Konzerthaus Dortmund fehle es an Kompetenz. „Die Dortmunder haben sich sehr früh für Pop-Musik stark gemacht – sie gehörte von Anfang an zum Profil.“
Das Pop-Programm der Saison 2010/11:
- 8. Oktober 2010, 20 Uhr: Tina Dico & Band
- 28. Januar 2011, 20 Uhr: Sophie Hunger & Band
- 18. Februar 2011, 20 Uhr: Gisbert zu Knyphausen & Band
- 15. März 2011, 20 Uhr: Efterklang
- 17. Juni 2011, 20 Uhr: William Fitzsimmons

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